Missbrauch: Pfarrer Bayer beschuldigt

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
St Severin Aachen
Der ehemalige Pfarrer Josef Bayer, der von 1959 bis 1973 in St. Severin in Aachen (Bild) tätig war, wird des Missbrauchs beschuldigt. Foto: Michael Jaspers

Aachen/Nideggen. Über einen mutmaßlichen Fall sexuellen Missbrauchs hat Generalvikar Manfred von Holtum in einem Brief die Eilendorfer Gemeinde St. Severin informiert. Beschuldigt wird Pfarrer Josef Bayer, der dort von 1959 bis 1973 Pfarrer gewesen und im Jahr 1984 verstorben ist.

„Ich möchte Sie darüber informieren, dass im vergangenen Jahr gegen den verstorbenen Pfarrer Josef Bayer der Vorwurf eines mehrfachen sexuellen Missbrauchs an einem Jugendlichen Anfang der sechziger Jahre erhoben worden ist”, teilte von Holtum mit. „Mit seinem Tod im Jahr 1984 ist es unmöglich geworden, den Vorwurf einer Untersuchung zuzuführen, die den eindeutigen Nachweis seiner Schuld erbringen könnte”, schränkte der Generalvikar ein.

Gleichwohl wird dem Opfer einer große Glaubwürdigkeit bescheinigt. Es übte offenbar erheblichen Druck auf die Bistumsspitze aus, bis diese sich zur Veröffentlichung des Falls entschloss. Generalvikar Manfred von Holtum richtete sich an die Eilendorfer Pfarrmitglieder: „So wie die Vorfälle auch den Verantwortlichen Ihrer Gemeinde geschildert worden sind, sind sie beschämend und bedrückend. Sie machen mich sprachlos. Ich fühle mit dem Betroffenen, dem sich leider erst nach Jahrzehnten die Möglichkeit geboten hat, den Vorwurf öffentlich zu machen.”

Weil die Vorfälle der Bistumsspitze in den 60er Jahren nicht bekannt waren, wurde damals keine Straf- oder Disziplinarverfahren eingeleitet. Somit steht Pfarrer Bayer auch nicht auf der Liste mit acht katholischen Priestern des Aachener Bistums, die zwischen 1953 und 2003 wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger verurteilt wurden.

Von Holtum betonte, dass das Opfer die Veröffentlichung dieses jüngsten Falls eingefordert habe. „Für ihn ist die Information der Gemeindeöffentlichkeit ein teil der Aufarbeitung der geschilderten Vorfälle; er hat ihr inzwischen ausdrücklich zugestimmt”, erklärte der Generalvikar.

Pfarrer Josef Bayer war im September 1973 in St. Severin aus dem aktiven Priesterdienst verabschiedet worden. Zuvor war er viele Jahre im Eifelort Schmidt tätig, wo er sich aufopferungsvoll beim Wiederaufbau der dortigen Kirche, die im Volksmund St. Mokka hieß, engagiert hatte.

Bei seiner Verabschiedung galt Pfarrer Bayer als vorbildlicher geistlicher mit makelloser Weste, dem seine Gemeinde nur Gutes zu verdanken hatte. „Er war stets bemüht, uns allen ein guter Vater, Freund und Helfer in mancherlei Nöten zu sein”, hatte damals der Pfarrgemeinderat formuliert. Dieses Bild hat sich nun - 38 Jahre nach seiner Verabschiedung - grundlegend geändert.
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