Aachen - „Mineworks“: Aachener Kinofreak macht seinen Traum zum Beruf

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„Mineworks“: Aachener Kinofreak macht seinen Traum zum Beruf

Von: Eckhard Hoog
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Reportagen, Dokumentationen, Image- und Werbespots führen ihn rund um die Welt: Frank Mirbach. Foto: Mineworks
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An diesem Arbeitsplatz im Haus Goethestraße 5 in Aachen werden die Filme nachbearbeitet: Kevin Koch gehört zur achtköpfigen Kernmannschaft der Film- und Fernsehproduktion „Mineworks“ des Aacheners Frank Mirbach. Foto: Harald Krömer
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Gelegentlich dreht „Mineworks“ auch in der Jülicher Zitadelle: Zum Beispiel entstand hier 2010 die Science-Fiction-Satire „Real Buddy“. Foto: Mineworks

Aachen. Der Helikopter ist für Frank Mirbach so selbstverständlich wie für andere das Auto. An der Westküste Irlands flog er mit den Lebensrettern der Küstenwache die steilen Klippen der County Kerry entlang. Über den schneebedeckten Bergen der Rocky Mountains begleitete er Lawinenbekämpfer bei ihren waghalsigen Einsätzen mit Explosivstoffen.

In der Atacamawüste im Norden Chiles überflog er den trockensten Flecken Erde auf dem ganzen Globus bei Dreharbeiten für einen Werbespot. Mirbachs Arbeitsplatz: die Kufen des Hubschraubers. Sein Arbeitsgerät: eine digitale Kinokamera der Marke RED, der Porsche unter den Kameras. Ein Aachener über den Dächern der Welt.

Viele britische, italienische und amerikanische Hersteller nobler Marken, fast alle deutschen Sender – vom NDR bis zum ZDF, von Sat.1 bis zu Vox, und immer wieder Arte – beliefert er mit seinen spektakulären Bildern. Er ist Kameramann, Regisseur und Produzent, oft in einer Person. Sein Domizil: Goethestraße 5 in Aachen, das 1903 erbaute, „wunderschön sanierte“ (Mirbach) Haus der einstigen Bergbauschule.

„Mineworks“ – der Firmenname spielt auf die Vergangenheit des Gebäudes an. Dahinter verbirgt sich ein Unternehmen mit einer Kernmannschaft von acht Experten, das sich mit unterschiedlichsten Produktionen aus verschiedensten Bereichen erfolgreich im internationalen Film- und TV-Geschäft positioniert hat: Spiel- und Dokumentarfilme, Image- und Werbespots, Reportagefilme. Auf dem Weg dahin war das Technologiezentrum an der Jülicher Straße in Aachen ein entscheidendes Sprungbrett.

Selbstverständlich hockt Frank Mirbach nicht ständig auf Helikopterkufen – der Mythos vom filmemachenden Abenteurer stößt im ganz banalen Alltagsgeschäft an seine Grenzen. Und das heißt: „Ein unglaublicher Papierkram.“ Die Zusammenarbeit mit Fernsehsendern hat dem 47-Jährigen die grauen Schläfen beschert – zumindest glaubt er das. „Da erlebt man täglich neue Überraschungen“, sagt er. Mancher Sender wird permanent umstrukturiert – Ergebnis: „Was heute abgelehnt wird, kann morgen brandheiß sein.“ „Mineworks“, das ist vor allem auch eine Ideenschmiede für neue Fernsehproduktionen. Allerdings: „Von 100 angedachten Projekten werden allenfalls fünf realisiert.“

„Man muss extrem flexibel sein im Fernsehgeschäft“, umschreibt Mirbach den erlebten Dauerstress, den er aber wohl insgeheim gar nicht missen mag; immerhin hat er einen Traum zum Beruf gemacht. „Ich war immer schon ein Kinofreak“, erzählt er. Die James-Bond-Filme in einer Zeit, als über dem Bavaria-Kino in Aachen noch handgemalte Plakate hingen, sie weckten die Fantasie, Leidenschaft und Faszination des jungen Frank.

Eine Projektwoche am Anne-Frank-Gymnasium, die sich zu drei Monaten auswuchs, in denen er mit Mitschülern einen Agententhriller drehte – er als Kameramann –, gab dann endgültig den Ausschlag für den Berufswunsch. Nach dem Abitur klapperte er die Film- und TV-Produktionsfirmen in der Region ab, fasste zunächst Fuß als Praktikant bei der damaligen Firma AK Media an der Aachener Brabantstraße. Ende der 80er drehte er dann jede Menge Musikclips, die ihm gute Kontakte in die Branche brachten.

Zum endgültigen Sprung in die Film- und Fernsehindustrie setzte der Aachener im Jahr 1990 an, als er einen der ersten zehn Studienplätze der gerade in Köln gegründeten Academy of Media Arts – heute die Kunsthochschule für Medien Köln – ergattern konnte, als einer von tausend Bewerbern. Seine Lehrer damals: Peter F. Brinkmann, Dominik Graf und Alfred Biolek.

Der Autor und Filmregisseur Heinrich Breloer leitete ein Seminar „Sprache in den Medien“. Er gab 1992 den entscheidenden Anstoß, als ihm Mirbach und sein Studienkollege Jan Wentz ihren Film über den Cinedom Köln vorführten. Breloer, begeistert: „Den müsst ihr verkaufen.“ Mirbach heute: „Das war die Geburtsstunde unserer Firma“ – denn: Um einen Film verkaufen zu können, musste man ein Gewerbe anmelden.

