Brüssel - Nur 44 Prozent der Belgier fühlen sich als Belgier

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Nur 44 Prozent der Belgier fühlen sich als Belgier

Von: fel
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Was wird aus Belgien? Nur noch 44 Prozent der Belgier bezeichnen sich selbst zuerst als Belgier. Der Konflikt im Drei-Nationen-Staat schwelt seit Jahren und hat in den vergangenen beiden Jahren an Schärfe und Fahrt gewonnen. Foto: dpa

Brüssel. Immerhin noch 44 Prozent der Belgier bezeichnen sich zuallererst als Belgier, bevor sie sagen, ob sie Flamen, Wallonen oder deutschsprachig sind. In Zeiten, in denen in Belgien breit darüber diskutiert wird, ob der Staat gescheitert ist und abgeschafft werden sollte, nicht mehr als ein Achtungserfolg.

Dabei scheint Belgien aus seinen Krisen gar nicht mehr herauszukommen. Erst am Montag waren erneut Verhandlungen zur Bildung einer stabilen Regierungskoalition in Brüssel gescheitert. Damit wird Belgien, das zurzeit die EU-Ratspräsidentschaft innehat, immer noch von einer Übergangsregierung regiert.

Am Dienstag dann sorgten Meldungen, der belgische König Albert II. plane für Ende des Jahres seinen Rücktritt zu Gunsten seines Sohnes, Kronprinz Philippe, für kurzfristige Irritationen und heftige Dementis aus dem Königspalast.

Der Kern der Krise(n) ist, wenn man belgischen Medien glauben schenken mag, ein Kultur- und Mentalitätenstreit, eine Auseinandersetzung zwischen wirtschaftlich schwächeren Wallonen im Süden (die eher dazu tendieren, das Gebilde Belgien in Schutz zu nehmen) und dem wirtschaftlich prosperierenden, flämischen Norden, in dem der Gedanke einer staatlichen Eigenständigkeit seit Jahr und Tag populär ist und immer mehr Zulauf verzeichnet.

Weiterer schwelender Konfliktherd ist der Status von Brüssel und umliegenden Gemeinden. Da die belgische und europäische Hauptstadt mehrheitlich frankophon ist, verteidigen sich die Gemeinden im flämischsprachigen Speckgürtel seit Jahr und Tag mit immer schärferen Sanktionen gegen den Zuzug von Frankophonen. Das Resultat: Ein bizarrer Sprachenstreit, der schon mehr als eine belgische Regierung zu Fall gebracht hat.

Wer glaubt eigentlich noch an Belgien?

Immer lauter werden in den vergangenen Jahren die Stimmen, die den Staat Belgien für gescheitert erklären. Während die Wallonen, also die Einwohner des französischsprachigen Süden des 1830 am Reißbrett entstandenen Königsreiches, sich noch zu 55 Prozent mit dem Begriff „Belgier” identifizieren können, sind es im reichen, flämischsprachigen Norden nur schlanke 37 Prozent.

Die Zahlen gehen zurück auf eine am Mittwoch veröffentliche Internet-Umfrage der belgischen Tageszeitung ”La Libre Belgique”, nach der auch 26 Prozent der Flamen für sich den Begriff „Flame” vorziehen, wohingegen nur vier Prozent der Wallonen zuallererst als Wallonen identifiziert werden wollen.

Bemerkenswert auch: Nur noch weniger als ein Drittel der Belgier, nämlich 24 Prozent, haben ein positives Bild von Belgien, 31 Prozent ein deutlich negatives. 91 Prozent der Belgier empfinden ihren Staat der Umfrage zufolge als politisch instabil, etwas mehr als die Hälfte (58 Prozent) finden Belgien sozial instabil.

Immerhin, ein klein bisschen Hoffnung bleibt noch: 69 Prozent sind davon überzeugt, dass das kleine Königreich ein attraktives Urlaubs- und Reiseziel ist.
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