Parken ohne Schrammen: NRW schafft mehr Platz für „dickere” Autos

Von: Elke Silberer, dpa
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Die Parkplätze in neuen Parkhäusern müssen nach einer neuen Sonderbauverordnung mindestens 2,45 Meter breit sein. Foto: Friso Gentsch/dpa

Aachen. Das kennt wohl jeder Autofahrer. Endlich einen Parkplatz im Parkhaus gefunden. Aber: links steht ein wuchtiges Auto. Parkt mit den dicken Reifen fast auf der Stellplatz-Line. Rechts eine Beton-Stütze, mit der offensichtlich schon einige Autos Bekanntschaft gemacht haben. Dazwischen der Stellplatz mit schmalen 1,30 Meter Breite. Welches Auto passt da noch bequem rein?

Nachdem die Pkw seit Jahren in die Breite gehen, folgen in Nordrhein-Westfalen seit Jahresbeginn die Stellplätze in neuen Parkhäusern. Die müssen nach einer neuen Sonderbauverordnung mindestens 2,45 Meter haben - also 15 Zentimeter mehr als bisher. Aber damit sind die Autofahrer ihre Sorgen nicht schlagartig los.

Die neue Verordnung markiert wohl eher den Beginn einer Entwicklung, macht der Geschäftsführer vom Bundesverband Parken, Gerhard Trost-Heutmekers, deutlich. Für die Betreiber alter Parkhäuser wird es aus seiner Sicht schwierig werden, mitzuhalten. Sie stoßen wegen der Stützen an ihre Grenzen. Aber sie müssen auch nicht umbauen, sie haben Bestandsschutz.

Wie in Aachen etwa. Das neue Parkhaus am Uni-Klinikum wird natürlich mit der neuen Breite geplant, sagt der Geschäftsführer der Aachener Parkhaus GmbH, Herbert Sliwinski. Die meisten anderen Parkhäuser in der Stadt seien aber „uralt”. Bei denen sei kaum etwas zu machen. In der Regel werden drei Stellplätze von zwei Stützen eingerahmt. Das Maß aller Dinge sind die alten 2,30 Meter Stellplatzbreite.

„Für eine Verbreiterung von Stellplätzen auf den heutigen Status müsste man aus drei Parkplätzen zwei machen”, sagt Sliwinski. Ein Drittel der Stellplätze würde verloren gehen. Das rechne sich nicht. Und die tragenden Stützen könne man ja auch nicht wegnehmen. Diese Situation gibt es nach Angaben des Bundesverbands in ganz vielen alten Parkhäusern. „Dann muss man es so lassen und dem Kunden die Entscheidung überlassen, ob er in das Parkhaus fährt oder nicht”, sagt Geschäftsführer Trost-Heutmekers. Die bundesweiten Mitgliedsunternehmen bewirtschaften rund eine Million Pkw-Stellplätze.

Der Verband hatte demnach alle Landesregierungen schon vor Jahren aufgefordert, die Stellplätze den größeren Fahrzeugen anzupassen. Die Technische Hochschule Zwickau analysierte in seinem Auftrag den Fahrzeugbestand in Deutschland zwischen 2000 und 2010. „Die haben festgestellt, dass die durchschnittliche Fahrzeugbreite in den letzten zehn Jahren um 15 Zentimeter zugenommen hat”, sagt Trost-Heutmekers.

Wie der ADAC und die Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen hatte auch der Verband für eine Breite von 2,50 Meter plädiert. Das Land NRW orientierte sich bei der Festlegung der neuen Breite exakt an diese wissenschaftlich abgesicherte Veränderung von 15 Zentimeter aus dem Jahr 2010.

Den Spielraum nach oben haben in der Vergangenheit die Münsteraner ausgeschöpft und sind in einer luxuriösen Situation. Die Westfälische Bauindustrie betreibt dort acht Parkhäuser, davon fünf eigene. Kein Parkplatz sei schmaler als 2,45 Meter, sagt der Technische Mitarbeiter Heinz-Peter Döring. „Wir haben das Glück, dass unsere Vorgänger schon so weit gedacht haben, dass Komfort für die Parkkunden ein entscheidendes Kriterium sein könnte.” In der Regel seien die Parkplätze sogar 2,50 Meter breit - mit Ausnahme an den Stützen.

Aber das hat sich zumindest in zwei Parkhäusern erledigt. Die wurden ohne Stützen gebaut, Stellplatzbreite durchgehend 2,50 Meter. Notfalls könnte man die Markierungen später mal ändern. „Man weiß es ja nicht. Vor 20 Jahren haben wir auch nicht gedacht, dass selbst Mittelklassewagen schon so breit werden.”

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