Aachen - Missbrauchsvorwürfe gegen ehemaligen Religionslehrer

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Missbrauchsvorwürfe gegen ehemaligen Religionslehrer

Von: gei
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Erneut werden Missbrauchsvorwürfe gegen einen - bereits verstorbenen - katholischen Geistlichen erhoben. Ehemalige Schüler der David-Hansemann-Schule werfen ihrem früheren Religionslehrer, dem Pfarrer Karl S., vor, sie regelmäßig geprügelt zu haben.

Der Pfarrer sei dabei stets nach einem festen Ritual vorgegangen, nach Überzeugung der Schüler hatten die Schläge einen eindeutig sexuellen Hintergrund.

Bei den von fünf ehemaligen Schülern geschilderten Vorfällen handelt es sich um Übergriffe in den 1960er Jahren. Der Beschuldigte war insgesamt 30 Jahre lang als Lehrer an der Realschule beschäftigt, die damals eine reine Jungenschule war. 1977 ging er in Pension, 1998 ist er gestorben.

Laut Aussagen der Schüler habe der Pfarrer, der später auch zum Monsignore ernannt wurde, regelmäßig einen Raum reserviert, in den er nach Unterrichtsende einzelne Schüler beorderte. „Nach der sechsten in Raum drei”, sei unter den Schülern ein stehender Ausdruck für einen immergleichen Vorgang gewesen.

Karl S. habe zunächst sehr liebevoll und einfühlsam den betreffenden Jungen in den Arm genommen und ihm dann erklärt, dass er eine Strafe verdient habe. Er habe dann den Kopf des Jungen zwischen seine Beine genommen und mit voller Kraft auf das Gesäß geschlagen. Häufig hatte er den Kindern die Hose runtergezogen. Anschließend sei er wieder sehr zärtlich und liebevoll gewesen. Auffallend sei stets der stark errötete Kopf des Lehrers gewesen, der von den Betroffenen heute als Zeichen für seine sexuelle Erregung gedeutet wird.

Man habe sich unwohl in seinem Beisein gefühlt, berichten die Betroffenen, die längst auf die 60 zugehen. Das meiste aus der Schulzeit hätten sie vergessen - „nur das nicht, es war widerlich und erniedrigend”. Bis heute hätten sie das Bedürfnis, ihrem ehemaligen Religionslehrer „etwas heimzuzahlen”. Das Schlimmste: Weder vom Rektor noch von den eigenen Eltern hätte man Hilfe erwarten können. „Eher wären wir nochmals geschlagen worden.”

Prägend sind die Erfahrungen für sie bis heute. Der Amtskirche stehen sie längst kritisch gegenüber: Der Zölibat sorge in ihren Augen für eine problematische „sexuelle Vorauslese” beim Personal, glauben sie. Die Kirche ziehe dadurch Verklemmte, Pädophile oder Homosexuelle geradezu an.

An der David-Hansemann-Realschule gibt es keine Erkenntnisse über die Vergehen von damals. Für den heutigen Schulleiter Hanno Bennemann ist der Name Karl S. kein Begriff. „Wir haben ja nichts mehr mit der Schule von damals zu tun”, sagt er. Erst durch die Schilderung von Ehemaligen ist er auf die Vorfälle hingewiesen worden.

Von den Vorwürfen hat das Bistum laut Sprecher Josef Heinrichs aktuell erst durch eine Anfrage der „Nachrichten” erfahren. Man prüfe noch, ob es früher bereits Hinweise auf Übergriffe von Karl S. gegeben habe. Die Betroffenen werden aufgefordert, sich mit dem Missbrauchsbeauftragten des Bistums, Hans-Willi Winden, Telefon 02151/56 13 94, in Verbindung zu setzen.
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