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Martin-Buber-Plakette für die Königin mit Herz

Von: Madeleine Gullert und Claudia Schweda
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Königin Silvia mit Martin-Buber-Plakette: Euriade-Stiftungsvorsitzender Werner Janssen übergab die Ehrung. Foto: Markus Bienwald
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Herzogenrath macht Silvia den Hof: Die schwedische Königin wird auf Burg Rode von schaulustigen Royal-Fans gegrüßt. Schwedische Fahnen dürfen bei so einem Empfang nicht fehlen. Foto: Andreas Steindl
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Liz Mohn, Vorsitzende der Bertelsmann-Stiftung, lobte „Großzügigkeit, Herzenswärme, Mitgefühl“ der Königin. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath/Kerkrade. Natürlich wird „Dancing Queen“ gespielt, als Königin Silvia in den Hof von Burg Rode in Herzogenrath schreitet. Schließlich hatte die schwedische Kultband das Lied eigens für Silvias Hochzeit mit König Carl Gustaf 1976 komponiert. Sie hört der Schülerband aus dem Ort klatschend und wippend zu – und lächelt. Dieses royale, authentische Lächeln.

Und obwohl die Königin schon etliche solcher Termine mit Kindergruppen absolviert hat, glaubt man ihr, dass sie diesen Moment tatsächlich genießt. Freundlich und ausführlich antwortet sie im Rahmen des Euriade-Projekts „Jugend im Dialog“ auf Fragen von jungen Menschen aus aller Welt und am Abend bedankt sie sich leise und doch mit einem beeindruckenden Appell für die Verleihung der Martin-Buber-Plakette in Kerkrade: ein Ereignis.

Mit ihrer unbefangenen und direkten Art hat Königin Silvia ihr Leben lang die Herzen der Menschen erobert. Vermutlich nicht erst, nachdem sie als Silvia Sommerlath in die Rolle der Königin Silvia geschlüpft ist. Damals, in den 70er Jahren, erlebte das schwedische Königshaus eine schwierige Zeit. Die Verfassung wurde reformiert, der König verlor seine politische Macht, Schweden wurde eine parlamentarische Monarchie, in der der König rein repräsentative Aufgaben hat. Die Heirat mit einer Bürgerlichen hätte das Königshaus in die Bedeutungslosigkeit stürzen können. Das Gegenteil geschah.

Die Schweden verliebten sich in ihre neue Königin. Silvia war schön, das sah jeder, trat charmant, souverän, leise und bescheiden auf. Auch als sie am Dienstag nach ihrer Rolle in der ausgezeichneten Stiftung angesprochen wird, sagt sie: „Ich finde es schwer, über mich selbst zu sprechen.“ Bescheiden, aber nicht verschlossen: Silvia präsentierte sich und ihre Familie immer als modern und volksnah. Die Presse durfte beim Backen zuschauen, die drei Kinder besuchten staatliche Schulen. Ihre Liebesgeschichte las sich wie ein Märchen: VIP-Hostess bei den Olympischen Spielen in München 1972 gewinnt das Herz eines Prinzen.

Dabei stimmt diese märchenhafte Geschichte nicht so ganz. Silvia Renate Sommerlath hat durchaus adelige Vorfahren: Ihre brasilianische Mutter Alice entstammte dem spanischen Adelsgeschlecht Toledo. In Brasilien verbrachte Silvia die Kindheit. Erst in der Jugend kam sie nach Deutschland, machte Abitur in Düsseldorf und lernte dann sechs weitere Fremdsprachen. Sie dürfte also ein durchaus kluger, weltgewandter und nicht nur schöner Kopf gewesen sein, als Kronprinz Carl Gustaf sich Hals über Kopf im Olympiastadion in sie verliebte. „Nur Schwedisch konnte ich vorher leider nicht“, verriet sie. Die schwedische Geschichte, das politische System und die Etikette am Hof musste sie lernen. „Aber wenn man jemanden liebt, macht man das.“ Heute sei sie „glückliche Großmutter von zwei Mädchen“.

Zu ihrem Mann hielt sie auch dann, als Details aus seinem angeblich ausschweifenden Lebensstil bekannt und öffentlich diskutiert wurden. Dass sie das innerlich nicht immer mit der äußerlich zur Schau getragenen Fassung ertrug, ließ sie zu ihrem 70. Geburtstag durchblicken. Auf die Frage, wie es in ihr manchmal aussehe, sagte sie damals: „Selbst als Königin ist man Mensch.“ Am Dienstag verriet nur das Nesteln an ihrem Armband unter dem Tisch, dass auch eine Königin kleine Macken haben kann. In der Öffentlichkeit tritt sie professionell auf und streitet nicht ab, dass sie ihre Arbeit mit preußischer Disziplin plant.

Ein solcher Menschen gibt in seinem Leben anderen offenbar viel Raum: Königin Silvia ist inzwischen Schirmherrin von mehr als 60 wohltätigen Organisationen und gründete zahlreiche Stiftungen. Dass sie nicht nur mit ihrem Namen helfen will, zeigt vielleicht ein Beispiel aus einer Einrichtung für Demenzkranke, dem „Silviahemmet“, dessen Gründung 1996 auf die Erfahrung mit der eigenen, nach Stockholm geholten demenzkranken Mutter zurückging. Dort liegen alte Zeitungen aus lange vergangenen Zeiten, an die die Patienten sich erinnern. Diese Zeitungen bringt Königin Silvia von Flohmärkten mit.

Auszeichnungen hat sie für ihr Engagement bereits reichlich erhalten. Am Dienstag kam die Martin-Buber-Plakette für ihren Einsatz zum Schutz von Straßenkindern, von Gewalt betroffenen Kindern und gefährdeten Familien hinzu. Im Mittelpunkt steht dabei die von ihr 1999 ins Leben gerufene „World Childhood Foundation“ (Welt-Kindheit-Stiftung). Aktuell fördert diese Stiftung mehr als 100 Projekte in 17 Ländern. Auslöser für das Engagement war ein Junge in Südamerika, wie Silvia den Jugendlichen erzählte. „Er zeigte mir ganz stolz einen Pappkarton, sein Zuhause.“ Auf dem Rückflug sei sie in einen tropischen Regensturm gekommen und habe sich gefragt, was bloß aus dem Jungen und seiner Papphütte geworden sei. „Das war das Zeichen, dass ich etwas tun muss“, erinnerte sich die Königin.

Liz Mohn, Vorsitzende der Bertelsmann-Stiftung, kennt Königin Silvia seit vielen Jahren. In ihrer Laudatio lobte sie „Großzügigkeit, Herzenswärme, Mitgefühl“ dieser Frau. „Königin Silvia von Schweden hat die Welt zu einem besseren Ort gemacht“, sagte Mohn. Bei der Überreichung der Plakette betonte Euriade-Vorsitzender Werner Janssen das „vielfältige und intensive Engagement“ der Königin. Sie kümmere sich um die Not des Leidenden und höre ihm zu. Das Lob verwandelte Königin Silvia in ihrer Dankesrede in einen Appell an alle Festgäste. Kinderrechte dürften nicht nur auf dem Papier stehen, sie müssten in den Herzen der Menschen einen festen Platz haben: „Die Aufmerksamkeit eines Erwachsenen, Ihre Aufmerksamkeit, kann einem Kind in Gefahr helfen. Hören Sie den Kindern zu!“

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