Notfalls geht die Schranke runter

Von: Ulrich Simons
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Großeinsatz: Bis zu 50 000 Polizisten sollen den Atom-Gipfel Ende März in Den Haag schützen. Foto: stock/caro

Maastricht/Den Haag. 58 Regierungschefs aus aller Welt, an der Spitze US-Präsident Barack Obama, 5000 Delegierte, rund 3000 Journalisten und ein Land im Ausnahmezustand: Der Atomsicherheitsgipfel Ende März in Den Haag wird Auswirkungen bis in unsere Region haben.

 Denn zum Schutz der Staatsoberhäupter werden Polizisten aus allen Teilen des Landes in der Küstenstadt im Norden der Niederlande zusammengezogen.

Offizielle Zahlen gibt es (noch) nicht, aber es sollen viermal so viele sein wie bei der Thronbesteigung von König Willem Alexander am 30. April vergangenen Jahres. Damals waren nach Medienberichten zwischen 10 000 und 12.500 Polizisten im Einsatz, demnach wären es jetzt bis zu 50.000.

Rekord hielt nur ein Jahr

„Es ist der größte Sicherheitseinsatz in der Geschichte der Niederlande“, hatte 2013 ein Sicherheitsexperte stolz verkündet, als Beatrix ihrem ältesten Sohn die Krone übergab. Der Superlativ hielt gerade mal ein Jahr. Denn schon am 24./25. März wird ein Ereignis, wie es die Niederlande noch nie erlebt haben, das Leben im langgezogenen Dreieck zwischen Amsterdam, Rotterdam und Den Haag zumindest zeitweise lahmlegen.

Es geht bei dem Gipfel nicht um die zivile Nutzung der Kernenergie, sondern um radioaktives Material in den Händen von Terroristen. Entsprechend groß ist die Angst vor einem Anschlag.

Schon im Februar hatten die Niederländer angekündigt, die Grenzkontrollen zu verschärfen und notfalls sogar die Landesgrenzen zu Deutschland und Belgien zu schließen, wenn sie Hinweise auf einen geplanten terroristischen Akt haben. Offizielle Informationen zu geplanten Grenzschließungen seien allerdings bisher beim deutschen Zoll nicht angekommen, erklärte Sprecherin Elke Willsch in Aachen auf Anfrage.

Bei der Nato-Airbase in Geilenkirchen hat man sich die zwei Tage Ende März auch schon rot im Kalender angekreuzt. Eben­so wie in einem einen Kilometer breiten Streifen der Nordsee vor Den Haag gelten auch im Luftraum über Nordholland zahlreiche Beschränkungen. Um deren Einhaltung kümmern sich Flugzeugbesatzungen der Geilenkirchener Awacs-Airbase.

Auch bei der Polizei in Südlimburg rauchen angesichts der komplizierten „Mega-Operation“ bereits seit Monaten die Köpfe, sagt Sprecher Jack van Kleef. Genaue Zahlen könne er im Augenblick noch nicht nennen, weil sie derzeit fast täglich korrigiert oder angepasst werden. „Die Polizei in Südlimburg wird einen wesentlichen Beitrag zur Sicherheit in Den Haag leisten, aber trotzdem weiterhin handlungsfähig bleiben.“

Möglicherweise Urlaubsstopp

Kein Grund zur Freude also für Einbrecher und Taschendiebe. Jack van Kleef: „Für die einzelnen Regionen des Landes wurden Mindestgrenzen für die Besetzung der Dienststellen festgelegt, die nicht unterschritten werden. Alle Polizeiposten sind während der üblichen Zeiten geöffnet, und bei Vorfällen und Hilferufen kann die Polizei in der Region wie gewohnt reagieren.“

Um das zu gewährleisten, gibt es möglicherweise rund um den Sicherheitsgipfel für die Beamten sogar einen Urlaubsstopp.

Ebenso wie bei der Thronbesteigung von König Willem-Alexander im vergangenen Jahr könnten auch wieder deutsche Polizeikräfte in den Niederlanden zum Einsatz kommen. Entsprechende Angebote von deutsche Seite gebe es, bestätigt Polizeisprecher Jack van Kleef. Allerdings sei noch nicht abschließend geklärt, ob die Niederländer die Hilfe in Anspruch nehmen werden.

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