Mit Alkuin durch Aachens Gassen

Von: Sabine Rother
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Verstehen sich hervorragend: Dompropst Manfred von Holtum mit seinem sechs Monate jungen Labrador-Retriever Alkuin. Schon früh morgens wandern beide durch die Stadt. Foto: Sabine Mathieu

Aachen. Nach 17 Jahren im Amt des Generalvikars wird Manfred von Holtum am Sonntag mit einem Pontifikalamt um 10 Uhr von Bischof Heinrich Mussinghoff ins Amt als neuer Dompropst eingeführt. Parallel zum neuen Amt gibt es auch in seinem Privatleben eine Neuerung: Manfred von Holtum ist auf den Hund gekommen – nicht erst seit heute, denn in Kempen am Niederrhein war Rauhaardackel Koki an seiner Seite, doch das ist lange her.

Nun ist der schwarz glänzende, sechs Monate junge Labrador-Retriever Alkuin in von Holtums gemütliches Haus neben der Domschatzkammer eingezogen. Er ist ein Geschenk, das sich von Holtum kurz nach seinem 70. Geburtstag selbst gegönnt hat.

Im Parterre steht Alkuins geräumiges modernes Hundehaus. Aber wenn der Weg nicht durch eine große Pappe versperrt ist, flitzt er auch gern ins Obergeschoss, wo er schon weiß, wie man die Stehlampe anmacht und etwas aus dem Regal zerrt. Seitdem sind hier die Zimmertüren gut verschlossen. „Da muss ich noch sehr aufpassen“, sagt von Holtum, denn Alkuin liebt Bücher – allerdings zum spielerischen Zerfetzen. Am Donnerstag besuchte der jugendlich-stürmische Hund immerhin schon den Priesterrat. Ins Büro geht er ohnehin täglich, wenn Herrchen nicht irgendwo auf Reisen ist. Im Kreuzgang war er bereits, aber in den Dom darf er nicht. „Dann könnte man das auch anderen Hundehaltern nicht verwehren“, meint von Holtum. Mit Dackelhündin Koki war das damals noch anders. Sie kam regelmäßig mit in die Kempener Kirche St. Josef.

Der historische Name

Für den Hundenamen stand Alkuin, der Gelehrte aus York, Pate, den Karl der Große im Jahr 782 an seinen Hof geholt hatte, um das Bildungswesen zu reformieren. Der Angelsachse war der wichtigste Berater des Franken und Förderer der „Karolingischen Renaissance“. Seit 2010 gibt es die Alkuin-Stiftung zur Förderung des sängerischen Nachwuchses an der Domsingschule – als nun ein Hund namens Alkuin die Kinder besuchte, gab es natürlich ein großes Hallo. „Alle wollten ihn streicheln, ein großer Spaß für Alkuin“, sagt von Holtum.

Etwas nachdenklich reagierte der Aachener Historiker Max Kerner auf die Namenswahl, was von Holtum amüsiert: „Ich hätte den Hund ja auch Max nennen können“, sagt er zum Stirnrunzeln des Karolinger-Experten. „Alkuin gehört außerdem zu einem A-Wurf, also zum ersten Wurf der Hündin. Da passt der Name besonders gut.“ Täglich gegen sechs Uhr früh ist Gassi-Zeit. Manfred von Holtum, der Frühaufsteher, wandert dann hellwach und mit flottem Schritt eine Dreiviertelstunde lang durch die stillen Straßen der Innenstadt, damit Alkuin Bewegung und nicht zuletzt Gelegenheit hat, sein „Geschäft“ zu machen. Die notwendigen Tütchen hat Herrchen zur Sicherheit in der Tasche. „Die Tütenspender im Elisengarten sind leider meistens leer, ich habe darüber schon mit Oberbürgermeister Marcel Philipp gesprochen“, berichtet von Holtum.

Seit man ihm bei einer Herz-Operation vier Bypässe legen musste, achtet er ganz besonders auf gesunde Bewegung als Ausgleich zu den zahlreichen Sitzungen. Er geht entspannt in sein neues Amt, dem er sich nach elf Jahren als Domkapitular längst nahe fühlt.

Alkuin geht schon (fast) bei Fuß, allerdings gibt es auf dem Bürgersteig extrem viele interessante Spuren für die Hundenase, die er nur ungern verpasst. In der Hundeschule ernten er und sein Herrchen zwar Lob für deutliche Fortschritte, aber ein bisschen muss am Gehorsam noch gearbeitet werden, schließlich ist der Labrador-Retriever mit seinen sechs Monaten ein Hundekind. Als eine Schulstunde anstand, meinte sogar Bischof Mussinghoff verständnisvoll: „Wenn man sich Kinder anschafft, muss man sie auch erziehen...“

Wie von Holtum überhaupt auf die Idee kam, sich den Hund jetzt anzuschaffen? Ganz einfach: Er hatte gehört, dass man im Aachener Kloster der Elisabethinnen von Hündin Hannah einen Wurf erwartete. „Als die Welpen geboren waren, sah ich sie mir an. Der einzige, der spontan auf mich zulief, war Alkuin.“ Inzwischen hat sich der zukünftige Dompropst eine Küchenwaage zugelegt, um alles richtig zu machen. „Als ich den Hund abholte, gab man mir in einer Plastikdose eine Tagesration für ihn mit – ich dachte, es wäre eine einzige Portion und gab ihm alles auf einmal.“ Der Hundebauch war ein bisschen zu voll – aber Alkuin hat es überstanden. Jetzt erhält er morgens und mittags 100 Gramm Hundefutter, abends 120 Gramm und über den Tag verteilt maximal 50 Gramm Leckerlis – sagt Herrchen.

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