Im Aachener Technologiezen-trum kamen Mirbach & Co. 1994 mit ihrem jungen Unternehmen unter. „Damals habe ich noch bei meinen Eltern gewohnt.“ Gleich der erste Auftrag des noch jungen Senders Viva brachte den Erfolg: Mirbach und Wentz sollten eine Band porträtieren. Im Backstage-Gewimmel kamen sie kaum an die Jungs heran. Mirbach: „In meiner Verzweiflung hielt ich die Kamera hoch über den Kopf.“ Bei seiner Größe von 1,93 Metern eine imposante Perspektive – der Viva-Chefredakteur war begeistert von dem unorthodoxen Stil. „Danach drehten wir unzählige Porträts und Konzerte – von den Toten Hosen bis Pink Floyd“.

Ein Anruf von Sat.1 führte schließlich zu einem Dauerauftrag für die Show von Margarete Schreinemakers, die in ihrer Sendung regelmäßig Filme zu ihren Themen einspielte. Mirbachs Arbeit zu einem Blutkonservenskandal stieß sogleich auf Begeisterung: „Von da an drehten wir für Schreinemakers regelmäßig Einspielfilme.“ In der Zeit war „Mineworks“ bereits in das „Medienzentrum an der Waschkaue“ in Aachen-Richterich umgezogen. „Seit 2003 sind wir jetzt hier an der Goethestraße.“

Industriefilme für internationale Kunden wie Philips, Volks- und Raiffeisenbanken, aber natürlich auch für viele lokale Unternehmen, Dokus für „Terra X“ (ZDF), „Welt der Wunder“ (RTL 2), „360 Grad Geo Reportage“ (Arte), „WunderWelten“, „Arte Entdeckungen“ (Arte), „Die Aufpasser“ (Pro7), „Abenteuer Leben – täglich wissen“ (Kabel1), „Welt der Wunder – Mystica“ (RTL), Reportagen und Dokumentationen wie „Snow Wars“ (NDR und Arte) über Lawinenbekämpfer in Kanada, gerade von einem britischen Verleiher weltweit im neuen Ultra HD Standard vertrieben, das sind die aktuellen Produktionsfelder von „Mineworks“.

Für das ZDF ist eine Doku über Indianer in den Florida-Everglades in Arbeit. Die leben dort in einem Reservat und haben innerhalb weniger Jahre aus einer Bingo-Bude ein milliardenschweres Casino-Imperium auf ihrem Gebiet aus dem Boden gestampft. Mirbach über die skurrile Szenerie, die er dort erlebte: „Der Stamm hat auf seinem Dach einen Helikopter stehen.“ Die Indianer kauften vor kurzem für knapp eine Milliarde US-Dollar die weltweite „Hard Rock“-Kette. In den Sümpfen fangen die Männer Alligatoren mit der Hand, gleichzeitig herrschen sie über ein Milliarden-Imperium – eine spannende Geschichte über eine unglaubliche kulturelle Diskrepanz.

„Uns öffnen sich Türen, hinter die man normalerweise nicht einmal blicken kann“, erklärt Mirbach die Faszination, die sein Beruf so ganz nebenher noch mit sich bringt. Dafür hat er auch so manche Kniggeregel im Umgang mit anderen Völkern gelernt. „Einem Indianerältesten muss man beim Handshake einen Lederbeutel mit Tabak in die Hand drücken“, erzählt er. Eine symbolische Geste, die wichtig ist, um seinen Respekt gegenüber dem Stammesweisen kundzutun.

Gelegentlich wird aber auch in der Eifel gedreht, in Kalterherberg, oder in Jülich, in der Zitadelle, und selbst im Aachener Wald. Wenn der aufwendigen Doku in British Columbia noch ein paar Szenen fehlen, dann zieht Frank Mirbach mit seinem Team schon mal Richtung Monschau: „Dann doubeln wir die Wälder der Rocky Mountains.“

Auch für die Schauspieler kann das eine ganz besondere Herausforderung darstellen. In „Der Fluch des Indianergoldes“ in der ZDF-Dokumentationsreihe „Jäger verlorener Schätze“ spielte der Aachener Schauspieler Karl Walter Sprungala den Goldsucher Jackson. Beim „Doubeln“ von British Columbia musste er durch die eiskalte Rur waten und nach Nuggets greifen – Kieselsteine, die die Requisite zu Hause mit Goldfarbe bemalt hatte. „Der Ärmste konnte am Ende seine Finger nicht mehr bewegen.“

Auch die Eyneburg in Kelmis, auch Emmaburg genannt, war bereits mehrfach Schauplatz für „Mineworks“-Produktionen, zum Beispiel für die vierteilige RTL-Dokumentationsreihe „Welt der Wunder – Mystica“ über Aberglaube und Gewalt, Geheimbünde und Magie in der Geschichte des Christentums. Dabei kam Regisseur Mirbach und seinen Darstellern die Jahreszeit mächtig in die Quere: Die Folge sollte eigentlich im Sommer spielen, gedreht wurde aber im Winter. „Wir hatten schon den ganzen Schnee mit einem Flammenwerfer beseitigt“, erinnert sich Mirbach, nicht so richtig amüsiert. „Da fing es plötzlich wieder kräftig an zu schneien.“ Und während die Schauspieler in eine nahe Kapelle flüchteten, saß Mirbach mit seinem Kameraassistenten hoch über der Eyneburg auf einem Kran. „Alle hatten uns einfach vergessen...“ Unzählige Anekdoten kann der Aachener Filmemacher zum Besten geben.

Eines ist für Frank Mirbach auf jeden Fall klar: Trotz internationaler Projekte will er mit seiner Firma weiter in Aachen bleiben: „Hier lebe ich mit meiner Familie, hier fühlen wir uns wohl.“ Und in Zeiten globaler Vernetzung spielt der Standort ohnehin keine so große Rolle mehr. Für einen Jetsetter wie ihn ist der nächste Flieger ja nicht weit.

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