Pendler-Stress: Und täglich grüßt der Stau

Von: Elke Silberer, dpa
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Stau im Berufsverkehr
Pendler stehen und stöhnen: Stau auf der Autobahn. Foto: dpa

Aachen. Der Stress beginnt für Birgit Begass nicht erst am Arbeitsplatz. Morgen für morgen quält sie sich über die Autobahn von Aachen nach Köln. Es sind nur 70 Kilometer. Aber dafür braucht sie zur Zeit geschlagene zwei Stunden. Die Staus auf den Autobahnen in NRW erreichen in diesem Monat wieder rekordverdächtige Werte.

„Der November ist der schlimmste Monat”, gibt Begass den Eindruck vieler Pendler wieder. Und wie alle fragen sie sich, woran das wohl liegt.

Wenn es dann auch noch einen Unfall gibt, ist das für die Pendlerin Stress pur: „Dann sind die Umleitungsstraßen dicht und man kommt keinen Meter weiter. Katastrophal.” Im vergangenen Jahr habe sie wegen der Verspätungen mal richtig Ärger an ihrer Arbeitsstelle gehabt. Seitdem baue sie einen noch größeren Puffer ein, um pünktlich zu sein.

Den subjektiven Eindruck bestätigt die Leitstelle der Polizei in NRW. „Im letzten Quartal gibt es immer mehr Störungen auf der Autobahn als im übrigen Jahr”, stellt der Fachmann für Staus, Günter Zubkowski, mit Blick auf die Statistik fest. Oktober und November seien die Spitzenmonate.

Für den Verkehrsexperten Professor Bernhard Steinauer hat das Autobahnnetz im Land ein grundsätzliches Problem: „Die Autobahnen in NRW sind von der Belastung her an der Kapazitätsgrenze”, sagt der Leiter des Instituts für Straßenwesen an der RWTH Aachen. Frühere Reserven seien durch den Schwerlastverkehr aufgebraucht. „Das ist wie mit einem Topf, der bis zum Rand voll ist. Kommen zwei Tropfen drauf, läuft er über.” Die angespannte Lage auf den Autobahnen hält aus seiner Sicht bis in den Dezember hinein an.

In NRW sind es mehr als „zwei Tropfen”, die das Fass überlaufen lassen. Es gibt kaum einen Menschen, der Ende Oktober oder im November Urlaub nimmt. Alle arbeiten und die Pendler sind zu fast 100 Prozent auf der Straße. Hauptverdächtiger ist in solchen Fällen immer auch das Wetter: schlechte Sicht, verschmutzte Fahrbahn. Das ist auch für Steinauer nicht wegzudiskutieren. Dazu kommen die Baustellen, die aus Pendlersicht am Jahresende wie Pilze aus dem Boden schießen. Da werde noch schnell das Geld verbraucht, das für das Jahr eingeplant war, meint der Experte.

Mit einer anderen Arbeitsweise an den Baustellen könnte man die Situation auf den Autobahnen entspannen. „Es muss rund um die Uhr gearbeitet werden, auch samstags”, fordert Steinauer ein Umdenken. „Die Baustelle hat sich nach dem Verkehr zu richten und nicht der Verkehr nach der Baustelle.”

Unfälle, Verkehrsüberlastung, Staus - diesem Problemen nähert sich die Wissenschaft mit der Vision einer „intelligenten” Straße: Der Straßenbelag besteht aus einem industriell gefertigten „Teppich” mit vielen Sensoren, die Informationen aufnehmen zu Autofrequenz, Geschwindigkeit, Wetter oder auch Straßenverlauf. Die Informationen werden in einer Zentrale zu Fahranweisungen umgerechnet und an einen Empfänger in die Autos gesendet. Dadurch könne eine Kapazitätssteigerung um 50 Prozent erreicht werden. 30 Institute der RWTH streben dazu einen Sonderforschungsbereich an.

Bis dahin bleibt Pendlern wie Birgit Begass nur die Bahn als Alternative. Für sie keine wirklich gute: „Da steht man dann zeitweise auf dem Bahnsteig und der Zug kommt nicht.”

Staus auf den Autobahnen in NRW

Nordrhein-Westfalen verfügt über 2200 Kilometer Autobahn in beide Richtungen. Die Zahl der Meldungen von Stau und stockendem Verkehr für diesen November steuert die 6000-Marke an. Die maximale Staulänge betrug bisher 18 Kilometer.

Die A 40 ist der Stau-Spitzenreiter im November 2010: Zwischen Straelen und Dortmund-West gab es über 500 Meldungen. Auf Platz zwei folgt die A 3 zwischen Bad Honnef/Linz und Elten mit rund 420 Meldungen. Auf dem dritten Platz liegt die A 1 Blankenheim-Osnabrück mit knapp 400 Meldungen. Fast staufrei kommt man auf den sieben Kilometern der A 524 von Duisburg bis Breitscheid durch. Es gab nur eine Staumeldung.
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