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Norbert Blüm übernimmt die Hemmerle-Stiftungsprofessur

Von: Thorsten Karbach
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Erhält für ein Semester die Hemmerle-Professur von Bistum und RWTH: Der ehemalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm. Foto: ddp

Aachen. Es gibt einen Satz von Norbert Blüm, der alles rechtfertigt. Nein, es geht nicht um die sichere Rente. Es geht um das, wofür Blüm steht. Um Werte, um Realismus und um einen tief verwurzelten Glauben.

„Ich finde, Krise ist geradezu zum Lieblingswort der Zeit geworden. Es wird gebraucht wie die Hostie einer Pseudoreligion”, hat er 1985 gesagt. Da war die Krise nach heutigen Maßstäben noch ein Krislein.

Arbeit - muss das sein?

Der ehemalige Arbeitsminister und seine klaren Worte. Ulrich Lüke hat er so schon seit vielen Jahren beeindruckt. So sehr, dass Lüke in diesem Semester aus Blüm einen Professor macht. Lüke, Leiter des Lehrstuhl für Systematische Theologie, hat Blüm die Klaus-Hemmerle-Professur angetragen, weil er für die Schnittstelle von Glauben (er hat Theologie bei Joseph Ratzinger studiert, der heute Papst ist) und Politik steht. Und Blüm hat zugesagt.

Er wird drei Veranstaltungen im Sommersemester an der RWTH Aachen halten - mittwochs die Vorlesung „Gerechtigkeit - Jedem das Seine?” (ab 14. April immer von 17.45 bis 19.15 Uhr im Raum EPH, Schinkelstraße 2), donnerstags das Seminar „Christliche Soziallehre - Jenseits von Kapitalismus und Sozialismus” (ab 15. April von 8.15 Uhr bis 9.45 Uhr im Raum RS 3, Rochusstraße 2-14) und die Vorlesung „Arbeit - Muss das sein?” (ab 15. April von 11.45 bis 13.15 Uhr im WK, Augustinerbach 2-44).

Lüke spricht von einer sinnvollen Besetzung der Professur, die nach dem ehemaligen Aachener Bischof Klaus Hemmerle (1929 bis 1994, von 1975 an Bischof) benannt ist. Blüm sei ein Mann, dem man zuhört. „Wir hatten in den letzten Jahren immer gute Leute, die nur nicht so bekannt waren”, sagt Lüke. Etwa 100 Zuhörer wurden bei den Veranstaltungen mit dem Referenten der Berliner Staatskanzlei Ansgar Vössing oder dem brasilianischen Befreiungstheologen Alberto da Silva Moreira begrüßt. Zu Blüm werden nun aber weit mehr erwartet, die Vorlesungssäle fassen 170 beziehungsweise 300 Gäste.

Norbert Blüm steht nicht nur für klare Worte. Er steht ebenso für Unterhaltung. Neben dem Bundesverdienstkreuz trägt der einstige Messdiener und Stammesvorsitzende Pfadfinder auch den Karl-Valentin-Orden oder den Winfried-Preis als Botschafter des Deutschen Brauer-Bundes. Der Aachener Karnevalsverein AKV hat ihm 1985 den Orden wider den tierischen Ernst verliehen, und Blüm blieb über Jahre Stammgast in der Aachener Narrenbütt. Nonsens sei bei Blüm aber nicht zu erwarten.

4800 Euro im Monat

„Ich gehe davon aus, dass es launig wird, aber das wird der Qualität keinen Abbruch tun. Ich erwarte eine sehr kompetente Interpretation und Beschreibung des Gebietes Theologie, Ethik und Politik”, sagt Lüke. „Blüm hat sich als Kritiker der Globalisierungsphilosophie profiliert - diese Perspektive darf man nicht aus den Augen verlieren.” Auch nicht an einer Hochschule, die sich mehr denn je international orientiert.

Finanziert wird das Wirken Blüms vom Bistum Aachen. Die jährlich wechselnde Hemmerle-Stiftungsprofessur (es gibt sieben Stuftungsprofessuren an der RWTH) ist eine sogenannte W3-Professur. Das heißt, sie wird mit monatlich gut 4800 Euro Brutto entlohnt.

Die Veranstaltungen mit Norbert Blüm richten sich fachübergreifend an Studierende der RWTH Aachen, aber auch interessierte Bürger sind eingeladen. Sollte das Interesse die Zahl der zu vergebenden Plätze überschreiten, werden Studierende, die einen Studienabschluss anstreben bevorzugt. Die Kapazität für das Seminar ist beispielsweise auf 40 Teilnehmer begrenzt.
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