Aachen - Öfen erzählen im Couven-Museum Geschichten

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Öfen erzählen im Couven-Museum Geschichten

Von: Tobias Röber
Letzte Aktualisierung:
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Kuratorin Gisela Schäffer vor einem Mini-Kachelofen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Vor Napoleon müssen die Besucher in diesen Tagen im Couven-Museum auf die Knie gehen. Jedoch nicht aus Ehrfurcht, sondern um ihn überhaupt zu entdecken. Eine Karikatur des ehemaligen französischen Kaisers ist eins von vielen kleinen Details, die die aktuelle Ausstellung „Schön Warm” bereithält.

Zu sehen ist die Kultur des Heizens zwischen Renaissance und Kaiserzeit. Am Freitagabend wird die Ausstellung offiziell eröffnet, sie dauert bis zum 31. Januar.

„Es geht um ein menschliches Grundbedürfnis, dem Bedürfnis nach Wärme”, sagt Olaf Müller, Leiter des Kulturbetriebs Aachen.

Exotisch, spannend, geschichtlich bedeutsam. Gisela Schäffer fallen noch viele weitere Attribute ein, wenn sie über die Ausstellung spricht, über „ihre” Ausstellung. Schäffer hatte die Idee, sie hat die Ausstellung konzipiert, organisiert und auch das umfangreiche Rahmenprogramm erarbeitet. Dem an sich eher spröden und langweilig anmutendem Thema rund um das Heizen gewinnt „Schön Warm” tatsächlich viel Spannendes ab.

Prunkvolle Kamine

Wie etwa die Napoleon-Karikatur. Die ist auf einem Etagenofen im zweiten Stockwerk zu sehen. Und sie ist ein Beispiel dafür, dass Kamine und Öfen in der Vergangenheit nicht allein als zweckgebundenes Inventar, sondern dazu als optischer Akzent der Einrichtung gesehen wurden. Besucher können prunkvolle Kamine des Aachen-Lütticher Rokokos, zierliche Zimmeröfen des 19. Jahrhunderts und elegante Ofenschirme betrachten.

Die Öfen und Kamine erzählen immer auch Geschichten. Wie wurde geheizt, wie gekocht, und wie wurde gebügelt? „Wir erzählen Entwicklungsgeschichte”, sagt Schäffer. Und sie selbst hält zu jedem Ausstellungsstück auch Geschichten bereit. „Lieber Ofen, ich bete dich an, du brauchst Holz und ich einen Mann” ist nur eine von den überlieferten Geschichten, die die Bedeutung von Öfen in vergangenen Jahrhunderten verdeutlichen.

Dass Gisela Schäffer diese Geschichten anhand vieler Beispiele erzählen kann, ist vor allem möglich, weil viele Leihgaben im Museum stehen. Diese stammen vom Kunstgewerbemuseum Berlin, dem Bocholter Handwerksmuseum, dem Eisenmuseum Jünkerath, dem Museum für angewandte Kunst Köln, dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, dem Medizinisch- und Apothekenhistorischen Museum Rhede, der Bosch Thermotechnik GmbH Hirzenhain, Lollar und Wernau, der Theod. Mahr Söhne GmbH Aachen und Ulrike Thurau aus Asendorf. Möglich ist das auch dank der Unterstützung von Sponsoren - an erster Stelle der Stawag, die auch ein Ausstellungsstück aus dem Jahr 1934 beisteuert.

Geschichten gibt es auch zu einer Reihe von Alltagsgegenständen. Da gibt es Wärme- und Kältekugeln, die zumeist dem fürstlichen und kirchlich-klösterlichen Besitz entstammten. Es gibt Herzwärmer - für Frauen in anderer Passform als für Männer - die bei Angina pectoris eingesetzt wurden. Auf der zweiten Etage können die Besucher eine Pause einlegen und einen Film anschauen. Der Titel: „Gießen einer eisernen Ofenplatte”.

Kunstvoll gearbeitete Öfen für Puppenhäuser und fünf Mini-Kachelöfen, die von Kachelbäckern wohl als Vorführmodelle für eine finanzkräftige Käuferschicht erstellt wurden, runden die Ausstellung ab.

Neben der Kunstgeschichte der Ofenkeramik, des Kunsteisengusses und der bürgerlichen Innenraumgestaltung werden insbesondere die technikgeschichtlichen Aspekte des Ofen- und Kaminbaus bis zu den Anfängen der Zentralheizung beleuchtet. Und es werden erstmals ausgewählte Exemplare der jüngst erschlossenen Sammlung von Ofenkacheln aus Renaissance und Barock aus dem Aachener Suermondt-Ludwig-Museum ausgestellt. „Das Bildprogramm auf den Kacheln erzählt die Geschichte der Besitzer”, sagt Kunsthistorikerin Kirsten Remky. Und es hilft ihr beim Datieren und Einordnen der Kacheln.

Die Karikatur Napoleons hat ebenfalls geholfen, den zugehörigen Etagenofen einzuordnen. Da Napoleon karikiert ist, stammt er sicherlich nicht aus Frankreich, erklärt Remky.

Keramik-Workshop, Vorträge und ein altersspezifisches Programm

Offiziell eröffnet wird die Ausstellung am Freitagabend ab 19 Uhr von Dr. Dagmar Preising, Leiterin des Couven-Museums, und Kuratorin Gisela Schäffer. Jeden Samstag finden ab 15 Uhr Themenführungen statt.

Dazu gibt es weitere Veranstaltungen. Etwa einen Keramik-Workshop (auf dem Bild eine Ofenkachel aus der Zeit um 1700) und zwei Kinoabende, bei denen die Besucher Kuchen serviert bekommen.

Kinder und Familien erwartet ein Programm. Speziell für Senioren gibt es „Punsch und Printchen”. Die Termine: 1., 8., 15. und 22. Dezember sowie 12., 19. und 26. Januar - jeweils 14, 15 oder 16 Uhr.

Bei vier Vorträgen im Aachener Rathaus geht es unter anderem um Luftqualität und Klimawandel.

Geöffnet ist das Museum dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. Tickets für Erwachsene kosten fünf Euro, ermäßigt 2,50 Euro.
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