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Nur für ihn gibt es Beifall: Feuerwehrchef Stephan Neuhoff

Von: Markus Peters, ddp
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Köln / Stadtarchiv / Einsturz / Feuerwehr / Stephan Neuhoff
Die Kölner sind voll des Lobes über den Einsatz ihrer Feuerwehr. Deren Chef ist seit 20 Jahren Dipl.Ing. Stephan Neuhoff (57). Foto: ddp

Köln. Es war der Moment, in dem Kölns Feuerwehrchef Stephan Neuhoff sichtbar um Fassung rang: Bei der Informationsveranstaltung für die Anlieger der umstrittenen U-Bahn-Trasse in der Kölner Südstadt war Neuhoff am Freitagabend als einziger Vertreter der Stadt mit Beifall begrüßt worden.

Die Menschen, die erlebt hatten, wie am Dienstag in ihrer Nachbarschaft das Kölner Stadtarchiv und zwei benachbarte Wohnhäuser einstürzten, waren voll des Lobes über den Einsatz der Feuerwehrleute.

Und doch musste sich Neuhoff an diesem Abend fragen lassen, ob tatsächlich alles versucht wurde, die beiden unter einem Schutthügel vermuteten jungen Männer zu retten. „Gab es wirklich keine Möglichkeit, diesen Opfern zu helfen?”, fragte eine junge Frau.

Stephan Neuhoff zögerte, suchte nach Worten. Er war direkt von der Einsatzstelle zur Bürgerversammlung gekommen, hatte noch nicht einmal Zeit gehabt, die lehmverschmierten Stiefel ausziehen. „Das war eine der schwierigsten Entscheidungen, die ich je treffen musste”, sagte er dann. „Wenn wir irgendetwas von den Vermissten erkannt hätten, ein Körperteil oder ein Rufen, wir wären unter Lebensgefahr auf den Trümmerkegel gegangen.”

Doch da sei nichts gewesen. Stattdessen wären seine Leute Gefahr gelaufen, von herabstürzenden Trümmerteilen erschlagen zu werden oder in das instabile Erdreich abzustürzen: „Unter der Asphaltdecke an der Unglücksstelle ist ein mindestens drei Meter tiefes Loch.” So sei das Risiko unvertretbar hoch gewesen.

„Ich habe schon mal einen Feuerwehrmann in einem Einsatz verloren. Das war eine der schlimmsten Situationen, die ich je erleben musste”, sagte Neuhoff. Deshalb habe er sich dafür entschieden, die Unglücksstelle erst aufwändig zu sichern - was sich als kompliziert genug erwies.

Seit am Dienstag um 13.58 Uhr der Notruf vom Gebäudeeinsturz in der Kölner Südstadt bei der Feuerwehr einging, reiht sich für den 57-Jährigen eine Krisensitzung an die andere. Es sei der schwierigste Einsatz seiner Laufbahn, bekennt der Diplom-Ingenieur, der seit 20 Jahren oberster Brandbekämpfer in seiner Geburtstagstadt ist.

Und an schwierigen Einsätzen hat es Neuhoff gerade in letzter Zeit nicht gemangelt. Erst vor einem Jahr musste er den Großbrand beim Chemiekonzern Ineos in Köln-Worringen unter Kontrolle bringen, den größten Brandeinsatz im Raum Köln seit dem Ende des Weltkrieges.

Damals konnte die Feuerwehr erfolgreich eine Katastrophe für Mensch und Umwelt abwenden - was Neuhoff nicht davon abhielt, in einem Bericht nüchtern Mängel und Versäumnisse bei diesem Großeinsatz aufzuführen. Schon vor zwei Jahren stellte die Havarie des Containerfrachters „Excelsior” auf dem Rhein bei Köln die Wehrleute vor eine große Herausforderung.

Doch der Einsturz in der Südstadt mit seinen weitreichenden Auswirkungen hat eine eigene Dimension. Schon am Unglückstag musste Neuhoff einräumen, dass es für zwei eventuell Verschüttete kaum Überlebenschancen gibt. Nüchtern und gelassen skizzierte er auf einer Tafel die Lage an der Unglücksstelle, erläuterte mit dem typischen Singsang der rheinischen Mundart die Lage.

Neuhoff gilt als Teamspieler, er ist beliebt bei den rund 1000 Mitarbeitern der Kölner Berufsfeuerwehr. Inzwischen merkt man ihm den Stress und den Schlafmangel an, doch immer noch bleibt er gelassen und verbindlich. Seine Kraft schöpft der elffache Vater aus seinem christlichen Glauben und aus seiner Großfamilie. Ihr will er sich auch wieder verstärkt widmen, wenn er in drei Jahren in den Ruhestand geht.
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