Aachen - Nach Notbremsung: Triebwagen brennt zwischen Stolberg und Aachen aus

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Nach Notbremsung: Triebwagen brennt zwischen Stolberg und Aachen aus

Von: Heiner Hautermans
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Großeinsatz auf freier Strecke: Nachdem ein Triebwagen der Euregiobahn in Brand geraten war, musste die Zugverbindung zwischen Aachen und Köln am Montag zeitweise eingestellt werden. Foto: Ralf Roeger
Großeinsatz auf freier Streck
Kurz vor dem Berliner Ring brannte der Triebwagen völlig aus. Das Übergreifen der Flammen auf einen zweiten Wagen konnte die Feuerwehr verhindern. Am Samstag war in einer S-Bahn in Essen Feuer ausgebrochen, die Lokführerin kam ins Krankenhaus. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Ein Triebwagen der Euregiobahn ist am Montag gegen 10.30 Uhr in Brand geraten und vollständig ausgebrannt. Die 60 Fahrgäste, unter ihnen eine Rollstuhlfahrerin und eine Mutter mit zwei kleinen Kindern, konnten sich in Sicherheit bringen und auf freier Strecke aussteigen.

Es sei keine Panik entstanden, erklärten mehrere Passagiere, die Evakuierung sei von den zwei Zugführern und zufällig anwesenden Bahnmitarbeitern sehr besonnen geleitet worden.

Bei dem Zug handelte sich um den RE20 von Stolberg nach Heerlen.Eine 18-jährige Auszubildende empfand die Situation aber als erschreckend: „Man weiß im ersten Moment nicht, was los ist. Geht jetzt etwas hoch? Erstickt man? Kommt noch ein Zug dahinter?“

Die Bahn sperrte sofort die Strecke Aachen-Köln, die Feuerwehr rückte mit zwei Löschzügen und 35 Mann Besatzung nach etwa fünf Minuten an. Die Brandbekämpfer hatten aber einige Mühen, an die Unglücksstelle zu gelangen, weil der Zug auf freier Strecke gehalten hatte.

Das Wasser musste über hunderte Meter lange Leitungen herbeigeschafft werden. Auch als die Schläuche gelegt waren, mussten die Wehrmänner zunächst noch in einiger Entfernung bleiben, bis die Oberleitung mit 15 000 Volt nach etwa 30 Minuten abgeschaltet und geerdet war, ansonsten hätte die Gefahr eines Überschlages bestanden.

Flammen aus den Fenstern

So konnte sich die Brandentwicklung, die zunächst nur mit weißem Rauch begonnen hatte, fast ungehindert fortsetzen, so dass nach etwa zehn Minuten die Flammen aus den Fenstern schlugen. Durch die Vielzahl der verbrannten Materialien entstand eine schwarze Rauchsäule, die kilometerweit zu sehen war. Die Feuerwehr musste sich weitgehend darauf beschränken, ein Übergreifen der Flammen auf einen zweiten, davor gespannten Triebwagen zu verhindern.

Die Ursache des Brandes wird von der Bundespolizei noch untersucht, möglicherweise könnte das Feuer durch einen technischen Defekt entstanden sein. Auch die Höhe des Schadens war am Montag noch nicht genau zu beziffern. Er dürfte aber im siebenstelligen Bereich liegen.

Durch die Streckensperrung fielen bis zum Nachmittag zahlreiche Nahverkehrszüge aus. Thalys und Fernzüge wurden teilweise mit Verspätung über Mönchengladbach umgeleitet. Die Bahn setzte Gelenkbusse ein, um die durch die Havarie entstandene Netzlücke zu überbrücken.

Erst nachdem der ausgebrannte Zug abgeschleppt und die demolierte Oberleitung wieder repariert war, konnte die Strecke zwischen Stolberg und Aachen gegen 15 Uhr wieder freigegeben werden, in Gegenrichtung dauerte es noch etwa eineinhalb Stunden länger.

