Aachen - Mehr Menschlichkeit im Umgang mit Flüchtlingen

Mehr Menschlichkeit im Umgang mit Flüchtlingen

Von: Ulrich Simons
Letzte Aktualisierung:
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Rückblick: Im Januar hörte ein Fahrer eines Kühlanhängers Klopfgeräusche aus seinem tschechichen Kühl-Auflieger. Da er keinen Schlüssel für das Vorhängeschloss des Kühleranhängers hatte, rief er die Polizei. Die Beamten stießen auf 13 „blinde Passagiere“. Es waren Flüchtlinge aus dem Mittleren Osten fast jeden Alters. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die Aachener Bundespolizei geht beim Thema „unerlaubte Einreise“ in die Offensive. In einem breit aufgestellten Netzwerk aus Kirchen, Kommunen, Sozial- und Hilfsorganisationen wollen die Beamten, an der Spitze Polizeioberrat Martin Hartmann, Flüchtlingen helfen und künftig „Menschen, die Hilfe brauchen, von denen trennen, die kriminell sind“.

Die Zahlen in der Region kennen seit Jahren nur noch einen Trend. Zwischen 2011 und 2013 stieg die Zahl der illegal Einreisenden pro Jahr um rund 20 Prozent. Fast 2100 Flüchtlinge wurden nach Informationen unserer Zeitung alleine im Jahr 2013 im Zuständigkeitsbereich der Bundespolizeiinspektion Aachen aufgegriffen. Auffällig war der hohe Anteil unbegleiteter Kinder und Jugendlicher. Alleine im April dieses Jahres waren knapp 60 neue Fälle zu verzeichnen.

Die gut ausgebauten europaweiten Verkehrswege im Dreiländereck laden zur Einreise auf Straße und Schiene geradezu ein. Paris, Brüssel und Lüttich sind die Drehkreuze. „Einzelreisende“ kommen meist mit Bahn, auf den Autobahnen operieren professionelle Schleuser, nicht selten in Mafia-ähnlichen Strukturen.

„Die Krisenherde der Welt spiegeln sich in der Herkunft der Flüchtlinge wider“, sagt Polizeisprecher Knut Paul. Im Moment verzeichnen er und seine Kollegen einen verstärkten Zustrom von Menschen aus Mali, Syrien und Eritrea.

Ein dramatischer Vorfall im Januar war der Anlass für die Aktion gewesen: Im Gewerbepark Eschweiler hatte die Polizei 13 Flüchtlinge aus einem Kühltransporter befreit. Rund vier Stunden lang hatten die Menschen aus Syrien, dem Iran und Afghanistan bei zwei Grad ausgeharrt. Als die Atemluft knapp wurde, hatten sie schließlich aus ihrem Gefängnis die Polizei angerufen.

Wie sich herausstellte, hatte ein Schleuser die Gruppe im Fährhafen von Calais in den falschen Laster geschmuggelt und die Tür abgeschlossen. Ursprünglich wollten die 13 nach Großbritannien.

Die Polizei in Aachen nahm ihre Personalien auf und entließ sie mit der Weisung, sich innerhalb von acht Tagen bei der Aufnahmestelle in Dortmund zu melden. Dort wurden sie allerdings nie gesehen. Anschließend hatte sich die Bundespolizei harscher Kritik ausgesetzt gesehen.

Auch wenn rechtlich damals alles korrekt gelaufen sei, will die Bundespolizei künftig in dem neuen Netzwerk eine bessere Antwort auf die Frage finden: „Wie verfahren wir mit Menschen, die solche Schicksale hinter sich haben?“ Es beginnt mit ganz kleinen Dingen: So wollen Polizei und Hilfsorganisationen in einem ersten Schritt ihre Dolmetscher-Listen austauschen.

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