„Muslimische Wunderwaffe“ mit Witz

Von: Julia Wäschenbach
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Studierte in Aachen, lernte dort Armin Laschet kennen und will jetzt für die CDU in den Bundestag: Cemile Giousouf.

Hagen/Aachen. „Jetzt kommt gleich der Höhepunkt“, sagt Cemile Giousouf und lächelt. Kurz darauf erklimmt das Hohenlimburger Akkordeonorchester die Bühne des CDU-Sommerfestes in Hagen. Die 35-Jährige setzt sich mit einem alkoholfreien Caipirinha auf eine der Bierbänke und pustet sich den nussbraunen Pony aus dem Gesicht. Endlich sitzen.

„Es sind schon lange Tage im Moment“, sagt sie. „Und es macht richtig Spaß, denn jeder Tag ist anders.“

Erst vor kurzem ist die Muslimin aus der Studentenstadt Aachen in das nordrhein-westfälische Sorgenkind Hagen gezogen. Hohe Arbeitslosigkeit, hohe Schulden: Eingequetscht zwischen Ruhrgebiet und Sauerland, hat die Stadt eine Reihe von Problemen. Eins ist, dass die Ur-Hagener und die Migranten noch nicht genug miteinander reden. Und da kommt Cemile Giousouf ins Spiel: Für die CDU soll sie nun als erste türkischstämmige Abgeordnete der Partei nach der Wahl im September in den Bundestag einziehen.

Nach Giousoufs Kandidatur im Wahlkreis 138 Hagen-Ennepe-Ruhr-Kreis I hat der Moscheeverein zum ersten Mal einen Stand beim Sommerfest. „Da gehen derzeit ein paar Türen auf“, glaubt Giousouf. Güldane Sarac reicht türkische Pizza und Hefeteilchen über die Theke und sagt: „Wir sind stolz darauf, dass jemand von uns für die CDU kandidiert.“

Die Stammwähler der CDU sind für die quirlige Giousouf nicht gar so leicht einzunehmen. „Es gibt Strömungen, die ganz großen Wert auf die christliche Orientierung legen“, sagt Willi Strüwer, so etwas wie die gute Seele des Ortsverbands. Aber er ist sicher: Deren Herz wird Giousouf auch noch erobern. „Sie ist ein Musterbeispiel dafür, wie sich unsere Gesellschaft verändern kann.“ Kritikern begegne sie „immer fair, immer offen, immer lächelnd“. Das Akkordeonorchester spielt Elvis’ „It‘s now or never“, wie passend.

Danach muss Giousouf noch einmal auf die Bühne. Morgens zur Begrüßung waren 30 Leute da, jetzt sind es mehrere hundert. Die Sonne guckt aus den Wolken, Cemile Giousouf sagt: „Ich habe in den letzten Wochen immer meinen Teller leer gegessen“, kleiner Witz. Auf den Bierbänken sind die Hagener nun ins Gespräch vertieft.

Wenn sie Leute ansprechen, erzählt Giousouf ihnen, wie sie zur CDU gekommen („über das Deutsch-Türkische Forum“) und warum sie geblieben ist: „Die Partei passt vom Profil zu mir. Auch die Tatsache, dass Religion in der CDU einen Stellenwert hat, ist mir wichtig.“ In einer Partei, „die sich eher areligiös präsentiert“, wäre ihr nicht wohl.

Medien hatten die nur 1,57 Meter große Kandidatin unter anderem als „muslimische Wunderwaffe“ betitelt. Giousouf lacht und vergräbt ihr Gesicht hinter den Händen. Das Thema Integration habe die CDU lange nicht im Blick gehabt. Mit ihr, deren Familie zur türkischen Minderheit in Griechenland gehörte, soll sich das ändern. „Ich würde mir wünschen, dass ich für junge Menschen ein Vorbild sein könnte.“

Nach ihrer Ankunft in Deutschland brachten Giousoufs Eltern sich und ihren kleinen Sohn als Fabrikarbeiter durch. Tochter Cemile kam später in Leverkusen zur Welt. In ihrer Familie war sie dann die Erste, die je studiert hat. Während des Studiums zieht sie nach Aachen, lernt Armin Laschet kennen, der dort CDU-Kreischef ist. Später wird sie unter ihm Referentin im NRW-Integrationsministerium.

Nach Hagen kam Giousouf unverhofft, als die CDU dort keinen Kandidaten finden konnte. Als Direktkandidatin muss sie gegen den SPD-Bundestagsmann René Röspel ran. Echte Chancen hat sie über die Landesliste: Die CDU hat sie mit Platz 25 ausgestattet, und wird genau wissen warum.

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