Aachen - Manche mögen´s kalt - aber eben nicht alle

Manche mögen´s kalt - aber eben nicht alle

Von: Claudia Schweda
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Aachen. Es ist ruhig im Aachener Tierpark. „Der Dezember und der Januar sind nicht unsere Monate”, sagt Leiter Wolfram Graf-Rudolf. Gemeint sind die Besucherzahlen, nicht die Tiere. Klar, viele Tiere sind in ihren Innengehegen.

Aber die, die sich zeigen, haben am Mittag dieses strahlend schönen und klirrend kalten Donnerstages mit den Witterungsverhältnissen wenig Probleme: Die Trampeltiere kauen gelassen vor sich hin, die Zwergziegen warten auf Kinder, die sie streicheln, und die Luchse sind in ihrem Element. Sie toben durch den Schnee, einer legt sich genüsslich in die Mittagssonne und leckt sich die Kristalle von den Pfoten. Ein Luchs kann schnurren. Dieser sieht so aus, als täte er es gerade.

„Wir schaffen uns ja keine Tierart an, die wir im Winter nicht halten können”, sagt Graf-Rudolf. Teilweise müssen eben nur die Bedingungen angepasst werden. So wie für die Erdmännchen. In ihrem „Termitenhügel” liegt eine Heizmatte. Darauf kuscheln sie sich aneinander - und drücken sich die Nase an der beschlagenen Glasscheibe platt. Sie blicken auf den Schnee vor ihrer Haustür. Und es fröstelt sie. Offensicht- lich.

Badefreie Zeit

„Schwierig ist die Situation für die Brillenpinguine”, sagt Graf-Rudolf. Kaum zu glauben, aber wahr: Sie kennen kein zugefrorenes Eis. Ihr Lebensraum in freier Wildbahn ist das südliche Afrika. Friert in Aachen ihr Außenbecken zu, besteht die Gefahr, dass sie durch Eislöcher eintauchen und unter dem Eis ertrinken, weil sie nicht wieder hinausfinden. Aus diesem Grund ist das Becken mit einem Netz gesichert. Für die Tiere sei die badefreie Zeit nicht weiter schlimm. „Sie werden nur ein bisschen schmutziger”, sagt der Tierparkleiter, „weil sie den Dreck aus ihren Höhlen nicht loswerden.” Noch sind die Brillenpinguine im Außengehege. Das wird sich ab einer Temperatur von minus 20 Grad Celcius ändern. Dann sind ihre Flipper in Gefahr, Schaden zu nehmen - und sie müssen nach drinnen.

Andere Tiere haben schon Ausgangssperre. Die Zebras zum Beispiel. Sie sind Graf-Rudolf einfach zu wild. Ihre Angewohnheit sei eben, quer durchs Gelände zu galoppieren und erst kurz vor der Außenmauer eine Vollbremsung zu machen. Ohne „Winterreifen” sei das derzeit aber ein Problem. „Wir haben Angst, dass sie sich auf dem vereisten Gelände die Knochen brechen.” Auch die Flamingos und Pelikane bleiben in ihren Häusern. Sie würden über ihre großen Füße zu viel Wärme verlieren. „Und so ein Pelikan kann schon mal auf dem Wasser festfrieren.”

Das friert den Tieren auch in den Näpfen. Deswegen laufen die Pfleger täglich mehrfach mit Kanistern von Gehege zu Gehege weite Wege: Die Außen-Wasserleitungen mussten abgestellt werden.

Auch andere Zoos mussten auf die winterlichen Minusgrade reagieren. Wie in Aachen die Zebras dürfen anderswo keine Giraffen nach draußen, weil die Gefahr zu groß ist, dass sie sich auf Eis und Schnee die langen Beine brechen. Zoomanager mit Raubtiergehegen müssen verhindern, dass Tiger & Co nun gefrorene Wassergräben für Fluchtversuche nutzen. Im Gelsenkirchener Zoo wurde deswegen vorsorglich der Wasserspiegel im Eisbärengehege gesenkt, damit die Tiere nicht von der vereisten Fläche aus über die Absperrung klettern können. In Dortmund müssen die Großkatzen - Löwen, Tiger und Luchse - in ihren Käfigen bleiben. Über die Eisfläche der Absperrgräben könnten sie sonst mit einem Satz ins Freie springen.

In Gelsenkirchen müssen sich die Tierärzte verstärkt um die Nashörner kümmern. Sie haben sich schon beim ersten Wintereinbruch eine dicke Erkältung geholt, bekommen Medikamente und müssen im Innenbereich bleiben.

„Besonders für die tropischen Tiere sind die Minusgrade lebensgefährlich”, sagte Zoologin Ulrike Rademacher von der Stuttgarter Wilhemina. Wie in anderen Zoos dürfen auch die Elefanten dort nur kurz an die frische Luft, weil sie über ihre großen, stark durchbluteten Ohren viel Wärme verlieren. Im Duisburger Zoo fetten die Pfleger den Jumbos deswegen die Ohren - und auch die Füße - mit Melkfett ein, um sie gegen Kälte zu wappnen.

Im Tierpark Hagenbeck in Hamburg haben die asiatischen Elefanten sogar totalen Stubenarrest. Dort hat die Kälte auch die verrückteste Wohngemeinschaft Hamburgs entstehen lassen: „Unsere Humboldt-Pinguine leben in einer Wohngemeinschaft mit den Kängurus”, erklärt Eveline Düsterbek. Eine originelle Variante fanden die Zoo-Manager in Duisburg und Berlin, um ihre Affen bei Laune zu halten. Die müssen nun mehr als sonst in der Stube hocken und erhalten prophylaktisch lauwarmen Tee, um sich nicht zu erkälten.

In Schwerin zeigten sich die Strauße total irritiert. Sie bekamen offensichtlich Orientierungsprobleme angesichts der weißen Pracht. Zoodirektor Mirko Daus sprach von regelrechter Schneeblindheit.

Gemütlich haben es sich in Gelsenkirchen die Braunbären gemacht. Sie haben den Schnee einfach beiseite geräumt, sich Kuhlen gegraben und halten darin tagsüber ihre Winterruhe ab. Nachts bleiben nur die Seelöwen draußen im Wasser, weil es dort wärmer ist als an Land, sagt Zoo-Sprecherin Sabine Haas. Sie halten das Becken durchs Schwimmen und Planschen selbst eisfrei.

Der Aachener Tierpark wird von Kindern nicht nur wegen der Tiere geliebt. Ein weiterer Grund sind die vielen Spielplätze. Und auch sie entwickeln bei Minustemperaturen offenbar ihren ganz eigenen Reiz. „Auf der Rutsche sind die Kinder im Moment doppelt so schnell unterwegs wie sonst”, sagt Graf-Rudolf. „Wenn das so weitergeht, müssen wir bald ein Fangnetz installieren.”
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