Hürtgenwald - „Nur Oma sein – das geht nicht!“

„Nur Oma sein – das geht nicht!“

Von: Lukas Weinberger
Letzte Aktualisierung:
6389095.jpg
Ein eingespieltes Team: Die 61-jährige Gaby Thomas aus Hürtgenwald-Brandenberg kümmert sich oft und gerne um ihre Enkelinnen Janka, Nele und Joana (von links). Es fehlt die neunjährige Mara. Foto: Lukas Weinberger

Hürtgenwald. Im Haus von Gaby Thomas im beschaulichen Hürtgenwald-Brandenberg herrscht großes Tohuwabohu. Drei ihrer vier Enkelinnen sind zu Besuch. Sie tollen durchs Wohnzimmer, stöbern im großen Spieleschrank im Flur. Die Oma auf Trab zu halten – das gelingt dem Trio auch an diesem Tag.

Ob Joana (9), Janka (7) und Nele (4) gerne bei ihrer Großmutter sind? Das zustimmende Nicken der drei kleinen Köpfe folgt prompt. „Und ich bin gerne Oma“, fügt Gaby Thomas an, während sie dem Treiben zuschaut.

Es ist ein Bild, wie man es aus unzähligen Familien kennt: Großmütter passen auf ihre Enkel auf, greifen ihren eigenen Kindern unter die Arme – und unterstützen die Familien damit enorm. Und das soll auch gewürdigt werden: Am  Sonntag ist Oma-Tag.

Mittwochs ist Enkeltag

Einen Mangel an Gedenktagen in Deutschland gibt’s zwar wohl kaum, ein Plätzchen für einen Tag extra für die Großmutter sollte im Kalender aber doch noch frei sein, dachte sich schon 2008 die damalige Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen. Sie hatte damals angeregt, einen solchen Tag einzuführen, um die gesellschaftliche Bedeutung der Großeltern stärker zu würdigen. Von offizieller Seite ist seitdem jedoch nichts geschehen, die Idee verstaubt in irgendeiner Schublade. Also schritten andere zur Tat: Im vergangenen Jahr rief ein Online-Blumenhändler (wohl nicht ganz uneigennützig) den Oma-Tag aus. An jedem zweiten Sonntag im Oktober soll nun die Großmutter im Vordergrund stehen.

Warum der erste Vorstoß aus dem Familienministerium kam, erklärt ein Blick auf die gesellschaftliche Realität: In manchen Familien gehen beide Elternteile arbeiten, doch nicht jedes Kind hat einen Kita-Platz. Und wer hilft, wenn ein Kind krank wird? Diese Liste ließe sich fortsetzen – und deshalb ist klar: Eine Oma, die einspringen kann, wenn Not am Mann ist, ist Gold wert.

Gaby Thomas kann das. „Wenn es einmal Probleme gibt, rufe ich sie an“, erklärt Britta Steffens, Thomas‘ älteste Tochter. „Dafür bin ich dankbar.“ Entweder holt die 61-Jährige eine ihrer Enkelinnen von Schule oder Kindergarten ab, oder die Kleinen kommen direkt zu ihr und ihrem Mann Peter. Und so herrscht gleich mehrmals in der Woche Trubel: Mittwochs sind immer Enkel da, auch am Wochenende ist meist mindestens eines der Mädchen bei ihr, oft kommen die Kleinen spontan. Seit Gaby Thomas im vergangenen Jahr in Rente gegangen ist, hat sie viel Zeit für ihre Enkelinnen. Und das Beste: Beide Seiten genießen die Besuche.

Oma Gaby schwelgt dann oft in Erinnerungen, vergleicht ihre Kindheit und die ihrer Kinder mit der ihrer Enkelinnen. „Da sieht man einmal mehr, wie die Zeit sich gewandelt hat“, sagt sie. Und auch die Mädchen mögen die Besuche bei ihrer Großmutter. Spiele und Puzzles gibt‘s schließlich reichlich, ein großer Hof zum Herumtoben ist ebenfalls da. Und da ist noch etwas anderes, das die Mädchen schätzen: Süßigkeiten. Tütchen mit Gummibärchen werden ratzfatz verputzt, auch der Schokoriegel fristet kein viel längeres Dasein. Süßes haben Omas immer in petto, Großmütter sind eben vor allem für das Verwöhnen zuständig. Da darf sich die eine schon einmal eine Extra-Prise Zucker im Kakao gönnen, die andere ihren Orangensaft mit dem Strohhalm aus dem Glas schlürfen – Oma sieht vieles nicht so eng wie Mama und Papa. „Es ist doch normal, dass die Kleinen bei mir ein paar Dinge mehr dürfen“, erklärt Gaby Thomas und schmunzelt.

Aber macht das Oma-Sein denn wirklich immer Spaß? Bei dieser Frage denkt die 61-Jährige kurz nach. „Ich freue mich immer, wenn meine Enkel zu mir kommen“, sagt sie dann – und fügt nach einer kurzen Pause an: „Ich bin manchmal aber auch froh, wenn sie wieder abgeholt werden.“ Man würde schließlich älter, die Nerven seien nicht mehr so strapazierfähig wie in jungen Jahren. Und ihre Enkelinnen verlangen Gaby Thomas oft vieles ab: Bei vier kleinen Mädchen im Haus kann‘s laut zugehen, da wird gekreischt und gezickt. „Wenn es über Tische und Stühle geht, spreche ich ein Machtwort“, sagt die Oma.

Auch weil es manchmal eben so stressig sei, sei es wichtig, auch Zeit für sich zu haben. Tagesplanungen werden nicht über Bord geworfen, Termine nie Hals über Kopf abgesagt, im Gegenteil: Die Brandenbergerin pflegt eigene Hobbys, nimmt sich die Zeit, ein paar Tage wegzufahren. „Das ist mir wichtig“, sagt Thomas. „Immer nur Oma zu sein – das geht ja nicht!“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert