Noch geht‘s nach Liège. Bald auch nach Lüttich?

Von: Udo Kals
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Wo Liège steht, soll auch Lüttich drauf: Um diesen Pfeilwegweiser am Aachener Europaplatz dreht sich das Verfahren. Foto: M. Jaspers

Aachen. Hätten die Straßenbauer vor vier Jahren nur im entferntesten geahnt, was sie mit ihrer Arbeit am Aachener Europaplatz alles anrichten. Sie hätten womöglich Spaten und Schraubenzieher gar nicht erst angefasst an diesem Tag – oder sie hätten sich sogar krank gemeldet. Doch sie taten es nicht.

Sie gingen zu Werke und stellten am Rande des Kreisverkehrs auf Amtsdeutsch Pfeilwegweiser genannte Schilder auf, die eben den Weg weisen sollen, zur A 544, nach Köln, nach Düsseldorf. So weit, so gut. Doch auch nach Liège. 

Und an dieser ausschließlich französischsprachigen Beschilderung in Richtung Lüttich stört sich ein Aachener Professor derart, dass sich das Aachener Verwaltungsgericht damit beschäftigen muss. Die deutsche Sprache, so lautet seine Argumentationslinie, sei eines der höchsten Kulturgüter. Und er sieht sich wegen der von Amts wegen „negativen Vorbildwirkung“ in seinen subjektiven Rechten als Deutscher verletzt. Amtssprache in Deutschland sei Deutsch. Die Ortsbezeichnung solle doch bitte um die deutsche Schreibweise ergänzt werden, so das Ziel des klagenden Diplom-Ingenieurs. „Das ist ein Musterverfahren. Zu diesem Thema gibt es kein Präzedenzurteil“, sagt sein Anwalt Joachim Schmidt.

Was sich vielleicht etwas skurril, aber zugleich simpel anhört, entpuppt sich zumindest für die Richter als „komplexer und relativ umfangreicher“ Vorgang mit einer „nicht unerheblichen Vorgeschichte“, wie der Vorsitzende Richter Heinrich Limpens in der gestrigen Verhandlung bemerkte. So sei es schon schwierig genug gewesen, den richtigen Beklagten zu finden – die Stadt Aachen, die Städteregion und die Bezirksregierung waren zwischenzeitlich im Visier. Am Ende saßen in Vertretung des beklagten Landes NRW zwei Vertreter der Kölner Bezirksregierung im Gerichtssaal A2.011.

Die zitieren vor Gericht unter anderem das Wiener Übereinkommen über Straßenverkehrszeichen vom 8. November 1968. Zentrale Aussage des Papiers: Es wird empfohlen, Ortsbezeichnungen in der jeweiligen Heimatsprache abzubilden; Ausnahmen sollten gemacht werden, wenn beide Versionen – wie etwa bei Breslau/Wroclaw – sich stark unterschieden. Letzteres trifft nach Ansicht von Klägeranwalt Schmidt auch auf Lüttich und Liège zu und spiele seinem Mandanten in die Hände.

Das sehen die Vertreter der Bezirksregierung gänzlich anders. Zudem verweist Dirk Gobbelé von der Kölner Behörde auf das sogenannte Verzeichnis der Fern- und Nahziele an Bundesfernstraßen. In dem vom Land genehmigten und vom Bund abgesegneten Papier werden die Schreibweisen der Städte auf Schildern vorgeschrieben – Antwerpen etwa oder Brüssel. Da in der neuesten Ausgabe von 2009 nur die Schreibweise Liège vorgesehen ist, werden nun sukzessive auf Autobahnen die Schilder Lüttich/Liège verschwinden. Für Schmidt sind diese Richtlinien jedoch nur verwaltungsinterne Empfehlungen.

Welche Auswirkungen das Urteil der Verwaltungsrichter, das am 7. Mai gesprochen werden soll, auf andere Schilder hat, bleibt abzuwarten. Zwar wollte der Kläger ursprünglich sämtliche Schilder in der Umgebung verändert sehen, auf denen nur eine fremdsprachige Ortsbezeichnung steht. Doch bei seiner Klage konzentriert er sich auf dieses eine am Europaplatz. Streitwert: 5000 Euro. Chancen auf Erfolg: Laut Anwalt Schmidt 50:50.

Ungeachtet dessen wird laut Gobbelé derzeit der Fern- und Nahzielkatalog für das Aachener Autobahnkreuz überarbeitet. Während die Ziele noch nicht gänzlich klar sind, steht eins fest: Der Schilderwald im Verkehrsknoten – unsere Grafik zeigt die A 4-Achse Richtung Niederlande – wird nochmals ein wenig aufgeforstet. Der Grund: „Durch die Entflechtung der Verkehrsströme im Autobahnkreuz erhält jede seine eigene Beschilderung“, sagt Klaus Erdorf vom Landesbetrieb Straßen.NRW.

Für rund zwei Millionen Euro werden wohl bis Frühjahr 2015 viele der 30 neuen Schilderbrücken gebaut sowie acht bestehende verändert sein, bislang gibt es 22. Bleibt die Hoffnung, dass die Straßenbauer nicht auch dieses Mal das Fundament für einen Rechtsstreit legen.

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