Aachen - Ohne den Schwimmmeister geht es nicht

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Ohne den Schwimmmeister geht es nicht

Von: Sabine Rother
Letzte Aktualisierung:
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Schwimmen macht Spaß, aber damit die nötige Sicherheit herrscht, muss ein Schwimmmeister vor Ort sein. Durch Personalmangel fällt immer mehr Schwimmunterricht aus. Jetzt soll das Image dieses Berufes verbessert werden.
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Schwimmbad mit Tradition: Ingo Diesburg, Oberschwimmmeister von Aachen, in der Elisabethhalle.

Aachen. Was kann ein Schwimmmeister noch weniger leiden als Leute, die vom Beckenrand aus ins Wasser springen wollen? Wenn man ihn „Bademeister“ nennt, denn das ärgert alle, die eine umfangreiche Ausbildung durchlaufen haben und ihre Aufgaben mit viel Verantwortung ausüben.

In Deutschland herrscht Personalmangel. Rund 2500 offene Stellen gibt es bundesweit in Freibädern und Schwimmhallen. Das liegt unter anderem am Image des Berufs, von dem viele noch nicht einmal wissen, wie umfangreich er ist, welche Qualifikationen er verlangt, welche Chancen er bietet.

Gewerkschaften kritisieren, dass Städte und Gemeinden nicht nur an der Sanierung ihrer Badeanstalten, sondern am notwendigen Personal sparen. Wo nur eine einzige ausgebildete Kraft im Einsatz ist, finden Besucher nicht selten den Sprungturm oder ein zweites Becken geschlossen – manchmal sogar das gesamte Schwimmbad, wenn diese Mitarbeiter plötzlich erkranken und alle anderen – etwa Studenten, die die Befähigung zum Rettungsschwimmer haben – nicht jene Verantwortung übernehmen dürfen, wie sie der „Fachangestellte für Bäderwesen“ als Schwimmmeister hat.

Andererseits: Wer sich heute für eine dreijährige Ausbildung entscheidet, kann sicher sein, dass er nach Abschluss eine sichere Anstellung hat.

Stellen sind vorhanden

Wie sieht es in unserer Region aus? „Wenn wir unsere Auszubildenden nicht übernommen hätten, gäbe es ein Problem, man hat kaum eine Chance, neue Leute zu bekommen“, meint Michelle Klinkhammer vom Dürener Servicebetrieb. Ähnlich sieht es bei den Stadtwerken Jülich aus. Eine besondere Situation hat man in der Kreuzauer Anlage „Monte Mare“. „Die aktuelle Betriebsorganisation und Mitarbeitersituation gewährleistet einen sicheren Badebetrieb“, versichert Marketing-Sprecherin Christiane Reffgen. Gerne hätte man jedoch mehr Fachangestellte. „Als Unternehmensgruppe mit mehreren Anlagen in Deutschland haben wir die Möglichkeit, bei Bedarf kurzfristig entsprechendes Personal zu entsenden“, sagt sie.

„Es ist angespannt, aber im Moment gar nicht so schlecht, es darf nur niemand ausfallen”, meint auch Ingo Diesburg (54), Oberschwimmmeister in Aachen. Es gibt vier Hallenbäder und das Freibad Hangeweiher, das aber einen eigenen Leiter hat. Bei insgesamt 28 Vollzeitstellen sind zwei nicht besetzt. „Wir beschäftigen vier Rettungsschwimmer, aber die haben eine relativ geringe Stundenzahl und dürfen nie allein im Schwimmbad sein“, erklärt Diesburg, der 39 Jahre in diesem Beruf arbeitet – und das mit großem Engagement. Er darf seit 1997 zudem ausbilden und hat 1990 seinen „Meister“ gemacht.

Die Aufgaben der Schwimmmeister sind vielschichtig. Neben der Aufsicht müssen sie Notfälle erkennen, Menschen aus dem Wasser retten, Wiederbelebungs- und Erste-Hilfe-Maßnahmen beherrschen. „Wir kümmern uns intensiv um die Hygiene, also überwachen auch die Wasseraufbereitung, die Umkleidekabinen, Duschen und Toiletten”, beschreibt Diesburg seine Alltagspflichten. „Pilze und Bakterien entwickeln sich rasch im feuchten Milieu, das muss man unbedingt verhindern.“ Zwei Auszubildende betreut er, aber für vier wäre Platz. „Ich glaube, über diesen Beruf, in dem man vom Babyschwimmen bis zur Seniorengruppe alles tun kann, der auch technisch und organisatorisch eine Herausforderung ist, wird zu wenig geworben”, sagt er. „Wir haben keine Bewerber.“

Kindern das Schwimmen beibringen

Diesburg, der als Meister dem Berufsbildungsausschuss angehört, ist besorgt: „Wir müssen so vielen Kindern wie möglich das Schwimmen beibringen, der Schwimmunterricht ist aber stark rückläufig.“ Schwimmen sei ein komplexer Bewegungsablauf, den Kinder erst mit sieben, acht Jahren beherrschen und mit dem „Seepferdchen“ nicht sicher eingeübt haben. „Solche Aufgaben machen Spaß, verlangen aber eine gute Ausbildung.“ Attraktivere Vergütungsstrukturen verlangt Matthias Dopatka (55) von der Gewerkschaft Verdi in Aachen. „Es ist nicht allein das Geld, es geht um die große Verantwortung“, betont er.

Die Nachwuchsproblematik entstehe nicht nur durch eine relativ kleine Zahl von Bewerbern: „Bei der Schwimmprüfung fallen relativ häufig Kandidaten durch“, weiß Dopatka. „300 Meter schwimmen in zehn Minuten, 25 Meter Tauchen, da muss man schon gut trainiert sein, aber wenn man in einem 50 Meter Becken jemanden retten will, muss man das können.“

Immer wieder eine Tatsache, die den Interessenten die Freude am Beruf verdirbt: „Wir haben es mit einer Verrohung in öffentlichen Bädern zu tun“, berichtet Dopatka. „Früher war der Schwimmmeister eine Autorität, heute wird er angepöbelt und bedroht, wenn er einschreitet. Oft geht das nur mit Hilfe der Polizei.“ Mit den Kommunen will man dringend über bessere Arbeitsbedingungen sprechen.

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