Mutmaßlicher Kinderschänder bestreitet Vorwürfe

Von: ddp
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Angeklagte Kinderschänder Günter B
Der Angeklagte Günter B. sitzt im Landgericht in Mönchengladbach. Wegen mutmaßlichen sexuellen Missbrauchs von vier Mädchen muss sich der 59-Jähriger Mann verantworten. Foto: dpa

<b>Mönchengladbach. </B>Nach der Pannenserie bei der Mönchengladbacher Justiz hat am Montag der Prozess gegen einen der begünstigten mutmaßlichen Kinderschänder begonnen.

Beim Prozessauftakt am Mönchengladbacher Landgericht bestritt der Mann den Großteil der Vorwürfe - verstrickte sich dabei aber in Widersprüche.

Der 59-Jährige war wegen zu langer Verfahrensdauer vom Düsseldorfer Oberlandesgericht nach neun Monaten aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Das NRW-Justizministerium hatte daraufhin im Juli den Chef der Mönchengladbacher Staatsanwaltschaft versetzt - wenig später waren weitere Versäumnisse in der Behörde bekanntgeworden, von denen noch weitere mutmaßliche Kinderschänder profitierten.

Der 59-jährige Angeklagte soll von Mai 2006 bis August 2008 zwischen fünf und zwölf Jahre alte Mädchen aus der Nachbarschaft sexuell missbraucht haben. Doch Günter B. präsentiert sich am Montag dem Landgericht wortgewandt als Justiz- und Medienopfer, hält sich vor den Fotografen hinter einer Zeitung verborgen.

Nur eine der 19 angeklagten Taten räumte er ein - der Sex mit einer Elfjährigen war als Videodatei aufgezeichnet auf seinem Computer entdeckt worden. „Ich weiß auch nicht, wie es dazu kommen konnte.”

Der Angeklagte bestreitet sogar mit Inbrunst, pädophil zu sein. Kinderporno-Dateien habe er gegen seinen Willen zugeschickt bekommen, außerdem sei sein Computer von einem Hacker heimgesucht worden. Als ihn der Vorsitzende Richter Lothar Beckers darauf hinweist, dass er sich bei der Selbstbefriedigung beim Betrachten von Kinderpornos selbst gefilmt habe, ist der 59-Jährige nur für einen Moment sprachlos.

Günter B. zeigt keine Reue, dafür viel Selbstmitleid und ist auch nicht gewillt, mit einem umfassenden Geständnis den missbrauchten Mädchen die Aussage vor Gericht zu ersparen. „Da ist sehr, sehr viel reinmanipuliert worden in das Kind”, sagt der Mann mit Halbglatze und Bauchansatz. Vielleicht habe er mal ein Kind beim Abtrocknen mit einem Handtuch berührt.

Das Video lasse sich nicht wegdiskutieren, räumt der Mediengestalter ein, um es sogleich zu relativieren: „Das kommt auf dem Video so rüber, als hätte ich Sex gewollt - wollte ich aber gar nicht.” Ein Penisring habe dies sogar verhindern sollen, behauptet er. Dabei ist auf dem 40-minütigen Video zu hören, dass er den Ring dem kleinen Mädchen als Erektionshilfe erläutert.

Außerdem ist zu hören, wie der kinderliebe Nachbar von dem Mädchen in Vulgärsprache ausdrücklich Geschlechtsverkehr will. Das alles wirke auch nicht wie ein einmaliger Unfall, sondern vorbereitet und routiniert, sagt Richter Beckers. Der Sohn des Angeklagten habe ausgesagt, dass Wohnzimmer sei etwa 30 Mal abgeschlossen und die Tür mit Decken abgehängt gewesen.

Nach weiteren wortreichen Ausflüchten und Relativierungen des Angeklagten zieht der Staatsanwalt plötzlich einen Trumpf aus dem Ärmel: Als Günter B., der an einem geheimen Ort lebt, noch mal beteuert, ihm sei nur ein einmaliger Ausrutscher unterlaufen, eröffnet er dem Angeklagten, dass es gelungen sei, auf seiner Festplatte eine zweite Filmsequenz zu rekonstruieren, die gelöscht worden war. Inhalt: Ein weiterer Missbrauchsfall mit dem Angeklagten in der Hauptrolle.

Daraufhin stoppt der Verteidiger den Wortschwall seines Mandanten, der sich aber bereits um Kopf und Kragen geredet hat. Als das Gericht die Öffentlichkeit ausschließt, um das 40-minütige Video als Hauptbeweisstück zu zeigen, wischt sich der mutmaßliche Kinderschänder die Tränen aus den Augen - und schweigt.
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