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Missbrauch im Bistum Aachen wird offengelegt

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Die neue Gangart dürfte über die Region hinaus Spuren hinterlassen: Bei der Aufarbeitung zahlloser Missbrauchsskandale, die seit Wochen die katholische Kirche erschüttern, wagt Aachens Bischof Heinrich Mussinghoff jetzt einen deutschlandweit richtungsweisenden Vorstoß.

Zum ersten Mal in seiner Geschichte legt das Bistum eine Aufstellung sämtlicher aktenkundiger Fälle vor, in denen Priester als Kinderschänder überführt wurden. Demnach wurden zwischen 1953 und 2003 acht Priester strafrechtlich belangt, weil sie Minderjährige sexuell missbraucht hatten.

Hiesige Gerichte verhängten bei sechs Geistlichen Haftstrafen von bis zu vier Jahren. Ein Pfarrer konnte sich nach der Begleichung eines Strafbefehls ins Ausland absetzen. Im achten Fall wurde das Verfahren gegen Geldbuße eingestellt. Die Namen der rechtskräftig verurteilten Priester liegen unserer Zeitung vor.

Bischof Mussinghoff versicherte zudem, dass jeder neue Verdacht eines Missbrauchsvergehens an Kindern und Jugendlichen nach Bekanntwerden konsequent aufgegriffen wird. Täter ziehe man „unabhängig vom Ansehen der Person mit allen Mitteln kirchlichen und staatlichen Rechts zur Rechenschaft” und verweigere diesen seelsorgerische Aufträge. „Soweit es in meinen Möglichkeiten steht, will ich dazu beitragen, verlorenes Zutrauen und Glaubwürdigkeit wiederzugewinnen”, sagte der Bischof.

Zum Osterwochenende äußert sich Mussinghoff in den Gemeinden erstmals in einem Offenen Brief zur Missbrauchsthematik. Darin übt er auch Selbstkritik: „Wir müssen überdies erkennen und bekennen, dass im Umgang mit bekanntgewordenen Fällen in der Vergangenheit falsche Rücksichten auf die Täter und das Ansehen der Kirche genommen wurden und die Opfer vernachlässigt worden sind.”

Der jüngste Fall, in den die Staatsanwaltschaft Anfang dieser Woche eingeschaltet wurde, betrifft einen Pfarrer eines ehemaligen Kinderheims im Kreis Aachen. Eine Zwischenbilanz der aktuellen Missbrauchsermittlungen will das Bistum bereits Mitte April vorlegen.
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