Aachen - Neues privates Institut: Philosophie für jedermann

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Neues privates Institut: Philosophie für jedermann

Von: Christina Merkelbach
Letzte Aktualisierung:
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„Wir verstehen uns als Kulturinstitut”: Jürgen Kippenhan und Kristine Akens vor den „Logoi”-Räumen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Es ist die Leuchtschrift im Fenster, die Vorbeigehende neugierig macht. Rote Lichtröhren formen das Wort „Logoi”, Mehrzahl des griechischen Wortes Logos, das viele Bedeutungen hat. Zum Beispiel Begriff und Vernunft, aber auch Rede, Sinn oder Gedanke.

Mit der Gründung des Instituts in der Aachener Innenstadt hat Jürgen Kippenhan vor kurzem eine Idee verwirklicht, die ihm schon seit längerem durch den Kopf ging. „Das Logoi ist ein Raum, um klare Gedanken zu fassen”, sagt er.

Jürgen Kippenhan, 56, und seine Mitarbeiterin Kristine Akens, 28, bieten dort philosophische Seminare an - für Erwachsene und Kinder. Der helle Raum lädt dazu ein, sich fernab von alltäglicher Reiz- und Informationsüberflutung Gedanken über existenziell wichtige Themen zu machen. Beispielsweise, wie weit die Biogenetik gehen darf, oder ob ein Mensch tot ist, wenn medizinisch sein Hirntod erklärt wurde. Auch Probleme wie die Finanzkrise gehören dazu, oder die Frage, wie lebenswerte Städte in der Zukunft gestaltet werden müssen.

„Wir verstehen uns auch als ein Kulturinstitut, in dem es neben den Seminaren Vorträge, Lesungen und Ausstellungen geben soll”, erklärt Kippenhan, der in Philosophie promoviert und zurzeit einen Lehrauftrag an der RWTH hat. Vorbilder für sein privates Institut gibt es in Deutschland nicht viele, wenn überhaupt, dann in größeren Städten wie Hamburg, München und Berlin. Philosophie gilt außerhalb der Universitäten als brotlose Kunst, das ist Jürgen Kippenhan klar. „Dabei kann sie wertvolles leisten.”

Gedanken ordnen, Argumente formulieren, Phänomene erklären - aber das alles nicht in einem esoterischen Sinn. „Wir bieten keine Selbsthilfegruppe an und wollen uns auch nicht treffen, um über alles zu reden, was den Teilnehmern so durch den Kopf geht.” Die zu diskutierenden Themen seien immer vorgegeben.

Kristine Akens, ebenfalls studierte Philosophin, leitet die Seminare für Kinder. Fragen wie „Was ist der Mensch?” oder „Was unterscheidet uns vom Affen?” stehen im Mittelpunkt. „Dabei werden die Kinder nicht unter Leistungsdruck gesetzt. Es gibt keine Noten oder einen strengen Stundenplan”, sagt Akens. „Sie sollen Spaß am Nachfragen haben, an Gedankenexperimenten und Rätseln.” Mit Hilfe von Kinderbüchern, Bildern und kurzen Theaterstücken sollen sich die Kleinen den Themen annähern. Vorbild ist das Angebot „Philosophie für Kinder”, das in Bayern vom Bildungsministerium unterstützt wird.

Im Fenster des „Logoi” ist nicht nur der rotleuchtende Schriftzug zusehen. Es gibt auch ein großes, schwarz-weißes Bild. Darauf ist eine Eule zu sehen, das Symbol für Weisheit.
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