Aachen - Mehr Kirchensteuern

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Mehr Kirchensteuern

Von: Robert Esser
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Aachen. Himmlisch hoch ist der Geldsegen nicht mehr. Aber der verteufelt steile Sinkflug der Kirchensteuereinnahmen im Bistum Aachen ist nach Jahren - zumindest vorerst - beendet.

Überraschend viel, nämlich 195,2 Millionen Euro, kassierte das Generalvikariat 2011 von abgabepflichtigen Katholiken. 2010 waren es 193,06 Millionen. Der aktuelle Anstieg beträgt damit immerhin 1,08 Prozent, wie Finanzdirektor Joachim Eich auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte. „Das Ergebnis ist noch nicht endgültig, aber belastbar - und damit durchaus erfreulich”, sagte Eich.

Radikaler Umbau

Am 23. März will der Finanzdirektor dem Kirchensteuerrat die Budgetplanung 2012 vorlegen. Bis dahin wird vor allem errechnet, welcher Spielraum im Budget - inklusive weiterer Erlöse und öffentlicher Zuschüsse - nach dem Abzug der Kosten bleibt. Noch im November hatte das Bistum 35 Millionen Euro des 36,8 Millionen starken Bilanzergebnisses 2010 in die zuvor aufgefressenen Rücklagen gesteckt.

„Ich erwarte auch diesmal wieder einen Überschuss - aber sicher nicht in der Höhe des Vorjahres”, erklärte Eich. Er wies darauf hin, dass man weiter Rücklagen auffüllen müsse - obwohl Prognosen aus 2009, man müsse sich auf Kirchensteuereinbrüche um bis zu 25 Prozent einstellen, bislang nicht eingetreten sind. „Wir dürfen nicht mehr in die Situation kommen, dass wir mit dem Rücken zur Wand stehen. Wir müssen zukunftssicher und nachhaltig arbeiten”, sagte Eich.

Noch vor zehn Jahren stand das Bistum tatsächlich kurz vor der Insolvenz. Und vor acht Jahren gab man noch 30 Millionen Euro mehr aus, als man auf der Einnahmenseite verbuchte. Seitdem haben Bischof Heinrich Mussinghoff und Generalvikar Manfred von Holtum radikal umgebaut. Mehr als 500 Pfarren wurden zu 368 verschmolzen, die wiederum in 71 Gemeinschaften von Gemeinden zusammengefasst sind. Hunderte Stellen wurden abgebaut, Zuweisungen gekürzt und die pastoralen Schwerpunkte fokussiert. Ohnehin zählt die hiesige Diözese nur noch 378 aktive Priester und Diakone. Überall wird der Gürtel enger geschnallt. Auch künftig. Bis 2016 sollen die Pfarren ihre Personalkosten noch einmal um zehn Prozent reduzieren.

Derweil schrumpft das Bistum mit seinen 1,1 Millionen Katholiken weiter. Rund 11.000 Gläubige verliert man pro Jahr, davon fast ein Drittel durch Kirchenaustritte. Auch deswegen erwartet Eich für das Jahr 2012 wieder ein Minus bei den Kirchensteuereinnahmen - diesmal in Höhe von etwa zwei Millionen Euro. Der Trend führt weiter bergab, wenn auch erheblich langsamer als befürchtet.
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