Aachen - Paintball-Eldorado in Aachen unter Beschuss

Paintball-Eldorado in Aachen unter Beschuss

Von: Robert Esser
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Paintball
Direkt auf die Schutzbrille erhielt dieser Paintballspieler in einem Waldstück östlich von Berlin einen farbigen Treffer. Foto: dpa

Aachen. Man kämpft um Vergleiche: „Fechten ist olympisch, aber Paintball soll sittenwidrig sein?” Entsetzt schüttelt Emanuel Rehwald von „Paintball.de” den Kopf. Sein Düsseldorfer Unternehmen betreibt in Aachen-Richterich unter freiem Himmel das größte Jagdspielfeld Nordrhein-Westfalens.

Jetzt droht Rehwald und seiner Branche der Ruin. Die Bundesregierung nimmt die Jagdspiel-Industrie ins Visier. Nach dem Amoklauf von Winnenden mit 16 Toten soll das Waffenrecht verschärft werden. Kampfspiele wie Paintball oder Gotcha, bei denen Spieler mit Farbmunition und Luftdruckwaffen oder Laserpistolen zur Jagd aufeinander blasen, sollen als Ordnungswidrigkeit geahndet und mit Bußgeld belegt werden.

Derlei „Freizeitvergnügen” simuliere das Töten äußerst lebensnah, sei sittenwidrig und verletze die Menschenwürde, heißt es aus der großen Koalition.

Rehwald, der seit mehr als zehn Jahren durchschnittlich 1000 Paintball-Spieler pro Monat für je 20 Minuten über sein zwei Fußballfelder großes Ballerterrain am Rande Aachens scheucht, sieht sich und seine 30 Mitarbeiter als Opfer plumper Wahlkampftaktik: „In NRW gibt´s etwa 20 Paintball-Anlagen, in Deutschland leben davon gut 1000 Menschen”, schätzt er. „Und weil wir keine überregionale Organisationsstruktur haben, weit weniger gut organisiert sind als die Waffenlobby, die Schützen und Jäger, sind wir natürlich leicht unterzukriegen”, klagt er.

Schon Ende Mai könnte die politische Entscheidung endgültig fallen, fürchtet Rehwald. „In den kommenden Tagen wird es ein Krisentreffen der Paintball-Drahtzieher Deutschlands geben, um zu beraten, wie es weitergehen soll.” Mit dem Verbot der Jagdspiele würden Firmen wie „Paintball.de” nicht nur üppige Eintrittsgelder an den Kassen ihrer Spielfelder und -hallen einbüßen, sondern auch als Ausrüster saftige Summen verlieren. Vor allem verkauft man die Luftdruckwaffen - sogenannte „Markierer”, die unter das deutsche Waffengesetz fallen und nicht in der Öffentlichkeit mitgeführt werden dürfen. Vermarktet wird fast alles rund um den „Paintball-Sport”, der in Deutschland sogar eine eigene Bundesliga hat.

Es gibt Schutzmasken, Kleidung, Spielfeld-Equipment. Für Rehwald hat dies alles mehr mit „Lifestyle-Sport” für Volljährige als mit Gewaltverherrlichung zu tun. „Die Politik verfällt immer vor Wahlen in derartigen Aktionismus. Aber so extrem und rigoros wie jetzt war´s noch nie”, betont er. Man habe erstmals Existenzängste. „Und alles nur, weil die Regierung der Bevölkerung Sicherheit suggerieren will.” Die gebe es auch ohne Paintball nicht.

Schon gar nicht im Grenzgebiet. Passionierte Spieler würden dann eben unmittelbar hinter die niederländischen Grenze reisen. Zum Beispiel zum „Grotten-Paintball” nach Valkenburg. Das angepeilte Verbot in Deutschland sei heuchlerisch, kritisiert Rehwald CDU und SPD. Die Paintball-Branche jedenfalls habe ihr Feindbild jetzt deutlich über vergleichsweise kleine Spielfelder ausgeweitet...

Grüne: Nur ein Zugeständnis an Waffenlobby

Der Sprecher der Deutschen Paintball Liga (DPL), Arne Petry, kann das angestrebte Verbot nicht verstehen. Paintball habe „nichts mit einer Tötungssituation zu tun”, sagte er. Es sei vielmehr ein Mannschaftssport, eine „Ablenkung vom Alltag”, ein „Nervenkitzel wie Bungee Jumping oder Fallschirmspringen”. Außerdem werde nicht mit „Waffen” geschossen, sondern mit „Markierern”. Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth nannte die Überlegungen ein Zugeständnis an die Waffenlobby. Die große Koalition solle endlich „wirksame Schritte zur Abrüstung der Privathaushalte ergreifen”.
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