Meisner entzieht schwulem Kritiker die Lehrerlaubnis

Von: dpa
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Köln. Der Kölner Erzbischof Joachim Meisner hat dem schwulen Theologen und kirchenkritischen Buchautor David Berger die Erlaubnis zum Religionsunterricht entzogen.

Der Kardinal begründete dies am Donnerstag mit Bergers öffentlichen Äußerungen und Publikationen, die sein Vertrauen zu ihm zerstört hätten.

„Es ist der Gesamteindruck”, sagte Meisners Sprecher Christoph Heckeley. „Bei jedem anderen Arbeitgeber würde das auch zu Konsequenzen führen. Das wäre wie wenn ein Bankgestellter öffentlich sagen würde: „Rechnen kann ich nicht so gut, und mit den Abrechnungen nehm ichs auch nicht so genau.” Der hätte auch ein Problem mit seinen Vorgesetzten.”

Bergers Schulleiter, Hermann Hammes-Therre vom städtischen Ville-Gymnasium in Erftstadt (Rhein-Erft-Kreis), bezeichnete die Abberufung in der „Frankfurter Rundschau” (Freitag) als „ein Unding mitten im Schuljahr”. Berger selbst sagte in der „FR”, der Entzug sei „ein schwerer Schlag gegen den Frieden innerhalb des Erzbistums sowie überhaupt der Seelsorge im Erzbistum”.

Berger hatte in seinem Buch „Der heilige Schein” schwere Vorwürfe gegen die katholische Kirche erhoben. Er sprach von einem „katholischen Dschihad”, der im „Kampf gegen die offene Gesellschaft in der Demokratie” auf ein großes Netzwerk bauen könne. Der Einfluss der Ultrakonservativen auf die ganze Kirche wachse.

Er selbst sei über Jahre Teil eines heuchlerischen Systems gewesen und habe viele Vorteile genossen, räumte der Gymnasiallehrer ein, der vorübergehend auch als Professor an der Päpstlichen Thomas-Akademie wirkte. Die Scheinheiligkeit und die Verteufelung der Homosexualität hätten ihn am Ende aber bewogen, einen Schlussstrich zu ziehen und seine sexuelle Veranlagung öffentlich zu machen.

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