Krefeld - Mirco-Prozess: Ex-Frauen beschreiben Angeklagten als Familienmensch

Mirco-Prozess: Ex-Frauen beschreiben Angeklagten als Familienmensch

Von: dapd-nrw
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Fortsetzung des Prozesses um den Mord an Mirco (10) aus Grefrath
Eine Staatsanwältin hält Prozessakten zum Auftakt im Prozess um den Mord an dem zehnjährigen Mirco in einem Sitzungssaal des Landgerichtes in Krefeld. Foto: dpa

Krefeld. Als Familienmensch und treu sorgenden Ehemann haben am Freitag Zeugen den mutmaßlichen Mörder des zehnjährigen Mirco aus Grefrath (Kreis Viersen) beschrieben.

Die dritte Ehefrau des angeklagten Olaf H., die seit Juli von ihm geschieden ist, beschrieb ihren Ex-Mann vor dem Landgericht Krefeld als ruhig, ausgeglichen und immer hilfsbereit. Er sei ein „Familienmensch, für den die Familie das Ein und Alles ist”, sagte sie. Eine weitere Ex-Frau mutmaßte sogar, Olaf. H. wolle möglicherweise den wahren Täter decken.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 45 Jahre alten Familienvater Mord aus niederen Beweggründen und zur Verdeckung eines sexuellen Missbrauchs vor. Er soll Mirco am Abend des 3. September vergangenen Jahres abgefangen, sich an ihm vergangen und ihn dann getötet haben.

Für Kerstin H., die zweite Ex-Frau des Angeklagten, passen diese Vorwürfe jedoch nicht zur Persönlichkeit von Olaf H. „Er ist ein sehr liebenswürdiger Mensch”, sagte die 44-Jährige vor Gericht. Was ihm vorgeworfen werde „passt einfach nicht”. Auch die sexuelle Beziehung zwischen den beiden sei „völlig normal” gewesen - „nichts, was aus der Rolle fällt”. Sie habe sich sogar schon überlegt, ob er mit seinem Geständnis jemanden schützen wolle, sagte die Ex-Frau. Auf einem Rechner im Haus des Angeklagten waren während der Ermittlungen pornografische Bilder entdeckt worden, die einer seiner Söhne installiert haben soll.

Alle drei Ex-Frauen gaben an, sie hätten bei Olaf H. niemals Hinweise auf Pädophilie entdeckt. Auch Gewalt hätten sie von ihm nie erlebt. Die Gründe für die Trennungen seien andere gewesen - einmal Geld, einmal eine vermutete Beziehung zu einer anderen Frau.

Auch an dem vermeintlichen Tag des Verbrechens selbst, dem 3. September 2010, sei Olaf H. „ruhig, ausgeglichen” gewesen, „wie immer”, berichtete sein früherer Schwiegervater, der Vater seiner kürzlich von ihm geschiedenen dritten Frau. Olaf H. hatte ihn der Aussage zufolge damals nachmittags besucht, um ein technisches Problem in der Küche zu beheben.

Dass sein damaliger Schwiegersohn bei der Arbeit besonderen Stress gehabt habe, sei kein Thema gewesen, sagte der 68-Jährige. Allerdings habe er auch kaum über Berufliches mit ihm gesprochen. Anders als seine Frau: Die 58-Jährige kannte Olaf H. bereits seit über 20 Jahren von der Arbeit und war zeitweise seine Vorgesetzte. „Ich hatte nie den Eindruck, dass er mit seiner Arbeit nicht zurechtkommt”, sagte sie vor Gericht.

Ihre Tochter, Michaela H., die dritte Ex-Frau, sagte: „Er hat seinen Job gerne gemacht, aber es war schon teilweise recht stressig.” Viel gesprochen über den Job habe ihr damaliger Mann zu Hause jedoch nicht. Die Polizei war nach den ersten Verhören davon ausgegangen, dass Olaf H. Mirco tötete, weil er Stress bei der Arbeit gehabt und dafür ein Ventil gesucht habe.

Am Freitagnachmittag sollten Arbeitskollegen des Angeklagten als Zeugen verhört werden. Mit dem Urteil wird am 30. September gerechnet - gut ein Jahr nach Mircos Verschwinden.
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