Mord an Augenarzt: Bewährung für Waffenverkäufer

Von: Marlon Gego
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leiche immerath
Tod auf offenem Feld: Die Spurensicherung untersucht den Fundort der Leiche des Augenarztes Udo Schmitz auf einem Acker bei Immerath. Foto: Peter Kerkhoff

Mönchengladbach. Unter dem Eindruck des ungeklärten Mordfalls am Heinsberger Augenarzt Udo Schmitz ist Fraktionsvorsitzende der Linken im Rat der Stadt Hückelhoven, Manfred H., zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden, weil er Maschinenpistolen gekauft hatte.

Viel gesprochen hat Manfred H. in den vergangenen zwei Jahren nicht mehr. Nicht im Rat der Stadt Hückelhoven, in dem er der Fraktion der Linken vorsitzt, auch nicht am Montag vor dem Amtsgericht Mönchengladbach, das ihn wegen illegalen Waffenbesitzes, Waffenhandels und dem Bau einer Bombe zu einer Strafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt hat. „Herr H.”, sagte Richter Bernd Rosocha während der Urteilsverkündung, „es ist nicht zu begreifen, was Sie angesichts Ihrer verantwortungsvollen öffentlichen Position getan haben.” H. (57) saß blass und eingefallen neben seinem Verteidiger, er nickte und schwieg.

Der Prozess gegen H. und vier weitere Männer aus dem Kreis Heinsberg ging nach nur einem Verhandlungstag zu Ende, alle Angeklagten legten umfangreiche Geständnisse ab und bestätigten damit die Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft. Diskussionen und eingehende Befragungen brauchte es kaum mehr. H. hatte drei Männer in die Beschaffung einer britischen Maschinenpistole aus dem Zweiten Weltkrieg involviert, die er im Auftrag des Heinsberger Augenarztes Udo Schmitz gekauft hatte. Am 9. Januar 2010 wurde Schmitz mit eben dieser Waffe ermordet.

Einen vierten und einen fünften Mann, der am Montag nicht vor Gericht erschien und bald möglicherweise mit Haftbefehl gesucht werden muss, beauftragte H. damit, in einer Geilenkirchener Werkstatt versteckte illegale Waffen verschwinden zu lassen, als die Polizei am 14. Januar 2010 sein Haus in Hückelhoven durchsuchte. H. war der bislang einzige Tatverdächtige im bis heute ungeklärten Mordfall Udo Schmitz. Der Mönchengladbacher Oberstaatsanwalt Peter Aldenhoff stellte die Ermittlungen ohne Ergebnis ein - in Mordfällen eine seltene Ausnahme.

Richter Rosocha verurteilte die vier Männer zu Geldstrafen, H.s Freiheitsstrafe setzte er zur Bewährung aus. Außerdem verpflichtete er H. zu 200 Stunden Sozialarbeit. H. wird außerdem sein Mandat im Hückelhovener Stadtrat niederlegen müssen. Sein Verteidiger, Heribert Kayenburg aus Mönchengladbach, erklärte nach dem Prozess, dies sei „ein schwerer Schlag” für H., der sich bei der Kommunalwahl 2014 allerdings wieder zur Wahl stellen könne. Ob er das auch für die Linken tun kann, steht noch nicht fest. Die Hückelhovener Linke wollte sich am Montag nicht dazu äußern, in den nächsten Tagen wird es ein Gespräch mit dem Landesverband geben, der sich H. gegenüber während der vergangenen zwei Jahre überaus tolerant gezeigt hatte.

Der Maschinenschlosser H., der nach einem Herzinfarkt 1994 Frührentner ist, war bei den Heinsberger Sportschützen 1955 auch als Jugendtrainer tätig. Er habe vieles von dem missachtet, zu dem er die Jugendlichen immer ermahnt habe: vor allem den verantwortungsvollen Umgang mit Waffen. Dass er überdies noch andere in seine Taten hineingezogen habe, dafür schäme er sich, sagte H. leise.

Wie dem Ratsherrn H. dies alles habe passieren können, wollte der Richter wissen. Und H. antwortete: „Ich bin, auf Deutsch gesagt: ein Waffenfreak.”
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