Mord von Wassenberg: Angeklagter war bereits verurteilt

Von: Wolfgang Schumacher
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Der Hauptangeklagte Janosch Wolfgang S. beim Betreten des Saals im Aachener Landgericht. Foto: dpa
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Auf einen Parkplatz in Wassenberg sollen die Angeschuldigten ihr Opfer am Abend des 21. Oktober 2012 nach den bisherigen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Aachen gelockt haben. Foto: Georg Schmitz

Aachen/Mönchengladbach. In der Verhandlung des Wassenberger Mordfalls vor dem Aachener Schwurgericht beschrieb am Dienstag minutiös einer der ermittelnden Kripobeamten, wie es nach der Entdeckung der Leiche im November 2012 im Fall des versuchten und des vollbrachten Mordes an zwei Brüdern weiterging.

Denn der Leichnam des jüngeren Bruders Markus D., der 46 Jahre alt war, als ihn das Trio am Abend des 21. Oktober mit schweren Steinschlägen auf den Kopf umbrachte, war vom Tatort auf einem Wassenberger Waldparkplatz beinahe 100 Meter weit in eine Bauruine geschleift worden. Die beiden Helfer des Haupttäters Janosch Wolfgang S. (66) packten beherzt mit an und zogen den stark aus einer Kopfwunde blutenden Mann über Stock und Stein, bis sie ihn unter einem halb eingestürzten Dach ablegten.

Die entstandene Blutspur war gewaltig, zog sich unübersehbar über einen Weg und endete im Unterholz. Sie erregte nach einiger Zeit die Aufmerksamkeit „jagdberechtigter Personen“, wie es der Kripomann schilderte. Die Jäger, darunter auch der Inhaber des dortigen Jagdreviers, Franz-Werner von N., dachten zunächst an einen Fall von Wilderei. Sie vermuteten, dass die Wilderer ihre Beute ins Unterholz gezogen hatten.

Schlossbesitzer von N. berichtete im Zeugenstand, wie er die Spur weiterverfolgte und in der nahen Bauruine nachschauen wollte - „da stand ich plötzlich unmittelbar vor einer Leiche. Und das Schlimme ist, ich hätte ihr fast auf den Kopf getreten“.

Nach der schrecklichen Entdeckung nahmen die polizelichen Ermittlungen ihren Lauf und führten schließlich zu den drei Mord-Angeklagten. Zwei davon, Norbert D. (44) und Frankie G. (37), standen „nur“ in Diensten des Haupttäters S., der bis heute eisern zu den Vorwürfen schweigt.

Janosch Wolfgang S. (66) ist zweifellos die Zentralfigur in diesem mörderischen Betrugskrimi. Seit 2009 profilierte er sich als Freund der Familie. Mit seinen wüsten Rendite-Versprechungen soll er das überlebende Opfer des Mordkomplotts, den Wassenberger Arzt Michael D. (51) und seine in Bonn lebenden Eltern um etwa zwei Millionen Euro betrogen haben.

Dabei konnte Familie D. wohl nicht wissen, dass der auch heute wieder wegen schweren Betruges angeklagte S. bereits 1993, damals erst 46 Jahre alt, wegen noch weitreichenderer Betrugsdelikte unter dem Namen Janosch F. angeklagt war. Vom Mönchengladbacher Landgericht wurde er zu zwölf Jahren Haft verurteilt - eine sehr hohe strafrechtliche „Hausnummer“ bei Betrugstaten.

Die Mönchengladbacher Staatsanwaltschaft bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung, dass es sich nach den Akten heute wie damals dabei um denselben Täter handelt. Damals betätigte sich Janosch F. laut einem „Spiegel“-Bericht von 1992 gemeinsam mit seinem Vater W. quasi als Privatbankier für die weitverzweigten Sinti- und Roma-Familien in Deutschland und Europa. Das Ergebnis: Auch das Geld von „10.000 bis 15.000 Sinti und Roma“ wie auch von anderen Anlegern war letztlich weg, schrieb „Der Spiegel“. Insgesamt handelte es sich um die stattliche Summe von 20 Millionen D-Mark.

F. arbeitete auch dort mit fantasievollen Tricks. Beispielsweise sagte er nach Angaben des Magazins, er sammele Geld für UNO-Projekte, die Sinti und Roma zugute kämen - oder er habe satte Renditen versprochen. Auch damals sammelte er das Geld offenbar ohne jede Sicherheit der Anleger - nur auf Handschlag, so wie auch bei den jetzigen Opfern.

Doch den Wassenberger Arzt und seinen Bruder wollte er anscheinend aus Furcht vor neuerlicher Entdeckung endgültig aus dem Weg räumen.

So lockte das Trio nach der bereits gelungenen ersten Tat auch Michael D. in unwegsames Gelände nahe des bereits in Holland liegenden Örtchens Maria Hoop. Dies gelang mit Hilfe des Versprechens, Michael D. bekäme Teile des Geldes zurück.

Wie der Kripobeamte dem Schwurgericht die Aussage des überlebenden Opfers schilderte: Als D. in den ominösen Geldkoffer schaute, lagen dort nur Ziegelsteine. Als der Arzt sich beschwerte, wurde ihm ein neuer Koffer in die Hand gedrückt, diesmal angeblich mit dem Geld darin. Sofort darauf habe das Opfer von hinten einen „Schlag auf den Kopf von einer unglaublichen Wucht bekommen“, schilderte der Beamte die Situation  im dunklen Wald.

Michael D. konnte sich trotz schwerer Kopfverletzungen mit einer beherzten Flucht durch den Wald und angrenzende Maisfelder retten.

Der Prozess geht am Donnerstag vor dem Aachener Schwurgericht weiter.

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