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Neue Missbrauchsvorwürfe in Bonn und Hildesheim

Von: Sarah Lena Grahn, ddp
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Köln. Die Missbrauchsvorwürfe gegen Mitglieder des katholischen Jesuiten-Ordens werden immer zahlreicher. Nachdem am Donnerstag ein 62-jähriger Ex-Schüler von sexuellen Übegriffen am Bonner Aloisiuskolleg durch Priester berichtet hatte, äußerte sich ein weiterer Betroffener am Freitag.

Miguel Abrantes klagt mehrere Patres an, ihn und seine Mitschüler an dem Bad Godesberger Gymnasium über Jahre hinweg sexuell belästigt zu haben. Der 37-Jährige schrieb bereits 2004 in dem Buch „Sacro Pop. Ein Schuljungen-Report” über seine Erlebnisse an dem Kolleg.

Nach der Veröffentlichung sei er mit seinen Behauptungen jedoch allein gewesen, niemand habe ihm geglaubt, sagte Abrantes. Der Orden habe damals zwar eine Missbrauchsbeauftrage eingeschaltet, die zwischen Opfern und Tätern vermittelte. Es habe sich aber nur ein Pater schriftlich entschuldigt.

Er selbst habe sich in der sechsten Klasse zum ersten Mal vor einem Pater ausziehen müssen, erzählte der Ex-Schüler. Ein Jahr später habe der Jesuit Nacktfotos von ihm gemacht. Der 37-Jährige war den Angaben zufolge zehn Jahre lang an der Bonner Schule, 1993 machte er sein Abitur. Das Aloisiuskolleg ist eine von drei deutschen Schulen in Trägerschaft des Jesuiten-Ordens.

Auch in Niedersachsen gibt es einen weiteren Verdacht auf Missbrauch durch einen katholischen Geistlichen. Eine erwachsene Frau habe berichtet, in den 90er Jahren von Pater Peter R. belästigt worden zu sein, sagte ein Sprecher des Bistums Hildesheim. R. ist einer von drei Jesuiten, die inzwischen mit einer Vielzahl von Missbrauchsfällen in Verbindung gebracht werden.

Der zweite Beschuldigte äußerte sich Medienangaben zufolge derweil in der chilenischen Tageszeitung „El Morrocotudo”. In einem öffentlichen Brief bedanke sich Wolfgang S. bei „seinen Freunden” in der nordchilenischen Stadt Arica für die „eindrucksvollen Zeichen der Unterstützung”. Die vergangenen Tage seien schlimm gewesen für ihn und seine Familie. Den Angaben zufolge hatte S. seinen Wohnort Santiago verlassen und versteckt sich derzeit bei Freunden in Arica.

S. lehrte zwischen 1975 und 1984 an Schulen in Berlin, Hamburg und St. Blasien im Schwarzwald. An dem Berliner Canisius-Kolleg soll er mindestens 20 Schüler missbraucht haben. 1985 ging er nach Chile, 1992 trat er aus dem Jesuiten-Orden aus. In einem Fragebogen hatte S. bereits 1992 angegeben, dass es während seiner Zeit in St. Blasien und in Hamburg zu sexuellen Übergriffe gegen Kinder gekommen war. Der Jesuitenpater und ehemalige Kölner Pfarrer Friedhelm Mennekes warnte unterdessen vor einem zu großen Vertrauen in die katholische Kirche. Eltern sollten ihre Kinder nie mit Geistlichen alleine lassen.

Die Kirche verdiene keine größere Vertrauenswürdigkeit als andere Institutionen. „Jeder Priester ist in der Gefahr, überhöht zu werden - bis hinein ins Erotische.” Dem müsse sich der Geistliche aber entziehen und sagen „Ich bin ganz normal - mit all meinen Fehlern, Launen und Überspanntheiten”.

Priester müssten mit dem „ungeheuer großen Kostenfaktor” des Zölibats zurechtkommen, sagte Mennekes. Das sei ein permanenter Kampf. „Wir müssen weg von der antiquierten Vorstellung, das Leben mit Verboten und Geboten richten zu wollen”, forderte Mennekes. Gerade das führe unfreiwillig zu einer unglaublichen Sexualisierung des Alltags. Der 70-Jährige ist den Angaben zufolge seit 1961 Mitglied des Jesuiten-Ordens.
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