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Panne in Uranfabrik: Verletzter wird in Jülich behandelt

Von: Andreas Gabbert
Letzte Aktualisierung:
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Mit ihrer Hilfe lässt sich die Verteilung der Strahlung im Körper messen: Der leitende Oberarzt Hubertus Hautzel demonstriert die Funktion einer sogenannten Gamma-Kamera. Foto: A. Gabbert

Jülich. Nur vereinzelte Aufkleber mit dem Zeichen für Radioaktivität geben einen Hinweis darauf, wo man sich gerade befindet. Ansonsten erinnert das Ambiente in der Nuklearmedizinischen Abteilung der Uniklinik Düsseldorf auf dem Campus des Forschungszentrums Jülich eher an einen ganz gewöhnlichen Krankenhausflur.

Eher ungewöhnlich ist der Aufenthaltsgrund einer der Patienten. „Gott sei Dank, haben wir solche Fälle nur etwa alle zehn Jahre”, sagt der leitende Oberarzt Hubertus Hautzel.

Seit Montag wird der Mann, der bei dem Störfall in der Urananreicherungsanlage in Gronau mit dem gefährlichen Material in Kontakt gekommen war, in Jülich untersucht. Die Akutbehandlung im Uniklinikum Münster ist abgeschlossen, und dem Mann geht es soweit gut.

Jetzt geht es um die Berechnung der exakten Dosis, da Rückstände noch über Jahre und Jahrzehnte im Körper nachgewiesen werden können und dort ihre Wirkung entfalten. Dazu werden die Ausscheidungen des Patienten über mehrere Tage hinweg untersucht. „Das ist sehr wichtig, um eine Aussage zu den Folgerisiken wie zum Beispiel Tumorerkrankungen und Leukemie treffen zu können”, erklärt Hautzel.

Während der Patient noch in Münster weilte, wurden seine Blut-, Stuhl- und Urinproben bereits im Forschungszentrum Jülich untersucht. Dort befindet sich nämlich auch das Regionale Strahlenschutzzentrum für Nordrheinwestfalen und damit landesweit die einzige Messstelle. Der Mann aus Gronau wird jetzt in Jülich beobachtet, bis seine Messwerte stabil sind.

Bei vorläufigen Messungen stellten die Mediziner bei dem Patienten eine Strahlung von 1,1 Millisievert fest. Laut Hautzel ist jeder Mensch pro Jahr einer natürlichen Strahlung von 2,0 Millisievert ausgesetzt.

Auffällig ist, dass der Oberarzt so gut wie nie das Wort „Verstrahlung” benutzt. Lieber spricht er von „Strahlenexposition”. Und das hat auch seinen guten Grund. „Wir werden täglich bestrahlt, Radioaktivität ist nichts besonderes”, sagt Hautzel. Als Beispiele nennt er die kosmische Strahlung, der wir ständig ausgesetzt sind, Umgebungsstrahlung aus Gestein und die Strahlung die von jedem menschlichen Körper ausgeht. „Es kommt eben auf die Dosis an.” Wenn in der Medizin von Verstrahlung die Rede sei, dann sei auch ein Schaden wahrscheinlich.

Rund 800 Patienten werden in Jülich pro Jahr stationär behandelt, in der Regel fast ausschließlich Patienten mit Schilddrüsenerkrankungen und Patienten mit Knochenmetasthasen oder Gelenkerkrankungen. Fälle, bei denen Menschen mit radioaktiven Material in Berührung geraten sind, kommen eher selten vor.

Manchmal gehört der Kontakt mit radioaktiven Material aber auch zur Therapie, zum Beispiel bei Erkrankungen der Schilddrüse. Diesen Patienten wird radioaktives Jod in Tablettenform verabreicht. Weil von den Betroffenen in der Folge eine gewisse Strahlung ausgeht, müssen sie isoliert werden. In diesem Zusammenhang haben viele Betroffene noch das Bild eines hermetisch abgeschlossenen Bunkers im Kopf. Doch davon kann in Jülich keine Rede sein. „Wir haben keinen Bunker. Unsere Isolierstation befindet sich im zweiten Stock und ist mit Balkonen ausgestattet”, erläutert Hautzel.

Wegen der Strahlung dürfen die Ausscheidungen der Patienten nicht direkt über die Kanalisation entsorgt werden. Das Abwasser wird gesammelt und gelagert, bis die Radioaktivität abgeklungen ist. Das dauert etwa 60 bis 90 Tage. „Wir haben im Prinzip unser eigenes Zwischenlager für medizinische Produkte und brauchen kein Endlager”, scherzt der Oberarzt. Die Einrichtung auf dem Campus der Forschungszentrums ist eben doch kein ganz gewöhnliches Krankenhaus.
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