Aachen/Düren - Neonazi erhält 14 Monate Haft ohne Bewährung

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Neonazi erhält 14 Monate Haft ohne Bewährung

Von: Michael Klarmann
Letzte Aktualisierung:

Aachen/Düren. Staatsanwalt und Richter waren sich einig: Als am 27. März 2010 Gruppen von Neonazis und Linken in der Adalbertstraße aneinandergerieten, war aus einem verbalen Disput ein Handgemenge geworden.

Am Ende der „gegenseitigen Aufschaukelung” (Richter) lag am Kaufhof einer der Antifaschisten am Boden und ein Neonazi trat ihm gegen den Kopf.

Ein laut Gericht zwar sehr intelligenter, aber strafrechtlich schon aufgefallener Student aus Düren wurde deswegen am Freitag wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

Weil sie Vertreter des Jugendverbandes der Partei Die Linke an besagtem Tag angegriffen haben sollten, mussten sich insgesamt zwei Neonazis aus dem Kreis Düren vor dem Amtsgericht Aachen verantworten. Vorgeworfen wurde den Führungskadern der „Kameradschaft Aachener Land” (KAL) gefährliche Körperverletzung. Verletzt worden waren im März 2010 drei Mitglieder der linken Szene, zwei davon mussten ambulant im Krankenhaus behandelt werden.

Einig waren sich Staatsanwalt und Richter auch darin, dass Zeugen aus der linken und der rechten Szene in den drei Verhandlungstagen oft „nur die eigene Sicht” (Staatsanwalt) präsentierten. So sagten Neonazis aus, sie seien zuerst von den Linken provoziert, aggressiv angegangen und attackiert worden. Die Antifaschisten wiederum warfen dasselbe den Neonazis vor. Letztlich, so Richter und Staatsanwalt, hätten unbeteiligte Zeugen - Polizisten und Passanten - zur Aufklärung beigetragen.

Und zumindest einem der Angeklagten, der „Kameradschaftsführer” der Neonazi-Bande, René L. aus Vettweiß, wurde deswegen frei gesprochen. Das Gericht sah es nicht als erwiesen an, dass der KAL-Chef seinerzeit Straftaten begangen habe. Anders gewertet wurde jedoch das Verhalten des zweiten Angeklagten, dem Studenten, der sich vor Gericht gar nicht zu den Vorwürfen geäußert hatte.

Der junge Mann, so der Richter, habe bei dem Gerangel einen der Antifaschisten mit Pfefferspray attackiert und, als das Opfer zu Boden gegangen war, wie ein Fußballspieler gegen dessen Kopf getreten. Wahrscheinlich habe das Opfer dabei schlimmere Verletzungen verhindert, weil es seine Arme schützend vor den Kopf gehalten habe. Der ansonsten sehr intelligente Täter, so der Richter, habe seine Aggressionen nicht im Griff, was auch mehrere Einträge in seinem Strafregister zeigten.

Zum Tatzeitpunkt 2010 stand er wegen eines Körperverletzungsdeliktes unter Bewährung. Zudem war er Anfang 2011 in erster Instanz nach einem Angriff auf eine Demonstration von Nazigegnern in Aachen sowie wegen Gewalt gegen einen Polizisten in Rurberg unter Einbeziehung einer weiteren Haftstrafe auf eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten ohne Bewährung verurteilt worden. Im aktuellen Prozess wurde „der Bewährungsversager” (Staatsanwaltschaft) abermals verurteilt - diesmal zu 14 Monaten Haft ohne Bewährung.
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