Vaals - Momente der Stille hinter Klostermauern

WirHier Freisteller

Momente der Stille hinter Klostermauern

Von: Verena Müller
Letzte Aktualisierung:
klosterbugroß
Was den meisten verborgen bleibt, durfte Roderique Kohnen fotografieren: Benediktiner-Mönche im Kloster bei Vaals. Foto: Roderique Kohnen

Vaals. Roderique Kohnen sieht nicht gerade wie jemand aus, der zu den regelmäßigen Kirchgängern gehört oder gar Mönche als seine Freunde bezeichnen kann. Aber so ist es.

Er hat sich über ein Jahr tageweise im Kloster einquartiert und das Leben der Mönche in der Abtei St. Benediktusberg zu Mamelis bei Vaals fotografisch festgehalten. Nicht nur als Abschlussarbeit seines Kunststudiums, auch für sich selbst und für die Mönche. Er ist der erste, dem das gestattet wurde. Ein paar Dutzend Beispiele aus der Reihe sind jetzt in der Kopermolen in Vaals zu sehen.

Nicht gerade cool

Roderique Kohnen ist 26 Jahre alt und arbeitet seit ein paar Jahren als Kunstlehrer an zwei weiterführenden Schulen. In Jeans, Jacket und abgelaufenen Turnschuhen, mit den hochgegelten Haaren und einem schweren silbernen Armband am Handgelenk, wirkt er noch wie ein typischer niederländischer Student. Sportlich-lässig und aufgeschlossen.

„Als ich in der Pubertät war, bin ich auch nicht gerade damit hausieren gegangen, dass ich gläubig bin”, sagt er. Als Messdiener aktiv zu sein und zusammen mit anderen einen Kaplan auf Reisen zu begleiten, gehört wohl nicht unbedingt zu den coolsten Dingen, die man zwischen elf und 17 Jahren so machen kann.

Seine engeren Freunde hätten das schon gewusst, hätten es sogar gut gefunden, dass er morgens in die Kirche geht und abends mit ihnen auf Kneipentour. Bis 2000 die St.-Josefs-Kirche in Vaals geschlossen wurde und Kaplan Gero Weishaupt woanders eingesetzt wurde. Seinen „zweiten, geistigen Vater”, nennt Kohnen den Kaplan. „Was jetzt?”, habe er sich gefragt. In die St.-Pauls-Kirche wechseln, wo seine Eltern inzwischen in Kirchenvorstand und -chor aktiv waren, oder ins Kloster rüber fahren?

Er entschied sich fürs Kloster. Kurz darauf begann er, als Ehrenamtler in der dortigen Hostienbäckerei zu arbeiten, später half er in der Buchbinderei aus. Am Kloster, sagt Kohnen, schätze er die besondere Atmosphäre und die Gespräche mit den Mönchen. Über alltägliche Dinge, aber auch über Dinge, die ihn emotional bewegten.

Theologie habe er nie studieren wollen, auch Mönch wolle er sicher nicht werden. Das eine sei zu theorielastig, für das andere sei eine Berufung durch Gott notwendig. „Ich hab´ noch nichts gehört - aber vielleicht höre ich auch nicht gut genug hin”, sagt Kohnen. Er habe schon immer was mit den Händen machen wollen, Friseur sei sein erster Plan gewesen. Genau wie der Vater und der Großvater. Dann Architekt. Schließlich wurde es die Bildende Kunst.

Zum Studium gehörte eine Fotografie-Ausbildung. Dabei entstanden Kohnens erste Aufnahmen im Kloster. Die Abschlussarbeit sollte dann die Komponenten Fotografie, Grafik und Produktdesign enthalten. Daraus wurde ein Bildband mit Aufnahmen der Mönche bei der Arbeit, in der Messe, während der Tonsur oder im Porträt. „Das eigentlich Unsichtbare”, habe er festhalten wollen, nämlich, wie das strikte Lebensmuster die tägliche Arbeit beeinflusst. Das Ergebnis ist beeindruckend. Ehrfurcht, Ernsthaftigkeit und fast meditative Konzentration strahlen die in den Fotos festgehaltenen Männer aus. Ein Band befindet sich sogar im Besitz des Papstes.

Inzwischen sei er nicht mehr so oft zu Besuch im Kloster, sagt Kohnen. Zu viel zu tun. „Aber ich merke schon: Es wird wieder Zeit”, räumt er ein. Um Ruhe zu finden.

„Mensch - Mönch - Mamelis” ist noch bis zum 16. Mai in der Kopermolen Vaals, Von Clermontplein 11, zu sehen. Öffnungszeiten: Di bis So von 11 bis 17 Uhr. Eintritt: 1,50 Euro.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert