Resonanz auf den Karlspreis 2018 so groß wie seit Jahren nicht mehr

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Mediale Resonanz auf Karlspreisverleihung so groß wie seit Jahren nicht

Von: gego
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Emmanuel Macron hatte am Donnerstag in Aachen den Karlspreis erhalten. Foto: Krömer

Aachen. Das Medienecho auf die Karlspreisverleihung am Donnerstag war so groß wie lange nicht mehr, allein in Deutschland zählte die Stadt Aachen am Freitag mehr als 600 Berichte, wie das Presseamt mitteilte. Der Tenor in den deutschen Zeitungen war oft ein ähnlicher, Macron-Rede super, Merkel-Rede enttäuschend.

So schrieb zum Beispiel die „FAZ“: „Die Hoffnung der Veranstalter, (Merkel) werde in Aachen endlich eine umfassende und inhaltliche deutsche Antwort auf die europapolitischen Vorstellungen Macrons geben, erfüllte sich jedoch nicht.“

In den Sozialen Netzwerken wurde von vielen Lesern darüber gemeckert, dass Emmanuel Macron den Preis zum jetzigen Zeitpunkt kaum verdient habe. DieSüddeutsche Zeitung differenzierte: „Der französische Präsident Emmanuel Macron ist nun mit dem Karlspreis ausgezeichnet worden. Das ist kein Symbol europäischer Einigkeit, die manchmal so mahnend beschworen wird, dass sie wie verordnete Gleichförmigkeit klingt. Sondern die überfällige Erinnerung daran, dass Europa von seinen Unterschieden am Leben gehalten wird.“ Und stellt süffisant fest: „Ohne den Aachenern zu nahe treten zu wollen: Die 250.000-Einwohner-Stadt nimmt nicht nur geografisch eine periphere Position ein, sondern auch politisch.“

In derWelt hieß es: „Macron gab (...), vielleicht inspiriert durch eine sehr politische Messe im Aachener Dom und leicht benebelt vom süßlichen Weihrauch, eine Art empathisches Glaubensbekenntnis für Europa ab.

Die ZeitungLa Voix du Nord aus Lille merkte an: „Emmanuel Macron warb bei der Entgegennahme des Preises in Aachen für eine ‚europäische Souveränität‘. Er stellte die Frage, ob Europa weiter die Spiegelregeln der anderen und die Tyrannei der Ereignisse akzeptieren wolle. Oder ob die Europäer endlich dazu bereit seien, für sich selbst zu entscheiden. An die Adresse von Bundeskanzlerin Merkel mahnte Macron, die Reform der Eurozone zu beschleunigen. Noch stottert der deutsch-französische Motor bei seinem Neustart. Hoffentlich wird er nicht abgewürgt.“

„Macron wird in Europa wegen seiner Zukunftspläne für die Europäische Union bewundert“, vermerkt die polnische Gazeta Wyborcza: „Doch zugleich steht Macron im Kreise der führenden EU-Politiker recht einsam dar. Er wartet seit Monaten darauf, dass Berlin sich in Bezug auf das gemeinsame deutsch-französische EU-Reform-Projekt bewegt. Doch trotz Merkels Laudatio in Aachen für Macrons Visionen gibt es deutliche Signale, dass die Bundesregierung dafür keine großen Ambitionen hegt.“

In der mexikanischen Zeitung La Cronica de Hoy steht: „Macron fand bei der Entgegennahme des Karlspreises deutliche Worte. Unter anderem richtete er die Warnung an Europa, dass die USA kein vertrauenswürdiger Verbündeter mehr seien. Schuld daran ist die isolationistische und protektionistische Politik des republikanischen Präsidenten Donald Trump. Macron mahnte daher auch, der alte Kontinent dürfe sich nicht erpressen lassen.“

„Macron und Merkel waren kurz vor ihrem Zusammentreffen in Aachen beide zu Besuch bei US-Präsident Trump in Washington“, erinnert die spanische Zeitung El Pais: „Sie wollten ihn von der Notwendigkeit überzeugen, das Atomabkommen mit dem Iran aufrechtzuerhalten. Stattdessen hat Trump das Abkommen aufgekündigt und damit der transatlantischen Zusammenarbeit einen neuen Schlag versetzt. Entsprechend erklärte Merkel bei der Zeremonie in Aachen, Europa könne nicht mehr auf den Schutz der USA bauen. Diese Warnung hat einen ernsten Grund. Denn durch Trumps Außenpolitik steigt die Gefahr für einen Krieg vor der Haustüre Europas.“

Die slowakische ZeitungSME ruft“ die europäischen Staaten auf, sich auf die Seite Israels zu stellen: „Nach der militärischen Konfrontation zwischen Israel und dem Iran haben Frankreich und Deutschland den Aufruf zur Besonnenheit an beide Seiten gerichtet. Diese Reaktionen waren äußerst pharisäisch. Denn man hat nicht unterschieden zwischen dem demokratischen Israel und den islamistischen Tyrannen im Iran, die zu Israels Auslöschung aufrufen. Europa muss sich klar auf die Seite jenes Landes stellen, das die Sympathien Europas wirklich verdient.“

Der in Wien erscheinende Standard schreibt: „Aber die Rede, die er nun in Aachen hielt, war von einer Dringlichkeit und Eindringlichkeit, wie man sie nie gehört hat, schon gar nicht in Deutschland unter Merkel: Macron sieht offenbar nicht einfach nur die Union in Gefahr, sondern auch in einem viel größeren globalen Rahmen die jahrhundertelange europäische Kultur und Tradition, wenn „man sich von der Tyrannei der Ereignisse“ treiben lasse statt „selber die Dinge in die Hand zu nehmen“.

 

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