Aachen/Kall - Neues Kapitel im Eifelkrimi mit tödlichem Ausgang

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Neues Kapitel im Eifelkrimi mit tödlichem Ausgang

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
gerichtsprozess kall
Er habe seinen Geschäftspartner und Freund „aus Versehen” mit einer doppelläufigen Jagdflinte erschossen, so die Aussage von Ralf S. (45). Foto: Ralf Roeger

Aachen/Kall. Der Eifelkrimi im Aachener Schwurgericht geht weiter. Am Montag erklärte der wegen Mordes an seinem Geschäftspartner und Freund angeklagte Kfz-Meister Ralf S. aus Kall, sein Vater sei an dem Genickschuss schuld.

„Ich wollte in der ersten Aussage meinen Vater da raushalten”, begründete er den Sinneswandel, doch auch dieser Version des Tatgeschehens wollte das Gericht keinen rechten Glauben schenken.

Während des zweiten Prozesstages ging der vorsitzende Richter Gerd Nohl mit dem Angeklagten am Montag das am ersten Prozesstag geschilderte Tatgeschehen durch. Der nach Schilderungen des Sohnes zumeist betrunkene Vater sei nach dem Gewehrknall in die Werkstatt gekommen: „Nein, der ist nicht tot, nein, das Schwein tut es noch!”, soll er zu Ralf S. gesagt haben. Da habe er den am Boden liegen Körper von hinten „mit dem Lauf angestupst”, erklärte Ralf S., der zweite Schuss „ging einfach los”. Der Vater sei dann ins Wohnhaus gegangen und habe sich völlig betrunken.

Der laut Staatsanwaltschaft heimtückische Mord an dem 32-jährigen Johann P. sollte nach ersten Schilderungen des Angeklagten mit einem doppelläufigen Jagdgewehr „aus Versehen” im Keller des Autohauses, das der Angeklagte mit seiner Schwester in Kall betreibt, geschehen sein, hatte er vergangene Woche ausgesagt.

Richter Nohl erklärte, er nehme Ralf S. auch seine zweite Version nicht ab. So zweifelt Nohl an diversen Details der Schilderungen des Tatgeschehens, das nach einer mehrtägigen Irrfahrt der auf einem Pkw-Anhänger versteckten Leiche weiterging und schließlich auf der Deponie in Erftstadt-Kierdorf endete, 45 Kilometer von Kall entfernt.

Ja, sie hätten sich gestritten in dem Autokeller, gab S. nochmals zu. Der Freund hätte ihn immerzu gedrängt, endlich ein Juweliergeschäft zu überfallen. Dazu sollte die Doppelflinte, die seit langem in den Schrottregalen im Keller für jedermann zugänglich lag, begutachtet werden. Das Opfer wollte die Jagdwaffe absägen, S. hielt sie ganze Sache für „Hirnriss”. Dann passierte es im Streit, die Flinte „ging einfach los”.

Ob denn kein Sicherungshebel zu betätigen war, wollte Nohl wissen. Der Angeklagte erinnerte sich nicht. Ob er die Waffe in einer oder in zwei Händen gehalten habe. In einer, meinte S. „Das ist unwahrscheinlich. Wenn Sie diese Waffe so abfeuern, reißt es Sie um”, wandte der Richter ein.

Für Gerd Nohl stellte sich am zweiten Verhandlungstag angesichts der Ungereimtheiten sogar die Frage, ob „nicht noch jemand anderes”, jemand Drittes bei der Tat dabei war. Vor allem auch deshalb, weil es nach den Akten Zeugen gebe, die etwa eine halbe Stunde später, etwa kurz vor 13 Uhr, zunächst Schüsse und dann „eine schimpfende Frauenstimme”, so der Richter, gehört haben wollen. Doch der Angeklagte schüttelte nur mit dem Kopf.

Auch auf die Frage, warum die damals schwangere Ehefrau des Getöteten die Vermisstenanzeige für ihren Mann auf einen Tag später datiert hatte, wusste S. keine Antwort.

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.
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