Mit Bild aus dem Facebook-Profil in die Mühlen der Justiz

Von: Ulrich Simons und Dieter Sieckmeyer
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Freund und Helfer: Facebook bewährt sich zunehmend auch im Einsatz bei Polizei und Ordnungsämtern. Foto: stock/Jochen Tack

Düsseldorf. Auf kuriose Weise ist die Düsseldorfer Juristin Con­stanze Gutzeit in die Mühlen der Justiz geraten. Bei der Suche nach einer Verkehrssünderin, die im Januar auf der A44 mit 111 statt der erlaubten 80 km/h geblitzt worden war, war ein eifriger Mitarbeiter des Ordnungsamtes auf sie gestoßen. Konsequenz: Ein Bußgeldbescheid über 132 Euro und drei Punkte in Flensburg.

Die 29-Jährige fiel aus allen Wolken, weil sie für die „Tatzeit“ ein Alibi hat: Sie war auf der Probe mit ihrer Band. Die Frau auf dem Foto aus der Radarfalle hatte sie auch noch nie gesehen.

Im Visier des Ordnungsamtes landete sie über ihren Eintrag im sozialen Netzwerk Facebook. Der Sachbearbeiter hat­te entdeckt, dass der Sohn der Fahrzeughalterin unter seinen Facebook-Freunden die Juristin hatte, und die sah der Dame auf dem Foto aus der Radarfalle ähnlich. Das reichte. Die Sache kam vor Gericht.

Sebastian Veelken, stellvertretender Leiter des Düsseldorfer Ordnungsamtes, wollte auf Anfrage unserer Zeitung das laufende Verfahren nicht kommentieren. Er bestätigte aber, dass die Facebook-Recherche inzwischen zum Standardprozedere seines Amtes gehöre. Schließlich sei das viel einfacher als bei Unklarheiten einen Kollegen zum Hausbesuch beim Fahrzeughalter zu entsenden.

In Aachen recherchiere das Ordnungsamt zwar im Internet, nutze allerdings nicht Facebook zum Bildabgleich, sagt Pressesprecher Hans Poth, schloss aber nicht aus: „Das kann ja noch kommen.“ Auch in Heinsberg ist Facebook (noch) kein Thema. Stattdessen schaue der mobile Messtrupp bei Bedarf auf dem Weg zur nächsten Radarfalle einfach mit dem Foto beim Delinquenten vorbei, berichtet Sprecher Ulrich Hollwitz.

„Facebook ist für uns ein Hilfsmittel, wenn der Außendienst nicht weiterkommt“, sagt Karl-Heinz Abels, Leiter des Dürener Ordnungsamtes. Allerdings gehe man dabei nicht so weit, „die ganze Familie auf links zu drehen“.

Die Verhandlung gegen Constanze Gutzeit endete ohne Ergebnis. Ein Gutachter soll jetzt klären, ob sie wirklich die Frau auf dem Foto ist.

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