Pfarr-Bündnis: Zwangsfusion schafft Frust im Ehrenamt

Von: Elke Silberer, dpa
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Bischof Heinrich Mussinghoff
Weniger Katholiken, mehr Reformdruck: Heinrich Mussinghoff, Bischof von Aachen, will Pfarren bis zum Jahresende zwangsweise fusionieren. Foto: Robert Esser

Aachen. Nach der vom Aachener Bischof verfügten Zwangsfusion von Pfarrgemeinden im Bistum Aachen macht sich Frust unter den Ehrenamtlern breit. Das sagte der Sprecher des Aktionsbündnisses „Kirche vor Ort”, Karl Josef Begaß, am Montag in Würselen bei Aachen.

Viele Ehrenamtler in den Gremien wollten sich nicht mehr zur Wahl stellen. Diese Tendenz gebe es in vielen der rund 110 angeschlossenen Pfarreien. Bischof Heinrich Mussinghoff hatte in dem umstrittenen Fusionsprozess vor rund einer Woche die letzten Zusammenlegungen angeordnet.

144 Pfarren werden zu 35 Pfarren zusammengelegt. Die Gesamtzahl im Bistum sinkt bis Ende nächsten Jahres von 524 auf 415. Mussinghoff reagiert damit auf Katholikenschwund und Priestermangel.

Nach den massiven Sparmaßnahmen der vergangenen Jahre löste die Zwangsfusion eine zweite Welle der Empörung und sogar Wut aus. Pfarreien müssen aufgeben, was ihnen lieb und heilig ist: Kirchen, Namen, das eisern angesparte Vermögen.

Wehren können sie sich höchstens durch einen Einspruch vor der Schiedsstelle des Bistums.

Die Quittung könnte das Bistum schon Ende November bekommen, wenn Pfarrgemeinderäte und Kirchenvorstände im Bistum neu gewählt werden, meinte Begaß, Rendant in der Würselener Pfarre St. Pius.

„Sechs von acht Kirchenvorständen wollen sich bei uns nicht mehr ins Amt wählen lassen”, sagte er.

Der Frust hat eine längere Vorgeschichte: Es gab Unmut über Sparmaßnahmen, Querelen um ein zwangsverordnetes Abrechnungssystem und bischöfliche Entscheidungen am Volk vorbei. Auf diesem Nährboden wurde auch das kritische Aktionsbündnis gegründet.

Außerdem könne der immense Arbeitsaufwand in den Großpfarren wohl kaum noch von einem Ehrenamtler bewältigt werden.

„Wer im Ernst glaubt denn, dass die (Kirchenvorstände) sich um fünf Kirchen, um fünf Pfarrgemeinden und fünf Kindergärten kümmern können?”

Dieses Problem sieht auch Pfarrer Heinz Portz von St. Maria Himmelfahrt in Wassenberg (Kreis Heinsberg), die mit sechs Gemeinden fusioniert: 24 Gebäude und 50 Mitarbeiter seien von Ehrenamtlichen kaum zu managen.

„Es stellt sich doch auch die Frage, wie nah ist mir ein Jugendheim in einem Ort, in dem ich vorher nicht gewesen bin.”

Im Bistum rechnet man schon mit einem gewissen Frustpotenzial in den Gremien. Aber die Gemeinden hätten ja Gestaltungsmöglichkeiten in der Seelsorge, sagte Bistums-Sprecher Franz Kretschmann. Ob sich das so einfach trennen lässt, ist fraglich.

„Ich kann nicht sagen, wie vielen Leuten ich ausgeredet habe, aus der Kirche auszutreten. Und das sind Leute, die ich jeden Sonntag sehe”, sagte Pfarrer Portz.
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