Aachen - Missbrauch: Bistum entkräftet verheerenden Verdacht

Missbrauch: Bistum entkräftet verheerenden Verdacht

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
Bischof Heinrich Mussinghoff
Ermittlungen in einem Missbrauchsfall verschleppt? Eine Opferinitiative fordert jetzt den Rücktritt von Aachens Bischof Heinrich Mussinghoff. Foto: Robert Esser

Aachen. Der bundesweite Eindruck war verheerend. Vorveröffentlichungen aus einem aktuellen „Spiegel”-Artikel erweckten seit dem Wochenende den zumindest missverständlichen Eindruck, im Bistum Aachen gebe es einen neuen, bislang nicht verfolgten Missbrauchsverdachtsfall.

Erst am Montag bestätigte das Generalvikariat einen anderslautenden Bericht unserer Zeitung, der klarstellte, dass der beschuldigte Priester Georg K. bereits seit Monaten in Südafrika auf seinen Prozess wartet.

Bistumssprecher Franz Kretschmann stellte klar, dass Vertuschungsvorwürfe der „Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen” haltlos seien.

Rücktrittsforderungen an die Adresse von Bischof Heinrich Mussinghoff wies das Generalvikariat als völlig unbegründet zurück. „Der bischöfliche Missbrauchsbeauftragte geht gewissenhaft und konsequent jedem Missbrauchsverdacht nach”, sagte Kretschmann. „Dies geschieht in einem offenen Verfahren, in dem frühzeitig die staatlichen Ermittlungsbehörden einbezogen werden, wenn das Opfer dem zustimmt.”

Genau diese Bedingung sei bei dem Fall, den der Vorsitzende der Elterninitiative, Johannes Heibel, seinen Angriffen auf Mussinghoff zugrunde lege, nicht erfüllt gewesen.

Der Vater eines jetzt 19-jährigen mutmaßlichen Opfers, das als Kind und Jugendlicher bis 2007 von dem damals im Bistum eingesetzten Georg K. missbraucht worden sein soll, habe das Bistum nämlich bei einer ersten Kontaktaufnahme ausdrücklich um Stillschweigen gebeten.

Dieser Bitte sei man gefolgt - zumal Georg K. in Südafrika bereits der Prozess gemacht wird und diverse Vorwürfe aus seiner Zeit in der Aachener Diözese der hiesigen Staatsanwaltschaft vorliegen.

Trotzdem bedauert das Bistum jetzt, dass es nach dem Anruf des Vaters beim Personalreferenten im Januar 2010 zu keinem weiteren Kontakt gekommen ist.

Dem Ratschlag, sich an die Strafverfolgungsbehörden zu wenden, sei der Sohn zunächst offenbar nicht gefolgt. Inzwischen liegt eine Anzeige der Familie bei der Krefelder Staatsanwaltschaft vor.

„Die Aufklärung des benannten Verdachts ist wesentlich für die Einschätzung der Person des Pfarrers als Priester des Bistums Aachen und der gegebenenfalls daraus auf ihn hin zu ziehenden kirchlichen Konsequenzen”, betonte Kretschmann.

Bischof Mussinghoff hat den Missbrauchsbeauftragten Hans-Willi Winden inzwischen gebeten, der betroffenen Familie ein Gespräch anzubieten.
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