Wuppertal/Velbert - Misshandelt und in den Gully gesteckt: Prozess beginnt Mittwoch

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Misshandelt und in den Gully gesteckt: Prozess beginnt Mittwoch

Von: Markus Peters, ddp
Letzte Aktualisierung:
Kassandra/ Gully
In der Nacht zum 15. September hat ein Suchhund der Polizei Kassandra in einem verschlossenen Kanalschacht in rund 1,50 Meter Tiefe gefunden. Foto: ddp

Wuppertal/Velbert. Geschlagen, misshandelt und dann zum Sterben in einen Kanalschacht gestopft: Nur knapp hatte die damals neunjährige Kassandra aus Velbert-Neviges (Nordrhein-Westfalen) im vergangenen Herbst diese Tortur überlebt.

Ab Mittwoch steht ein 15-jähriger Förderschüler wegen dieses Verbrechens vor der 3. Großen Strafkammer des Landgerichts Wuppertal. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord vor. Der Jugendliche bestreitet die Tat.

Die Grundschülerin hatte am 14. September 2009 den Nachmittag in einem katholischen Jugendtreff in Velbert-Neviges verbracht. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft wurde das Mädchen von dem Jugendlichen am Abend nach ihrer Schulaufgabenbetreuung abgepasst und schwer misshandelt. Dabei soll er dem Kind mit einem Stein ins Gesicht geschlagen und es lebensgefährlich verletzt haben.

Schließlich soll der Angeklagte das Mädchen in den Schacht eines Abwasserkanals gesteckt und den Schacht mit einem schweren Kanaldeckel verschlossen haben. Dieser Schacht wurde zudem mit Ästen abgedeckt. Die Staatsanwaltschaft wertet das Vorgehen als versuchten Mord, um die vorher begangene Körperverletzung zu verdecken.

Als Kassandra nicht zum vereinbarten Zeitpunkt nach Hause kam, starteten ihre Angehörigen eine Suchaktion. Erst in der Nacht, über sieben Stunden nach dem Verbrechen, fand ein Suchhund Kassandra in dem Kanalschacht in rund 1,50 Meter Tiefe. Das Mädchen schwebte nicht nur wegen seiner Kopfverletzungen in akuter Lebensgefahr. Aufgrund von starken Regenfällen stieg das Wasser im Kanalschacht an, womöglich wäre sie in dem Gully ertrunken.

Kassandra wurde in ein Krankenhaus eingeliefert und in ein künstliches Koma versetzt. Die Ärzte diagnostizierten ein Schädel-Hirn-Trauma sowie innere Bauchverletzungen. Hinweise auf einen sexuellen Missbrauch fanden sich nicht. Erst nach einigen Tagen war ihr Zustand stabil.

Eine 20-köpfige Mordkommission suchte mit Unterstützung des Landeskriminalamts nach dem Täter. Dabei geriet der Angeklagte früh in das Visier der Ermittler. Er kannte das Mädchen von dem gemeinsam besuchten Jugendtreff und war mit Kassandras Geschwistern befreundet.

Der 15-Jährige kommt aus geordneten Verhältnissen und besucht eine Förderschule für kommunikations- und emotional gestörte Kinder. Nach Angaben der Polizei war er schon seit seiner Grundschulzeit als verhaltensauffällig bekannt. Im Jugendtreff interessierte er sich immer auffallend für die Gruppe mit sechs- bis zwölfjährigen Kindern, die er wiederholt schikaniert haben soll. Auch zum Tatzeitpunkt wollen ihn Zeugen in der Einrichtung gesehen haben.

Belastet wird er zudem durch Faserspuren an der blutverschmierten Jacke Kassandras und einem von der Polizei nicht näher bezeichneten Tatwerkzeug.

Der in Untersuchungshaft sitzende Angeklagte bestreitet die Tat. Auch seine Rechtsanwältin hegt nach eigenen Angaben „große Zweifel” an der Täterschaft ihres Mandanten. Die von der Polizei vorgelegten belastenden Faserspuren könnten durch eine sogenannte Spurenübertragung erklärbar sein. Auch seien die Aussagen von anderen Kindern, die ihren Mandanten belasteten, überbewertet worden. Mehrere von ihr initiierte Haftprüfungstermine blieben allerdings erfolglos.

Der Prozess findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, da der Beschuldigte minderjährig ist. Das Urteil soll am 23. Juni verkündet werden.
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