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Panne: Köln wusste nichts vom Ausbruch

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
Peter Paul Michalski JVA
Lange Isolationshaft hinterlässt Spuren: Der im JVA-Prozess angeklagte Peter Paul Michalski (im Vordergrund) kann dem Prozess nur schwer folgen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Eine Polizistin aus Köln war am Freitag am 24. Verhandlungstag im Aachener Landgericht vorerst die Letzte auf der langen Zeugenliste im spektakulären Aachener Ausbrecher-Prozess.

Die 24-jährige Beamtin musste dem Gericht schildern, wie sie den Taxifahrer in der Nacht des 26. November nahe der Kölner Domplatte auffand.

Reiner Zufall bescherte den geflohenen Gefangenen Peter Paul Michalski, 46, und Michael Heckhoff, 51, ein Taxi, das sie komfortabel aus dem akuten Gefahrenbereich heraus und zunächst nach Bergheim brachte. Dann ging’s es mit einer neuen Droschke weiter nach Köln, der „alte” Taxifahrer musste als Geisel mit.

Die Eile war allerdings völlig unnötig, da in der JVA erst nach einer guten Viertelstunde Alarm ausgelöst wurde. Pleiten Pech und Pannen allerorten: Die Beamtin schilderte den Richtern, dass man es in Köln zunächst wohl gar nicht so recht glauben mochte, was der ein wenig verstörte Taxifahrer von den flüchtigen Ausbrechern berichtete.

Er hatte die gesamte Tour mit den schweren Jungs aus Haus IV der Aachener JVA hinter sich bringen müssen, war mit den in der JVA-Pforte von dem Mitangeklagten Wachbeamten Michael K. (41) herausgegebenen Pistolen bedroht worden. Dafür habe er sich gut gehalten. „Ich musste erst meine Vorgesetzte nachfragen lassen, ob das mit der Flucht wirklich stimmt”, erklärte die Polizistin.

Schließlich stand da ein Taxifahrer ohne sein Taxi, keiner wusste so recht, in welcher Weise die eventuell gefährlichen Ausbrecher ihre weitere Flucht gestalten würden. In der Tat standen die in nächster Nähe, für sie ging es zu Fuß weiter zum Weihnachtsmarkt, den sie mit großem Staunen betrachten, wie der Angeklagte Heckhoff berichtet hatte.

Die Prozessgeschichte

Prozessual fand die Pannenserie der Justizbehörden ihren Niederschlag in diversen Beweis- wie Ermittlungsanträgen der Verteidiger, hinzu kam eine Strafanzeige des Angeklagten Heckhoff wegen Manipulation von Beweismitteln. Die Große Strafkammer unter Vorsitz von Richter Hans Günter Görgen nahm am Freitag das vorläufige Ende der Zeugenvernehmungen zum Anlass, die seit Mai gestellten Anträge zu bescheiden - die meisten abschlägig. Manche Tatsachen wurden der Einfachheit halber „als wahr” unterstellt. So braucht das Gericht nicht weiterzuforschen.

Ein mit Nachdruck wieder und wieder vorgebrachtes Motiv für die Flucht war die Perspektivlosigkeit des Angeklagten Heckhoff. Es ging um Ausführungen und Versprechungen aus Kölner Zeiten. Da gab sich die Aachener Anstalt mit Leiterin Reina Blikslager eher hartnäckig, setzte den oft ungeduldigen Mülheimer Schwerverbrecher nach seinem Empfinden auf Sparflamme. Die Sparflamme brachte nichtsdestoweniger den Kessel zum kochen.

Deshalb wollten die Verteidiger die Anstaltsleiterin und Ministerin Rowswitha Müller-Piepenkötter im Zeugenstand hören, von Angesicht zu Angesicht - abgelehnt. Auch eine unter Sicherheitsaspekten sicher schwierige Ortsbegehung des Fluchtweges in der Anstalt selbst - abgelehnt. Das nutze nichts zur „Erforschung der Wahrheit”, hieß es, ob es die Prozess-Chemie verbessert hätte, interessiert nicht. Für den 25. Verhandlungstag am 25. Oktober haben die Angeklagten Küppers und Michalski eine persönliche Einlassung angekündigt, man darf gespannt sein.
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