Rollstuhlfahrerin herausgehoben

Meike Muskatewitz stieg war am Montag um 10.10 Uhr in Stolberg-Rathaus in den Regional-Express RE 20 nach Aachen eingetiegen. Die 18-jährige Auszubildende zur Hotelfachfrau wollte einen Arzttermin in Aachen wahrnehmen. In Stolberg-Hauptbahnhof wurde ein zweiter Triebwagen angekoppelt, alles ganz normal. Bis kurz vor Rothe Erde, wo der Nahverkehrszug eine Vollbremsung machte. Weil es stark stank und weißer Qualm eindrang, bat sie einen Mitpassagier, ein Fenster zu öffnen.

Da sei auch schon die Zugführerin gekommen und habe den Zug mit einem Kollegen evakuiert: „Der Rauch wurde immer schwärzer.“ Es sei gar nicht so leicht gewesen, rauszukommen, schließlich habe die Regionalbahn auf freier Strecke gestanden. Die Stufen waren nicht ausgefahren, so dass die 60 Fahrgäste auf das etwa ein Meter tiefer gelegene Gleisbett springen mussten.

Gegenseitig habe man sich geholfen, berichten auch fünf Zehntklässler der Amos-Comenius- Schule aus Eschweiler und Weisweiler, die ebenfalls vom weißen Qualm berichten, der durch die Fenster eingedrungen sei: „Wir wurden alle zügig rausgeholt.“

Mit vereinten Kräften wurde auch eine Rollstuhlfahrerin herausgehoben, die mit ihrem Begleiter eine Freundin an der Schanz besuchen wollte. „Die Leute waren super hilfsbereit.“ Auf die Frage, ob sie schon einmal etwas Schlimmeres erlebt habe, schüttelt sie allerdings den Kopf.

Auch Isabella Kulik (26), die mit ihren kleinen Kindern Nathan und Nicole zum Shoppen nach Aachen wollte, berichtet von großem Mitgefühl: „Uns ist mit dem Kinderwagen ganz viel geholfen worden.“ Auch draußen war Unterstützung notwendig, schließlich hatte der Zug auf freier Strecke gehalten, ein Gleisbett und eine Böschung mussten überwunden werden, wobei die Mitarbeiter der angrenzenden Firma Strang tatkräftig Hand anlegten.

Nach zehn Minuten etwa habe der Triebwagen in hellen Flammen gestanden, berichten die Geretteten weiter. Zu dieser Zeit standen die Evakuierten schon an der Ecke Zehnthofweg/Rödgerheidweg in Eilendorf, wo fünf von ihnen von einem Notarzt untersucht wurden. Eine Frau und ein Mann wurden mit Verdacht auf Rauchvergiftung vorsorglich ins Krankenhaus gebracht. Der Mann wurde wieder entlassen, die Frau blieb zur Beobachtung eine Nacht dort.

Bevor sie per Bus zum Hauptbahnhof gebracht wurden, wurden die Gestrandeten in einer nahe gelegenen Gaststätte mit einem Getränk versorgt, auf Kosten der Deutschen Bahn. Die Meinungen über das einschneidende Ereignis gingen durchaus auseinander. Der 25-jährige Sardat Lababidi, aus Eschweiler unterwegs nach Aachen, meinte: „Es war wirklich knapp.“ Der Rentner Pierre Hames, der mit seiner Frau Verwandte in Stolberg besucht hatte und auf der Rückfahrt nach Luxemburg war, gab sich cool: „Das haben wir gelassen genommen, wie es kam.“

Leo Graf, der Einsatzleiter der Feuerwehr, vermutet an Ort und Stelle, dass der Brand vom Schaltkasten ausgegangen ist: „Ich musste meine Jungs erst einmal zurückhalten, bis der Strom abgeschaltet war – nicht nur von der Oberleitung, sondern auch der Batterien in den Triebwagen.“

Um 10.46 Uhr war der Alarm bei der Wehr eingegangen, die Löscharbeiten inklusive der Suche nach Glutnestern zogen sich stundenlang hin. Am Ende konnte Graf aber beruhigt feststellen: „Es ist relativ glimpflich ausgegangen.“

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