Moskau/Stolberg/Eschweiler - Oliver Knickel beendet simulierten Mars-Flug

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Oliver Knickel beendet simulierten Mars-Flug

Von: afp/zva/dpa
Letzte Aktualisierung:
Oliver Knickel
Bundeswehr-Soldat Oliver Knickel hat in Moskau an einer Simulation für geplante Marsflüge teilgenommen.

Moskau/Stolberg/Eschweiler. Ein kleiner Schritt für Oliver Knickel, ein großer Sprung für die Forschung: Nach 105 Tagen weitgehender Isolation stieg der Bundeswehr-Hauptmann, der in Donnerberg-Kaserne zwischen Stolberg und Eschweiler stationiert ist, in Moskau lächelnd aus einem nachgebauten Raumschiff.

Zunächst gab es Blumen von jungen Russinnen, dann Gratulationen von Mitarbeitern des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt DLR.

Seit Ende März hatte der 29-Jährige im Institut für biomedizinische Probleme (IBMP) mit vier Russen und einem Franzosen Teile eines mehr als 50 Millionen Kilometer weiten Flugs zum Mars simuliert. „Jetzt haben wir eine Menge Erkenntnisse für nächste Missionen”, freute sich DLR-Chef Johann-Dietrich Wörner. Im März soll in Moskau ein weiterer Test starten, dann für 520 Tage.

„Ich muss zugeben, dass ich jegliche langfristige Wahrnehmung für Zeit verloren habe”, schrieb der gebürtige Düsseldorfer Knickel kurz vor seinem Ausstieg aus dem Container-Komplex.

Um 12 Uhr MESZ öffnete ein Ingenieur auf dem Versuchsgelände in Moskau die Luke zum Isolationsmodul. Der 29-jährige Bundeswehr-Ingenieur Knickel, der Air-France-Pilot Cyrille Fournier, die beiden russischen Kosmonauten Oleg Artemjes und Sergej Rijasanski, der Arzt Alexej Baranow und der Sportmediziner Alexej Schpakow stiegen lächelnd aus dem Raumschiffnachbau. Dort nahmen sie Blumen entgegen und posierten Arm in Arm. Die wie echte Astronauten in blauen Overalls gekleideten Männer schienen in guter körperlicher Verfassung zu sein.

Das Experiment sei ein Erfolg gewesen, sagte Rijasanski, der bei der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos arbeitet. Bei der simulierten Mars-Reise ging es für ihn und die anderen Teilnehmer jedoch nicht ins All. Die europäische Raumfahrtagentur ESA und das Russische Institut für Biomedizinische Probleme (IBMP) wollten in Vorbereitung für einen ab 2035 geplanten Flug zum Roten Planeten zunächst in einem 550 Kubikmeter großen Container-Komplex auf der Erde testen, wie sich Menschen unter den extremen Bedingungen eines Weltraumflugs verhalten. Wie in der Fernsehserie „Big Brother” wurde das Leben der „Versuchskaninchen” deshalb genauestens beobachtet.

Die Zeit an Bord des Raumschiffnachbaus verging für den deutschen Teilnehmer wie im Flug. „Mir erscheint es wie drei bis vier Wochen, aber der Kalender beweist, dass es 105 Tage waren”, schrieb Knickel in seinem letzten Tagebucheintrag auf der Internetseite der ESA.

Als er Ende März mit seinen vier russischen und einem französischen Kollegen in das Modul gestiegen sei, habe „auf den Straßen noch Schnee und Eis gelegen”. Dass es jetzt bereits Sommer sei, könne er kaum glauben, nachdem er dreieinhalb Monate kein Tageslicht gesehen habe. Er freue sich jetzt darauf, seine Freundin wiederzusehen, schrieb der Bundeswehr-Ingenieur.

Merkwürdig sei aber, dass er noch überhaupt nicht darüber nachgedacht habe, was er in den nächsten Tagen und Wochen tun werde, ergänzte der 29-Jährige aus Hamburg, den die ESA unter mehr als 5600 Bewerbern für das Experiment ausgesucht hatte. Der Gedanke, dass der zur Gewohnheit gewordene Aufenthalt in den engen Modulen nun ein Ende habe, mache ihn „etwas melancholisch”.

Bei dem Isolationsprojekt standen Knickel und Co. in der „Weltraumkapsel” gerade mal vier zylinderförmige Module zur Verfügung: Im Wohnbereich gab es neben den Schlafkojen ein Gemeinschaftszimmer, eine Küche und ein Bad. Hinzu kamen ein eigenes Medizin-Modul, ein Lager- und Sportraum sowie ein weiterer Container, mit dem eine Landung auf dem Mars simuliert werden sollte. Wegen des Platzmangels war auch die Nahrung strikt kalkuliert; die einzig frische Kost kam aus einem kleinen Gewächshaus. Mit der „Bodenstation” konnten die Teilnehmer wie bei einem echten Marsflug nur mit rund 20-minütiger Zeitverzögerung über Funk Kontakt aufnehmen.

Im Frühjahr 2010 wollen ESA und IBMP ihrem Projekt einer bemannten Mars-Mission näher kommen: Dann soll eine andere Crew ein noch längeres Isolationsexperiment von 520 Tagen beginnen - das entspräche einem Hin- und Rückflug zum Mars einschließlich 30 Tagen Aufenthalt.

Simulationen sind unverzichtbar

Simulationen sind in Wissenschaft und Technik unverzichtbar. Sie erlauben Untersuchungen, die in der Realität zu gefährlich, zu teuer oder unmöglich wären. Anstelle des Originals werden Objekte, Systeme und Vorgänge als Modell nachgebildet. Ein Großteil der Simulationen entsteht heute am Computer. Im „virtuellen Labor” können etwa natürliche, technische und wirtschaftliche Prozesse untersucht werden. Im Idealfall geben die Ergebnisse Auskunft über die Wirklichkeit.

Bekannte Beispiele sind zum Beispiel Simulationen mit Großrechnern, um das Wetter voherzusagen, Berechnungen über mögliche Klimaveränderungen und Crashtests im Fahrzeugbau. Auch die Ausbildung etwa von Piloten, Astronauten und Ärzten ist auf Simulationen angewiesen. In der Unterhaltungsbranche kommen sie verstärkt bei Kinofilmen und Computerspielen zum Einsatz.

Das Verfahren ist uralt. Schon die Römer nutzten Modelle, um sich auf die Wirklichkeit vorzubereiten. So trainierten Soldaten ihre Kampftechnik zunächst, indem sie mit ihrem Schwert auf Holz schlugen. Später entwickelten sie hölzerne Figuren, die sie mit Schild und Schwert bewaffneten. So konnte etwa die Reiter ihre Angriffstechnik verbessern. Die Geschichte der Computersimulation begann gegen Mitte des 20. Jahrhunderts mit den ersten leistungsfähigen Rechnern.
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