Mussinghoff: „Ich bin erschüttert und bitte alle um Verzeihung”

Von: Jutta Katsaitis-Schmitz
Letzte Aktualisierung:
Heinrich Mussinghoff
Der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff hat in seiner Osterpredigt die Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester um Verzeihung gebeten. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Ein stürmischer Wind fegte am Ostersamstagabend über den Domhof und trieb die sprühenden Funken des Osterfeuers umher. Es hatte etwas Symbolisches, ist doch die katholische Kirche an sich derzeit durch die bekannt gewordenen Missbrauchsfälle einem eisigen Wind ausgesetzt.

Im Verlauf der Osternachtsfeier nahm Bischof Heinrich Mussinghoff in seiner Predigt dazu Stellung. „Ich und wir alle leiden als Kirche unter der Last der schrecklichen Verbrechen, die Priester auch unseres Bistums durch sexuellen Missbrauch Kindern und deren Familien angetan haben. Ich bin erschüttert und bitte alle um Verzeihung für das, was Priester unseres Bistums an schwerem Schaden und seelischem Leid Kindern und Familien angetan haben. Wir sorgen für vollständige Aufklärung solcher Taten und bestrafen die schuldig gewordenen Täter. Sie können nicht mehr als Priester in der Seelsorge tätig sein. Wir arbeiten mit den zuständigen Behörden zusammen. Wir kümmern uns um Opfer und bieten menschliche, therapeutische und pastorale Hilfen an. Ich bitte Sie alle um der Liebe Christi Willen, Wege der Versöhnung zu gehen, Wunden zu verbinden und das helfende und heilende Wort Jesu zu hören”, so der Bischof wörtlich.

Der Osterliturgie entsprechend, war die Osterkerze im Domhof vom Bischof gesegnet und mit fünf Wachsnägeln versehen worden, die die Wundmale Jesu versinnbildlichen. Dann wurde sie am Osterfeuer entzündet und, wegen der Restaurierungsarbeiten, diesmal durch die Nikolauskapelle in den nachtdunklen Dom getragen. An drei Stationen hieß es: „Lumen Christi - deo gratias” („Licht Christi - Dank sei Gott”), während Licht für Licht entzündet wurde und die Dommosaike im flackernden Kerzenschein erstrahlten. Etwa 800 Gläubige nahmen an der Auferstehungsfeier teil, die Bischof Mussinghoff mit acht Geistlichen des Domkapitels konzelebrierte.

„Dies ist die Nacht, in der Jesus die Ketten des Todes zerbrach”, verkündete Domvikar Wilhelm Derichs von der Heinrichskanzel. Noch immer war der Kirchenraum abgedunkelt und die Kirchenlieder wurden a-cappella gesungen. Erst beim Gloria erstrahlte der Dom in vollem Licht, die zwölf Ministranten ließen die Schellen scheppern und majestätisch vereinten sich die Dombläser mit dem Orgelspiel von KMD Domorganist Norbert Richtsteig zu sinfonischen Klängen.

Mit dem Satz „Die Liturgie der Osternacht ist der längste und feierlichste Gottesdienst im Jahr. Texte, Symbole und Musik verbinden sich zu einem Werk religiöser Kunst” leitete Mussinghoff seine Predigt ein. Das Licht der Osterkerze sei ein Zeichen für Christus selbst, und aus der Sicht christlichen Glaubens sei die Weltgeschichte durch ein beständiges Ringen zwischen dem göttlichen Licht und der Finsternis des Bösen gekennzeichnet. Immer wieder aber werde das Licht im Lauf der Geschichte stärker sein, als die Kräfte der Finsternis.

Nach der Weihe des Taufwassers und der Erneuerung des Taufversprechens, dem Bösen zu widersagen, wurde in den Fürbitten auch derer gedacht, die gewaltsamen Übergriffen ausgeliefert waren. Bereits in der Karfreitagsliturgie hatte Weihbischof Karl Borsch im Dom die Kinder und Jugendlichen in eine Fürbitte eingeschlossen, die in der Kirche Opfer sexuellen Missbrauchs geworden sind.
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