Aachen/Wassenberg - Mordfall Wassenberg: Das Rätsel der zwei Millionen

Mordfall Wassenberg: Das Rätsel der zwei Millionen

Von: Wolfgang Schumacher
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Der Hauptangeklagte Janosch Wolfgang S. beim Betreten des Saals im Aachener Landgericht. Foto: dpa

Aachen/Wassenberg. Im Verfahren gegen drei Männer aus Wassenberg, Wegberg und Krefeld wegen Mordes, versuchten Mordes und schwerer Körperverletzung an den Brüdern Markus und Michael D. sagten am Dienstag vor dem Aachener Schwurgericht die in der Nähe von Bonn lebenden Eltern der Opfer aus.

Wie es zu der Tragödie am Abend des 21. Oktober 2012 rund um das Vermögen der wohlhabenden Eltern und des überlebenden Sohnes, des Wassenberger Arzt Michael D. (51), kommen konnte, sollte an diesem achten Verhandlungstag tiefer beleuchtet werden. Doch das Gericht versuchte vor allem den verloren gegangen Vermögenswerten nachzuspüren, die sich laut der von Staatsanwalt Sebastian Muhl vertretenen Anklage um rund zwei Millionen Euro belaufen.

„Ich kann nicht glauben, dass Sie so viel Geld einfach im Schließfach liegen lassen, da bringt es doch keine Zinsen“, wandte der Vorsitzende Richter Arno Bormann bei der Vernehmung des 84-jährigen Günther D. und seiner Ehefrau Katharina D. (77) ein.

Doch die geistig offenbar hellwachen älteren Herrschaften blieben eisern dabei: Die Teile ihres „immer legalen“ Geldes, die der Angeklagte - der wegen Betruges einschlägig vorbestrafte Janosch S. (66) - von ihnen ohne jede Quittung in bar bekommen hatte, seien bis dato im Schließfach gut aufgehoben gewesen. Andere Teile hätte das Ehepaar in Aktien oder Anleihen angelegt.

Die Banken würden zurzeit doch nur unter einem Prozent Zinsen zahlen. Und der 84-jährige Vater hatte zuvor genau geschildert, wie das Ehepaar ein Leben lang jede mögliche Mark, jeden Euro beiseite gelegt hatte. Ungerührt fuhr der Richter fort, über die zinslichen Vorzüge von sogenanntem Tagesgeld zu sprechen - das hätte doch auf die Jahre erkleckliche Sümmchen mehr eingebracht. Die 77-Jährige zuckte letztlich resigniert mit den Schultern: „Da haben Sie wohl recht.“

Das unsagbare Leid, das über die ganze Familie gekommen war, trat an diesem Verhandlungstag in den Hintergrund. „Wir haben schließlich einen Sohn verloren“, murmelte die Mutter leise. Wie es dazu gekommen war, können sie sich bis heute kaum erklären. Ihr Sohn Günter D. galt eigentlich als ein Mann, der bestens mit Geld und Besitz umgehen konnte.

Janosch S. hätte ein unglaubliches Talent, „die Leute für sich einzunehmen“, berichtete Günter D. dem Gericht. S. habe ihm weisgemacht, sein Geld mit 14 Prozent verzinsen und sicher anlegen zu können. „Der hatte Bündel mit Bargeld in der weiten Hose“, erinnerte er sich an ein Treffen im Wegberger Hotel „Sternzeit“. 2009 war S. als Patient von „meinem Arztsohn“ aufgetaucht, sagte der Vater. Der Arzt war begeistert – so nahm das Schicksal seinen Lauf.

Der Prozess geht am Donnerstag weiter.

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