Neuneinhalb Jahre Jugendhaft nach Mord an Obdachlosem

Von: dpa
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brutalen Mord Neuss
Nach dem brutalen Mord an einem vietnamesischen Obdachlosen in Neuss ist ein 18-Jähriger zu neuneinhalb Jahren Jugendhaft verurteilt worden. Das Düsseldorfer Landgericht sprach den jungen Mann am Mittwoch wegen Mordes schuldig. Foto: dpa

Düsseldorf. Nach dem brutalen Mord an einem vietnamesischen Obdachlosen ist ein 18-Jähriger in Düsseldorf zu neuneinhalb Jahren Jugendhaft verurteilt worden. Das Düsseldorfer Landgericht sprach den Mann am Mittwoch wegen Mordes schuldig.

Er sei mit „nahezu unbeschreiblicher Brutalität” gegen ein völlig chancenloses Opfer vorgegangen, sagte die Vorsitzende Richterin. Ein 38 Jahre alter Komplize wurde als Mitläufer zu neun Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt.

Obwohl sich der 18-Jährige ein Hakenkreuz auf die Brust tätowieren ließ, ging das Gericht nicht von Ausländerhass als Motiv aus. Er habe sich die Tätowierung erst nach der Tat stechen lassen und sich in der Haft einer Gruppe rechtsextremer Gefangener angeschlossen, hatte der Staatsanwalt berichtet. Der 18-Jährige hatte beim Prozessauftakt bekannt, er habe Kontakte zu Neonazis und teile auch manche ihrer Einstellungen.

Das Gericht hatte in dem Prozess die kaputten Lebensläufe von Opfer und Tätern herausgearbeitet. Auch Verteidiger Michael Rost nannte den Lebensweg des 18-Jährigen „erschreckend und bedrückend” zugleich.

Das Opfer wurde 59 Jahre alt. Der Vietnamese war voller Hoffnungen nach Deutschland gekommen, hatte studiert und eine Familie mit drei Kindern gegründet. Dann wird er psychisch krank und fällt durch alle Maschen. Der schmächtige Mann lebt schließlich ohne Kontakt zu seiner Familie auf der Straße und bessert sich seine „Stütze” als Leergut-Sammler auf, ist selbst unter den Obdachlosen ein Außenseiter.

Das Opfer und sein späterer Mörder schlafen vor der Tat in der selben Obdachlosen-Unterkunft. Der 18-Jährige stammt aus verheerenden Familienverhältnissen. Von Mutter und Vater im Stich gelassen und immer wieder abgeschoben, lebt er in Heimen und Einrichtungen. Schon früh gibt es alarmierende Hinweise auf eine destruktive Persönlichkeit, die da heranwächst: Er quält Tiere, legt Brände, geht auf seine Mitmenschen los.

Auf einer Finca auf Teneriffa können ihn Betreuer bei einer Besserungsmaßnahme stabilisieren. Er fängt sich. Doch dann erfährt er, dass seine Mutter erneut schwanger ist. Er tötet mehrere Tiere, tritt seinen eigenen kleinen Hund tot. Die Förderschule verlässt er nach der achten Klasse, ihm wird eine sehr geringe Intelligenz bescheinigt. Beruflich kann er nirgends Fuß fassen.

Sein Komplize ist bereits 38 und trinkt seit dem 15. Lebensjahr. 17 Jahre lang „macht er Platte”. Weil seine Sozialhilfe oft schon nach einer Woche vertrunken ist, bettelt er. Unmittelbar nach der Tat zeigt eine Überwachungskamera den alkoholgewöhnten Mann torkelnd und sturzbetrunken.

Als das Duo im März 2011 draußen in der Nähe der Unterkunft auf den Vietnamesen trifft, tritt ihn der 18-Jährige mit voller Wucht gegen den Kopf und raubt ihn aus. Nachdem ihm klar wird, dass ihn dies ins Gefängnis bringen kann, beschließt er, sein Opfer zum Schweigen zu bringen. Er nimmt sich einen Holzpfahl und drischt minutenlang auf den Kopf des Vietnamesen ein, so dass „nahezu jeder Knochen im Gesicht gebrochen ist”, wie die Richterin beschreibt.

Doch die Täter wollen auf Nummer sicher gehen. Als der massive Holzpfahl unter der Wucht der Schläge zersplittert, treten sie noch einmal etwa zehn Minuten auf den Oberkörper ein, wieder brechen zahlreiche Knochen. Sie verschwinden, kehren aber erneut zurück und sehen dem Mann beim Sterben zu bis das Röcheln verstummt.

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