Pfarre zeigt ihren Vermögensverwalter an

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
Klingelbeutel
Das Generalvikariat musste jetzt einräumen, nicht die ganze Wahrheit gesagt zu haben: Der verurteilte Dieb K. wurde im Kirchendienst erneut „erwischt“. Symbolbild: dpa

Aachen. Im Fall des rechtskräftig verurteilten Diebes und ehemaligen Bankdirektors K., der ungeachtet seiner Vorstrafe vom Bistum Aachen als Finanzexperte mit weitreichenden Befugnissen eingestellt worden war, gerät das Generalvikariat in Erklärungsnot. Der Vorwurf der Lüge steht im Raum. Denn K. hat offenbar erneut zugegriffen.

Noch vor fünf Wochen hatte die Bistumsleitung dem gelernten Bankfachwirt K., der vor Jahren das Schließfach eines verstorbenen Kunden ausgeräumt hatte, völlig untadeliges Verhalten in seiner „zweiten Karriere“ als kirchlicher Mitarbeiter bescheinigt. K. war ab 2010 sogar als Vermögensverwalter in der Pfarre St. Hubertus in Nideggen-Schmidt eingesetzt worden – gegen den Willen des dortigen Kirchenvorstands.

Das gewählte Gremium war von Generalvikar Manfred von Holtum abgesetzt worden, weil es heftigen Streit mit dem dortigen Pastor gegeben hatte. So lief in der Eifel zwangsläufig alles über den Schreibtisch von K. – von der Handwerkerrechnung über Barspenden bis zur Sonntagskollekte. Zwar wusste das Bistum schon bei der Bewerbung von K. um dessen Vorgeschichte. Schließlich hatte es das Wittlicher Amtsgericht 2005 als erwiesen angesehen, dass K. Wertpapiere für rund 90.000 Euro und fünf goldene Krügerrandmünzen gestohlen hatte. Sorgen machte sich der neue Arbeitgeber aber nicht.

„Der Anstellungsträger, der Kirchengemeindeverband Düren-Eifel, kam damals zu dem Ergebnis, dass dies für die Einstellung von Herrn K. nicht hinderlich sei“, teilte am 9. September Bistumssprecher Franz Kretschmann auf Anfrage unserer Zeitung mit. Und fügte hinzu: „Das bestehende Arbeitsverhältnis ist seitdem von hoher fachlicher Kompetenz und gegenseitigem Vertrauen geprägt.“ Was falsch war.

K. flog auf, als der Kirchenvorstand wieder in Amt und Würden kam. Aber bevor „sich mittlerweile der Justitiar des Bistums Karl Dyckmans im Namen seiner Vorgesetzten – Generalvikar Manfred von Holtum und dessen Stellvertreter Rolf-Peter Cremer – für das begangene Unrecht in schriftlicher Form entschuldigt und ausdrücklich alle damals erhobenen Vorwürfe als unberechtigt zurückgenommen“ hatte, wie der stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstands, Bernhard Haas, schildert. Da hatte K. schon reichlich Schaden angerichtet. Entgegen der Absicht des ausgebooteten Kirchenvorstands schloss er Verträge mit einem Verwaltungszentrum – das zufällig auch der eigentliche Arbeitgeber von K. ist. Unliebsame Mitarbeiter wurden entfernt, so konnte sich der „Herr im Haus“ leicht bedienen.

„Sicher ist es gut, Menschen die Chance zu einem Neuanfang zu geben“, erklärt Haas. „Aber man darf solche Menschen nicht zusätzlich in Versuchung führen. In Schmidt war die Versuchung zu groß“, stellt er fest. Es geht zunächst um Bargeld (150 Euro), ein Handy nebst Gebühren (449 Euro) und private Autoreifen auf Gemeindekasse. Die Pfarre erstattete Strafanzeige. Seit Februar 2012 war über all dies auch das Generalvikariat informiert, wie Bistumssprecher Kretschmann jetzt einräumt. K. zahlte die Beträge zurück. Konsequenz des Bistums: „In einem Gespräch mit Herrn K. wurde sein Verhalten beanstandet.“

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert