Köln/Jülich - Neue Chance nach reinigendem Gewitter

Neue Chance nach reinigendem Gewitter

Von: Berthold Strauch
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Köln/Jülich. Städteregionsrat Helmut Etschenberg griff zu einem plastischen Bild, das den gewaltigen Umfang der bevorstehenden Arbeit deutlich machen soll: „Wir wollen das größte schwarze Loch Europas mit Leben füllen.“

Und diese „Herkulesaufgabe“, wie er anfügte, soll die „Innovationsregion Rheinisches Revier“ (IRR), die sich bereits seit rund drei Jahren mit möglichst kreativen Lösungen für die Zeit nach dem Ende der Braunkohlenförderung im Städtedreieck zwischen Aachen, Köln und Düsseldorf beschäftigt, mit einer neu aufgestellten Organisation zu meistern versuchen.

Dazu wurde am Freitag bei der Bezirksregierung in Köln die IRR GmbH offiziell ins Leben gerufen. Die Vertreter der Gesellschafter – neben Etschenberg unter anderem die Landräte der Kreise Düren, Wolfgang Spelthahn, Heinsberg, Stephan Pusch, und Euskirchen, Günter Rosenke – setzten im Beisein von Regierungspräsidentin (RP) Gisela Walsken ihre Unterschriften unter die entsprechende Vereinbarung. Walsken hatte nach dem Ausstieg der Aachener Indus-trie- und Handelskammer (IHK) aus der Federführung dieses Projekts im vergangenen Herbst den Prozess in Abstimmung mit der nordrhein-westfälischen Landesregierung in neue Bahnen gelenkt. Daran wirken zudem die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie sowie der Rhein-Erft- und der Rhein-Kreis Neuss mit.

Trotz der damaligen Kritik von Aachens IHK-Hauptgeschäftsführer Michael F. Bayer unter anderem an den Plänen, die großen Städte an der Rheinschiene aus dem Zuständigkeitsbereich der IRR auszuklammern, setze seine Kammer nach diesem „reinigenden Gewitter“ die Arbeit an den Nachfolgeplänen der Kohle-Ära fort – weil sie wichtig und richtig sei, wie Bayer am Freitag bekundete. Auch die Aachener Handwerkskammer will, wie die übrigen Kammern der Region, intensiv mitwirken – ein Engagement in Sachen Strukturwandel, das insgesamt bis zu 50 Jahre währen solle, wie es hieß, eine „extreme Herausforderung“.

Sitz der Gesellschaft bleibt Jülich, wo bereits die Vorläuferorganisation ansässig war. Die Geschäftsführung übernimmt bis 2015 Joachim Diehl, bislang in der Bezirksregierung Abteilungsleiter für die Bereiche „Regionale Entwicklung, Wirtschaft und Kommunalaufsicht“. Den IRR-Aufsichtsratsvorsitz soll für das Land der Staatssekretär im NRW-Wirtschaftsministerium, Günther Horzetzky, übernehmen. Düsseldorf habe zunächst bis 2017 die Finanzierung der Arbeit mit jährlich einer halben Million Euro zusagt, betonte RP Walsken. Für konkrete Projekte soll es zudem eine Landesförderung geben, ergänzt im Mittel von der Europäischen Union. Bergbaubetreiber RWE Power engagiere sich zudem gleichfalls im Kontrollgremium der IRR und übernehme Teile der Finanzierung für das Ziel einer „zukunftsorientierten Wirtschaftsentwicklung“.

Um dabei Akzente setzen zu können, sei bereits ein Katalog von 24 konkreten Maßnahmen entwickelt worden, für deren Abarbeitung die Prioritäten noch formuliert werden sollen. Beispielhaft, weil schon recht intensiv fortgeschritten, wurde für die angestrebte „Vision einer Innovationsregion“ auf die Erarbeitung einer „Bildungs-Cloud“ hingewiesen. Dabei sollen Berufskollegs ihre Lerninhalte digitalisieren, damit unabhängig vom Lernort darauf zurückgegriffen werden könne. Dieses Vorhaben habe das Potenzial, für ganz NRW Impulse zu setzen. Weitere Vorhaben sollen in den Bereichen Energie, Industrie sowie Technologie- und Flächenentwicklung angepackt werden, um den Strukturwandel „schlagkräftig steuern“ zu können.

Spelthahn erklärte auch mit Blick auf die jüngsten Hiobsbotschaften von einem Milliardendefizit bei RWE: „Wir wollen heute ein Zeichen von Verlässlichkeit ausstrahlen, dass die Region zusammensteht.“

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