Medizintechnik, die wie angegossen passt

Von: Christina Diels
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Soll den Notarzt vor Ort nicht ersetzen, kann aber die Arbeit erleichtern: Am Dienstag fuhr am Aachener Super C ein Rettungswagen vor, der auch mit telemedizinischen Geräten ausgestattet ist. Foto: Andreas Herrmann, Peter Winandy
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Sagt, bei medizintechnischen Geräten gebe es ein riesiges Optimierungspotenzial: Thomas Schmitz-Rode.

Aachen. Eine künstliche Lunge, die einem Frühgeborenen wie auf den Leib geschneidert ist. Ein Monitor, der einen herzkranken Patienten die ganze Nacht individuell überwacht. Oder ein dünner Führungsdraht für eine Operation, der so beschaffen ist, dass der Operateur auf Röntgendurchleuchtung verzichten kann.

Das sind drei neuartige Produkte für eine medizinische Therapie, die herauskommen, wenn etwa 40 Partner aus Industrie und Wissenschaft der Aachener Region für das Projekt „innovating medical technology in.nrw“ („medtec-in.nrw“) etwa drei Jahre lang forschen und entwickeln. Und zwar an maßgeschneiderten medizintechnischen Lösungen für Herz-Kreislauf-Patienten. Gestern haben die Beteiligten um Sprecher Thomas Schmitz-Rode vor dem Gebäude Super C am Templergraben in Aachen die Ergebnisse der sechs Projekte vorgestellt.

Individuelle Lösungen sind angesagt. Nicht nur beim selbstgemischten Lieblingsmüsli oder selbstgebastelten Fotobuch. Auch in der Medizin, angepasst an die körperlichen Gegebenheiten und an den jeweiligen Krankheitsverlauf. „Wir wollen die Medizintechnik auf die Bedürfnisse der einzelnen Patienten maßschneidern“, sagt Thomas Schmitz-Rode, Direktor des Instituts für Angewandte Medizintechnik der RWTH. Bei den medizintechnischen Geräten gebe es ein riesiges Optimierungspotenzial.

Und zwar zwischen dem technischen System und dem betroffenen Organsystem im Körper. Das sieht auch Fridtjof Nüsslin von der Technischen Universität München so, der im Beirat des Konsortiums sitzt. „In Deutschland wird die Medizintechnik vernachlässigt“, sagt Nüsslin. Und da beeindruckt es ihn sehr, dass das Land NRW und die EU 13 Millionen Euro in das Forschungsvorhaben gesteckt haben.

Ein konkretes Ergebnis dieser Investition – mit vier Rädern in Neonorange – steht gestern vor dem Super C: ein Rettungswagen, ausgestattet mit Telemedizin. Ein Notarzt, der zum Beispiel in der Aachener Feuerwache Nord sitzt, kann sich per Videokamera an den Unglücksort schalten. Den Notarzt vor Ort kann er zwar nicht ersetzen, aber: „Das soll er aber auch gar nicht“, sagt Jörg Brokmann, Leiter der Notaufnahme am Aachener Klinikum. „Er soll nur das therapiefreie Intervall unterstützen, bis der Notarzt kommt und kann schon Medikationen und Maßnahmen anordnen.“

Daniel Wielpütz ist einer der Notärzte des Uniklinikums, die im Rettungswagen mitfahren. Und der Anästhesist sitzt auch auf der Feuerwache, als Telenotarzt am Bildschirm und kann auch von dort eingreifen. „Ein Rettungsassistent darf nur begrenzt agieren, aber wenn ich als Telenotarzt etwas anordne, ist das meine Verantwortung“, sagt Daniel Wielpütz.

Was noch an Technik im Rettungswagen steckt? Ein Kopfhörer, der mit einem Knopfdruck den Kontakt zum Telenotarzt herstellt. Ein Apparat, der Vitaldaten wie Blutdruck, Puls, EKG und Sauerstoffsättigung fast in Echtzeit an den Telenotarzt übermittelt. Und ein Drucker, der das Protokoll des Telenotarztes ausdruckt. So will man die Übergabe des Patienten an ein Krankenhaus optimieren.

Auch Ralf Quentin vom Medizintechnik-Unternehmen Vygon schaut sich den Rettungswagen an. Er hat in den vergangenen drei Jahren an einem anderen Projekt gearbeitet. „Wir können nicht für jeden Patienten ein eigenes System bauen“, sagt er. „Aber wir können es so bauen, dass wir es anpassen können.“

Ralf Quentins Unternehmen trägt dazu bei, bildgeführte Eingriffe zu verbessern. Dafür werde ein virtuelles Bild des Körpers über Computertomographie erzeugt. „Das ist wie eine 3-D-Landkarte des Körpers“, sagt er. Und die könne man nutzen, um zum Beispiel die kranke Stelle in der Leber eines Patienten zu finden. Ganz ohne Röntgenbild.

Es sind Ergebnisse wie diese, die Schmitz-Rode sichtlich stolz machen. Auch jetzt am Ende des Projekts und dem Ende der Förderung will er weitermachen. „In Eigenregie“, sagt er. Damit kleine und große Patienten profitieren. Zum Beispiel von der maßgeschneiderten künstlichen Lunge.

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