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Mit dem E-Roller auf Streife im Flughafen

Von: Frank Christiansen
Letzte Aktualisierung:
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Einsatz auf zwei Rädern: Björn Kircher und Maleike Weber von der Bundespolizei auf Streife in Düsseldorf auf dem Flughafen. Foto: dpa

Düsseldorf. Die Passanten staunen, manche schauen skeptisch und schütteln den Kopf, wenn Maleike Weber (33) an ihnen vorbeisaust. Ohrenbetäubend dröhnt ein Martinshorn durch die Abflughalle des Düsseldorfer Flughafens, ein Blaulicht zuckt.

Seit Freitag setzt die Bundespolizei auf ein neues Streifen-Fahrzeug. Die Polizei-Obermeisterin ist im Dienste der Luftsicherheit auf einem Elektro-Roller unterwegs.

Für eine bundesweite Probephase kurven vier der je 8000 Euro teuren Roller rund um die Uhr durch die weitläufigen Terminals. Die Zweiräder der Firma Segway balancieren 100 Mal pro Sekunde das Gleichgewicht aus. Die Beamten bremsen und beschleunigen durch Gewichtsverlagerung: „Das Auf- und Absteigen ist schwerer als das Fahren.” Sie haben eine Reichweite von 36 Kilometern, bevor sie zum Aufladen an die Steckdose müssen.

Die saarländische Polizei hat errechnet, dass sich die Präsenz der Polizisten durch die ungewöhnlichen Gefährte verdreifacht. Ob sich Terroristen durch die wendigen Vehikel abschrecken lassen, scheint dennoch eher fraglich. Einem Gepäckdieb kann Beamtin Weber aber immerhin mit vier PS und Tempo 20 hinterherjagen.

Außerdem haben die Beamten von ihrem 20 Zentimeter hohen Podest einen etwas besseren Überblick - auch wenn sich damit das Chaos am Münchner Flughafen vor wenigen Tagen nicht hätte verhindern lassen, wie die Beamten zugeben. Aber der Einsatzradius erweitere sich im Vergleich zu einer Fußstreife enorm. Bei einer Verfolgung darf der Roller seit vergangenem Jahr auch im Straßenverkehr mitmischen - aber an einer Treppe ist Schluss. Ein Funkschloss verriegelt dann das Gefährt.

Anfangs sei die Skepsis auch unter den Beamten groß gewesen, sagt Polizeisprecher Achim Berkenkötter: „Wie sieht das denn aus?”, habe es geheißen. Inzwischen aber reißen sich seine Kollegen um eine Einweisung: „Das ist super, macht Spaß”, grinst ein Beamter. Die größte Gefahr seien im Airport vor allem tief hängende Schilder: „Da könnte der eigene Kopf dran glauben.”

Die Reisenden scheinen von den Streifenfahrten noch nicht überzeugt: „Jetzt werden die Polizisten noch dicker”, schimpft einer. Das stimme so nicht, kontert der Projektleiter: „Nach einigen Stunden Fahrt kann man sogar Muskelkater haben.” Außerdem haben die patentierten Roller, in der Straßenverkehrsordnung als „elektronische Mobilitätshilfe” be- zeichnet, eine Gewichtsbeschränkung: „Bei 105 Kilo ist Schluss.”

In einem halben Jahr zieht die Bundespolizei Bilanz und entscheidet über den Einsatz auch an weiteren Flughäfen. Segway-Vertriebsleiter Hannes Buttmann ist optimistisch: „Am Flughafen von Washington sind schon 50 Stück im Einsatz.”
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