Nur wenige Katholiken im Bistum wählen ihre Räte

Von: Peter Pappert
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Die Beteiligung bei den Wahlen liegt bei nur rund vier Prozent. Foto: Oliver Berg/dpa

Aachen. An ihrer Basis ist die katholische Kirche weiblich. Diese nicht neue Erkenntnis wurde bei den Wahlen zu den Pfarrei-, Gemeinde- und GdG-Räten (Gemeinschaft der Gemeinden) am vorigen Wochenende erneut eindrucksvoll bestätigt: 60 Prozent der gewählten Mitglieder sind Frauen.

Engagierte Katholikinnen sprechen – meist ohne Ironie und manchmal mit gewissem Unmut – von jenen Gremien, in denen es um die konkrete Arbeit gehe.

Lutz Braunöhler, Vorsitzender des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Aachen, ist sehr erfreut über den hohen Frauenanteil. „Das ist gut so, und damit werden ja auch Signale gesendet“, sagte er am Dienstagunserer Zeitung. Johannes Schnettler, der im Aachener Generalvikariat für Gemeindearbeit und die Räte zuständig ist, bestätigt das: „Die pastorale Arbeit liegt eindeutig auf den Schultern der Frauen.“

Bis Dienstag waren die Stimmen von 42 der 71 GdG ausgezählt. Mehr als 4000 Frauen und Männer hatten für die rund 3000 Mandate in den Räten des Bistums kandidiert. Nicht in allen Gemeinden gab es Wahlalternativen, oder es wurde sogar wie in der Großpfarrei St. Marien Baesweiler gar nicht gewählt. Vielfach sei es mangels Auswahlmöglichkeiten eine reine Bestätigungswahl gewesen, stimmen Schnettler und Braunöhler überein. Trotzdem äußern sich beide erfreut darüber, dass so viele Laien bereit sind, sich zu engagieren.

Als deprimierend empfinden der oberste Laien-Vertreter im Bistum und der Hauptamtliche im Generalvikariat die Wahlbeteiligung. Sie dürfte, wenn alle Stimmen ausgezählt sind, bistumsweit bei rund vier Prozent liegen – nach 5,8 Prozent im Jahr 2013 und 7,8 Prozent 2009. Nach den vorläufigen Zahlen haben sich an den Wahlen beteiligt in der Region Heinsberg 3,97 Prozent (2013: 5,37), Region Düren 4,67 (6,69), Aachen-Land 3,38 (4,33), Aachen-Stadt 3,68 (3,64) und Region Eifel 7,75 (10,05).

In allen NRW-Bistümern wurde am Wochenende gewählt; das geringe Interesse ist in Deutschland generell zu beobachten; aber es gibt Ausnahmen. Das Bistum Münster hatte es seinen Pfarreien freigestellt, eine allgemeine Briefwahl durchzuführen und Wahlscheine an die Gemeindemitglieder zu verschicken oder auszuteilen. 34 von 217 Gemeinden ergriffen diese Chance – mit Erfolg. In einzelnen Pfarreien nahmen 23 oder sogar 34 Prozent der Berechtigten teil. Darüber wird auch im Bistum Aachen diskutiert werden.

Eine andere – womöglich entscheidende – Frage ist, was gewählte und auch sonst engagierte Laien erwarten. Zwar heißt es offiziell vom Bistum, die Aufgabe der neu gewählten Räte werde „insbesondere darin bestehen, die Leitungsverantwortung der Laien zu bekräftigen“, aber konkret „hängt es vom einzelnen Ortspfarrer ab, ob und wie stark er Laien einbindet“, sagt Braunöhler. Das gilt zumal für die Gemeindeleitung.

Im Nordwesten Aachens praktiziert die GdG St. Laurentius, St. Martinus und St. Heinrich bereits seit Jahren „Gemeindeleitung in Gemeinschaft“. Ein Team von sechs in ihren jeweiligen Gemeinden gewählten Ehrenamtlichen und fünf Hauptamtlichen leitet die GdG und trifft die Entscheidungen. Das heißt: Laien werden ernstgenommen und haben die Mehrheit. Ein solches Modell gibt es seit Mai 2016 auch für die sogenannte Weggemeinschaft der Gemeinden in Born, Bracht und Brüggen in der Region Kempen-Viersen

„Die Leitungsmodelle im Bistum sind sehr vielfältig“, sagt Braunöhler. Für die jetzigen Wahlen hat sich daran auch nichts geändert. Ob diese Vielfalt auf Dauer gewährleistet ist, diese Frage können aber weder Braunöhler noch Schnettler derzeit beantworten.

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