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Neuer Mordverdacht gegen Boere

Von: dpa
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SS-Prozess / Heinrich Boere
Der mutmaßliche Kriegsverbrecher Heinrich Boere (Mitte, hinten) vor Gericht. Foto: Markus Schuldt

Aachen. Gegen den früheren SS-Mann Heinrich (88) gibt es einen neuen Mordverdacht. Die Nebenklage im Aachener Mordprozess hat Strafanzeige wegen Mordes in sieben weiteren Fällen gestellt. Das teilten die Nebenkläger am Donnerstag dem Aachener Landgericht mit.

Als Spion soll Boere 1944 niederländische Fluchthelfer verraten haben, von denen sieben in Folge starben. Der Sachverhalt verdeutliche die kriminelle Energie Boeres als eifriger, überzeugter Nationalsozialist. Boere hatte sich bei den angeklagten Morden an drei niederländische Zivilisten im Jahr 1944 auf Befehlsnotstand berufen.

Die Selbstdarstellung Boeres als bloßer Befehlsempfänger sei widerlegt, sagten die Nebenkläger Detlef Hartmann und Wolfgang Heiermann. Mit krimineller Energie und mit Heimtücke habe Boere die Fluchthelfer-Szene in den von Nazis besetzten Niederlanden ausspioniert und Menschen ans Messer geliefert.

Laut Nebenkläger sollte der heute im Rollstuhl sitzende Mann mit zwei weiteren Männern im Auftrag des Sicherheitsdienstes den Untergrund im südlichen Limburg ausspionieren. Sie gaben sich als hilfsbedürftige Flüchtlinge aus, erschlichen sich das Vertrauen und spähten die Strukturen des Widerstandes aus. Dem Sicherheitsdienst verrieten sie Namen und Adressen. Dafür hätten sie 75 Gulden „bar auf die Hand” bekommen.

Bei einer Razzia im Mai 1944 von Sicherheitsdienst und Militäreinheiten seien 35 Menschen verhaftet worden. Sieben kamen laut Nebenklage in Konzentrationslager und sind dort oder kurz danach aufgrund der unmenschlichen Behandlung gestorben. Boere habe ihren Tod „vorsätzlich in Mittäterschaft verursacht”.

Der Sachverhalt lasse Rückschlüsse auf Triebkraft und Täterpersönlichkeit bei den in Aachen angeklagten Morden an drei vermeintliche Widerstandskämpfer zu. Die Gesamtbetrachtung müsse zur Feststellung der besonderen Schwere der Schuld führen.

Es sei noch nicht ganz klar, welche Relevanz die Darstellung für den Fortgang des Verfahren habe, erklärte Staatsanwalt Andreas Brendel. Er machte deutlich, dass die besondere Schuldschwere mit Blick auf das Alter des Angeklagten wahrscheinlich keine Auswirkungen auf eine Haftdauer hätte.

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