Mordprozess nach 30 Jahren Ungewissheit

Von: Birgit Reichert, dpa
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Ein Foto von Lolita Brieger zu
Ein Foto von Lolita Brieger zum Zeitpunkt ihres Verschwindens vor fast 30 Jahren. Ihre Leiche wurde 2011 auf einer Müllkippe gefunden.

Frauenkron/Trier. Das Warten war das Schlimmste. Darauf, dass die Leiche ihrer Tochter Lolita endlich gefunden wird - und dass sich ihr Schicksal aufklärt. Fast 30 Jahre musste Hildegard Brieger aushalten, bis die sterblichen Überreste ihrer Tochter im Oktober 2011 auf einer früheren Müllhalde im nordrhein-westfälischen Frauenkron bei Dahlem entdeckt wurden.

Und 80 Jahre alt musste sie werden, bis der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder nun am 6. März vor dem Landgericht Trier beginnt. „Endlich ist es soweit”, sagt Brieger in Frauenkron. „Wir haben viel gelitten und leiden immer noch. Unsere ganze Familie ist daran kaputtgegangen.”

Nach dem Verschwinden ihrer Tochter im November 1982 habe sie rasch gespürt, dass Lolita tot sei. „Ich habe gewusst, dass sie nicht mehr lebt.” Aber die Ungewissheit darüber, wo sie war, sei „nicht zu verkraften” gewesen. „Wir haben gesucht und gesucht, aber nichts gefunden.”

Früh fiel bei ihr, wie auch bei der Polizei, der Verdacht auf den nun angeklagten Landwirt aus Scheid. Der heute 50-Jährige war der Freund der 18-jährigen Lolita - und Vater des noch ungeborenen Kindes. Aber trotz Vernehmungen der Polizei konnte dem Eifeler damals nichts nachgewiesen werden.

Nun gibt es eine Leiche und die Aussage eines Zeugen, der dem Landwirt bei der Beseitigung der Toten geholfen haben will. Der Zeuge hatte sich nach der Ausstrahlung des Falls im August 2011 in der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst” gemeldet.

„Wir hoffen, dass der (mutmaßliche) Täter lebenslang bekommt”, sagt Brieger, die im Mordprozess mit einer Schwester von Lolita als Nebenklägerin auftritt. Die Anklage wirft dem 50-Jährigen vor, Lolita in einem Schuppen mit einem Eisendraht erdrosselt und ihre Leiche auf der damaligen Mülldeponie vergraben zu haben.

Mutter Brieger sagt, sie könne nur zur Ruhe kommen, wenn der Mann endlich bestraft werde. „Ich träume immer noch von Lolita.” Eine Erleichterung sei für sie die Beerdigung von Lolitas Überresten gewesen. „Sie ist jetzt beim Grab ihres Vaters beigesetzt”, sagt Brieger, die noch fünf Kinder hat. „Es ist beruhigend, dass man jetzt weiß, wo sie ist.” Brieger ist am 22. März vor Gericht als Zeugin geladen.

Im Fall der vermissten Trierer Studentin Tanja Gräff dagegen warten die Eltern immer noch auf Aufklärung. Im Juni ist es fünf Jahre her, dass die 21-Jährige nach einem Fest an der Fachhochschule spurlos verschwunden ist. Die Polizei geht davon aus, dass Tanja Opfer eines Gewaltverbrechens geworden ist. „Es lässt einem keine Ruhe”, sagt Vater Karl-Hans Gräff in Korlingen. Jeden Abend sitze er in Tanjas Zimmer und zünde Kerzen an. „Es ist mein größter Wunsch, endlich die Wahrheit zu erfahren.”
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